07. April 2021
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Beat Gygi

4-seitiger Haftungsausschluss: Die Credit Suisse kommuniziert, wie es zu den Milliardenverlusten kam – mit sehr vielen Relativierungen

Die Credit Suisse hat eine Mitteilung veröffentlicht mit einem Zwischenstand zu ihrem Verlust aus riskanten Investitionen.

Die Bank gibt nur Ansatzweise Auskunft über den Schaden, weitere Ergebnisse folgen später. Die Meldung ist dennoch sehr informativ.

Es ist weniger der Inhalt, sondern viel mehr die Form: Da schaudert es einen.

Der Mitteilungstext ist gut eine A4-Seite lang, schwarz auf weiss.

Dann kommt der sogenannte Disclaimer.

Dieser Text, weisse Schrift auf schwarzem Grund, polizeimässig, ist voll von Warnungen, Definitionen, Relativierungen, Risikohinweisen, damit ja nicht irgendjemand irgendwelche Ansprüche aus der Mitteilung ableiten könnte.

Fast vier Seiten lang ist die mechanistische Wortklauberei. Ein verkrampfter Text, der besagt, wo Unsicherheiten bestehen, was nicht gemeint sei, wie man es nicht verstehen soll.

Nochmals: Vier Seiten über das, was nicht sein soll – nur eine Seite über das, was man wirklich macht.

Vier zu eins für den Angstkatalog. Das ist der Rahmen, in dem eine moderne internationale Universalbank arbeitet. Erstarrung.

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5 Kommentare zu “4-seitiger Haftungsausschluss: Die Credit Suisse kommuniziert, wie es zu den Milliardenverlusten kam – mit sehr vielen Relativierungen”

  • Buecherwurm sagt:

    Gehen wir mal 60 Jahre zurück, zum Jahr 1960. Gab es da Vorstandsmitglieder "Risiko" oder "Investmentbanking" ? Nein ! Und es gab keine Milliarden Abschreiber, es gab keine Amerikaner, keine Asiaten und keine Neger in den Vorständen von Credit Suisse, Schweizer Bankverein und Schweizer Bankgesellschaft, die wahrscheinlich noch nicht mal ein Wort Deutsch können.

    Und für diesen Spielbankenbetrieb sollen die Schweizer Steuerbürger haften?

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  • bhueti sagt:

    ... oder wenn Banken von Juristen statt Unternehmern geführt werden.

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  • Peter Rossa sagt:

    ein ähnlicher, in sich geschlossener Kreis wie die Bundesverwaltung (Post-Chef Lervrat), dh im Klartext: Inzucht !

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  • baloiszydeco sagt:

    Archegos hedge fund mit 10 x Hebel (Bank leiht zehn mal Einsatz) spielte mit 100 Milliarden an der Börse. Als Positionen an Wert verloren, forderten die Banken entsprechend Geld zurück. Crux: Je zuerst, je am wenigsten Verlust. Morgan Stanley und GoldiSachs machten das Rennen und wer guckte in die Röhre? Wohl beschäftigt alles zuerst vom Compliance und Legal und Riskdesk absegnen lassen, als Konkurrenz schon im Trockenen. Oder so ungefähr kanns gewesen sein, ohne small print.

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  • Edmo sagt:

    Disclaimer sind die Ausgeburt einer Welt, die von Winkeladvokaten beherrscht wird. Wer sich mit dieser Wortklauberei nicht ausreichend zu schützen vermag, verliert in den USA und zunehmend weltweit einen Prozess nach dem andern und damit auch jedes mal riesige Summen. Als ob die Aktionäre von den unfähigen Managern nicht schon ausreichend bestraft wären, wird ihnen von der Justiz einfach noch viel mehr Geld gestohlen. Das System hat einen Schaden, der Disclaimer ist nur die Antwort darauf.

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