25. Oktober 2021
René Hildbrand

Die Uhrenindustrie brummt, die Kursgewinne der Medizinal-Technik werden immer gigantischer. Wer redet noch vom Rahmenabkommen?

Seit dem Scheitern des Rahmenabkommens wird die Schweiz von der EU als Drittstaat behandelt. Exportprodukte verursachen höhere Kosten, weil sie neu beschriftet werden müssen. Wegen den administrativen Schikanen mussten bislang allein die Medtech-Firmen über 100 Millionen Franken aufwenden. Nur schon die Neuetikettierung von Inkontinenz-Windeln kostet über eine halbe Million Franken – pro Woche.

Die Schweizer Industrie sich mit den «Strafaufgaben» arrangiert. Die Kurssprünge bei Medtech-Firmen von bis zu 150 Prozent (Medartis AG) verblüffen die Anleger. Wer gut eingekellert hat, kann gut auskellern.

Die Schweizer Wirtschaft schlägt sich grandios. Trotz eineinhalb Jahren Pandemie. Und ohne Rahmenvertrag mit der EU.

Unsere Industrie war schon immer anpassungsfähig, widerstandsfähig und innovativ. Viele Firmen verzeichnen Rekordumsätze und -gewinne.

Sissmem-Präsident Martin Hirzel legt Wert auf die Feststellung: «Die Lösungen kamen nicht von der Politik, sondern von der Industrie!»

Die Rächer in Brüssel können die Schweiz unseretwegen anherrschen. Aber sie werden es nicht schaffen, die Eidgenossen gefügig zu machen.

Das Dividendeneinkommen befindet sich auf sehr hohem Niveau. Viele Firmen haben während der Pandemie Produkte gelauncht, sowie neue erfunden. Und die Digitalisierung beschleunigt.

Die Schweizer Uhrenindustrie befindet sich nach Corona über dem Niveau von 2019. Bis Ende September wurden Uhren für über 16 Milliarden Franken exportiert. 30 Prozent in die EU. Tendenz steigend.

Ausserhalb der Europäischen Union schwächelt einzig Grossbritannien. Georges Kern, CEO von Breitling (hat den Wert dieser Firma seit seinem Antritt vor vier Jahren vervierfacht), sagte in der TV-Sendung «Bilanz Standpunkte»: «Für die analoge Uhrenindustrie wird das Wachstum fast unendlich steigen.»

Er denkt an China. Kern: «Schon heute kaufen 300 Millionen Chinesen im Preissegment der besten Schweizer Uhrenmarken. In den nächsten zehn Jahren werden 100 Millionen dazukommen.»

Viele Schweizer Politiker haben das (noch) nicht geschnallt: Die Moralisierer unter ihnen interessiert nicht einmal die uralte, simple Weisheit: Wenn es der Industrie gut geht, geht es auch den Menschen gut.

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5 Kommentare zu “Die Uhrenindustrie brummt, die Kursgewinne der Medizinal-Technik werden immer gigantischer. Wer redet noch vom Rahmenabkommen?”

  • Roethlisberger Martindr.roe.arosa@bluewin.ch sagt:

    Die Mehrkosten für die Medizinalprodukte-Industrie bei der Einfuhr in die Schweiz könnten vermieden werden, wenn Bern auf unsinnige Bestimmungen verzichten würde. Was in der EU gut ist als Produkt, kann es auch bei uns sein. Also behindern wir bi8sher die Einfuhr selbst!

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  • oazu sagt:

    Was verraten diese ökonomischen Tatsachen: die vermeindlichen Verlierer ohne RA mit EU ist gar nicht die Exportindustrie, wie landauf landab einhellig von Mainstream-Politik und -Medien behauptet wird um damit Bevölkerung mit Diffus-Angst auf EU-phile Politik zu trimmen, sondern es ist der Politik-, Staats- und Globalunternehmen-Komplex selber, denen ohne solche Konstrukte ihre Privilegien und Macht abhanden kommt. Das sind DIE Gewinner mit RA, sicher nicht Bevölkerung, weder in CH noch in EU.

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  • Edmo sagt:

    Die Zahlen sind gut, die Unternehmen florieren. Das hindert die Organisation Swiss Medtech allerdings nicht daran, den Notstand zu beschwören und die Exhumierung des InstA zu verlangen. Weil die Exporte so gut laufen, dass damit kein Jammern möglich ist, werden die Hürden für den Import dramatisiert. Perfekt defätistisch verlangt Swiss Medtech, die Schweiz solle einseitig die Zollbestimmungen für Medizinalprodukte lockern. Selbstaufgabe zur grossen Freude der EU. Dümmer geht immer.

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  • Putin sagt:

    Wie kommt es dann soweit, dass Apple schon mehr Uhren verkauft hat als die Schweiz jeh produziert hat in der gleichen Zeit? Hoffen wir die Reichen bleiben die super teuren Uhren kaufen.

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  • Benedikt Ramseier sagt:

    Vergesst die EU. Sie ist ein arrogantes Gebilde mit diktatorischen Zügen und hat ihre Finanzen nicht im Griff. Sie kann nur in einer Disziplin glänzen : als Gelddruckmaschine

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