16. März 2021
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Florian Schwab

Der Verlust von 617 Millionen Franken bei den SBB zeigt: Der Staat ist ein schlechter Unternehmer

Gestern präsentierten die SBB ihren Jahresbericht 2020: 617 Millionen Verlust. Dies obwohl die SBB durch ihren Eigentümer, den Staat, vom Markt-Risiko abgeschirmt sind. Im Nah- und Regionalverkehr bezahlen Bund und Kantone. Im Fernverkehr, wo die SBB wirtschaftlich arbeiten sollten, schreibt ihnen der Bund Preise und Verbindungen vor.

Wegen des Verlusts müssen sich die Bähnler keine Sorgen machen: Der Bund stellt die benötigte Kreditlimite zur Verfügung.

Zwar rühmt sich SBB-Chef Vincent Ducrot in der NZZ, man habe operativ 200 Mio. Fr. eingespart. Das sind zwei Prozent des Aufwands von 9,73 Mrd. Fr. – der trotzdem 400 Mio. Fr. über Vorjahr liegt.

Ganz anders bei privaten Unternehmen, bei denen es chlöpft und tätscht. Beispiel Swiss: Hier wurden die Kosten um 60 Prozent heruntergefahren. Der Passagier-Rückgang lag mit 75 Prozent deutlich über jenem der SBB im Fernverkehr (50 Prozent).

Merke: Der politisch-gewerkschaftliche SBB-Komplex mag vieles sein. Ein marktwirtschaftliches Unternehmen ist er nicht.

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10 Kommentare zu “Der Verlust von 617 Millionen Franken bei den SBB zeigt: Der Staat ist ein schlechter Unternehmer”

  • Beat Zwahlen sagt:

    Guten Tag
    Die SBB Immobilien AG schreibt pro Jahr 4000 Millionen Gewinn, mit Vermietung der Ladenlokalitäten an den Bahnhöfen etc. 10% fliessen in die SBB Kasse.
    Was passiert mit den restlichen 3600 Millionen Franken?
    Im übrigen sind die Preise extrem überteuert.
    Eine Bahnfahrt Solothurn Baden retour kostet zum Normaltarif 60 Franken. Ist echt wahnsinnig.

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  • Rolf Bolliger sagt:

    Zu diesem. doch etwas ungerechten Verurteilen der SBB, möchte ich als ehemaliger Eisenbahner doch noch zwei Anmerkungen anheften: Die SBB ist seit 1999 kein reiner Staatsbetrieb mehr. Die Infrastruktur (Geleiseanlagen und Bahnlinien) gehören dem Bund, genau wie das Autobahnnetz. Für die reinen Betriebskosten sind die SBB ganz alleine verpflichtet und verantwortlich! Die Corona-Krise und die Preisvorschriften des Bundes (und den Kantonen im Regionalverkehr!) hat das Defizit beeinflusst!

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  • hape sagt:

    Die Swiss ist ein deutsches Unternehmen. Die SBB gehört der Schweiz. Und genau da liegt der Unterschied!

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  • Arnold Ganz sagt:

    Das der Staat nicht unternehmerisch handelt, weiss man. Für die „Manager“ der Verantwortungsbereiche, sind nicht die persönlichen Leistungsausweise entscheidend, sondern das Parteibuch und die Beziehungsnetze. Soviel zur Voraussetzung der wirtschaftlichen Fehlleistungen in fast allen staatlich geführten Betrieben. Warum muss z.B. der CIO der SBB mit über einer Million entschädigt werden, obwohl sich seine Leistung darauf beschränkt, regelmässig finanzielle Nachforderungen an den Bund zu richten?

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    • Beo B. Achter sagt:

      Die selbe Frage stelle ich mir bei der BKW. Warum muss die CIOin mit zwei Millionen p.a. entschädigt werden?

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    • Markus Kappeler sagt:

      Weil der Staat angeblich nicht unternehmerisch handelt, wurde die SBB ausgelagert und in eine AG umgewandelt, seit da wird so richtig knallhart gemanagt. So mit richtig teuren Managern, die von den bekannten einschlägigen Uni`s kommen und langjährige Erfahrung aus der "Privatwirtschaft" mitbringen. Gleichzeitig haben die Politiker für den richtigen gesetzlichen Rahmen gesorgt. Z.B. mit Arbeitszeitgesetzen und anderen Deregulierungen, die bei Privaten verboten sind.

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  • Edmo sagt:

    Natürlich sind die SBB kein marktwirtschaftliches Unternehmen. Sie sind eine klassische, sozialistisch planwirtschaftlich funktionierende Zwängerei. Da darf man keinesfalls nach Wirtschaftlichkeit fragen. Das ist geradezu unanständig. Die SBB sind für den guten Zweck, sie retten das Klima, sie schaffen Gerechtigkeit. Und sie verbrennen unsäglich viel Geld. Wir sind gerade auf dem besten Weg, mit dem CO2-Gesetz noch viel mehr unsinnige Unternehmen in unserem Land auf die Beine zu stellen.

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  • Markus Kappeler sagt:

    Schwab bringt hier absichtlich einiges durcheinander. Der Staat ist bei der SBB nur Aktionär, er ist nicht Unternehmer, dies ist vielleicht das Problem. Anders als bei der Swiss haben die Politiker der SBB verboten den Fahrplan zusammenzustreichen und die Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Dabei hätte den ausgelaugten SBB Mitarbeiter etwas Kurzarbeitferien besser getan als den verwöhnten Swiss Mitarbeitern die von Gesetzes wegen viel weniger arbeiten. Bekanntlich hat die SBB zu wenig MA.

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    • Markus Kappeler sagt:

      Anders gesagt haben die Politiker der SBB verboten Geld zu sparen. Was Schwab auch übersehen hat ist, die SBB hat Konkurrenz, z.B. SOB oder BLS oder Railcare. Der Staat subventioniert nicht, sondern er kauft Bahndienstleistungen dort ein wo sie am billigsten sind , die Eisenbahnverkehrsunternehmen sind in diesem Sinne nur Scheinselbständig. Jeder kann, sogar Schwab, ganz einfach ein Eisenbahnverkehrsunternehmen gründen, das geht viel einfach als z.B. ein Tierheim zu eröffnen.

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  • Meinrad Odermatt sagt:

    Ich sehe die SBB als Infrastruktur. Der Gewinn muss bei den Nutzern anfallen und nicht beim Staat. Und es ist nicht das gleiche, ob man zu einer Beerdigung oder zu einem Geschäftsabschluss fährt. Die Bahn produziert viel zu teuer, zu luxuriös. Ansonsten könnte man sagen, die Nutzer haben 719 Millionen im eigenen Portemonnaie behalten. Als Infrastruktur wird der Verlust auf alle Steuerzahler verteilt. Kein Problem damit. Man fragt auch nicht, ob ein Strassenabschnitt profitabel sei. Und Corona?

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