26. April 2021
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Wolfgang Koydl

Allesdichtmachen zeigt den Zustand der Bundesrepublik: Wer die Kanzlerin kritisiert, wird mit dem Tod bedroht. Angela Merkel schweigt

Der gehetzte Blick, das gestammelte Treuegelöbnis, das Flehen um Verzeihung – das Video der Schauspielerin Meret Becker trug alle Kennzeichen eines erzwungenen Geständnisses in einem stalinistischen Schauprozess.

Warum nur erniedrigte sich diese selbstbewusste Frau? Sie hatte doch nur, zusammen mit Berufskollegen, die Corona-Massnahmen der Regierung kritisiert.

Mehr als 50 Schauspielerinnen und Schauspieler hatten unter dem Hashtag #allesdichtmachen in kurzen Videos teils ironisch, teils sarkastisch die ökonomischen, beruflichen und psychischen Folgen des seit einem halben Jahr andauernden Lockdowns gerügt.

Schnell wusste man, weshalb Meret Becker eingeknickt war: Sie hatte Morddrohungen erhalten. Andere Schauspieler waren beschimpft worden. Einigen drohte man mit Berufsverbot. Inzwischen haben 16 von ihnen ihre Beiträge gelöscht.

Man kann über die ironische Machart ihrer Kritik streiten. Aber es ist unstrittig, dass Kritik immer zulässig ist. In Deutschland gilt das nicht mehr.

Unstrittig sollte auch sein, dass der Staat die Meinungsfreiheit schützt. Aber weder der stets wohlfeil salbadernde Bundespräsident noch die Zeigefinger-Kanzlerin stellten sich hinter die Schauspieler. Ihr Schweigen billigt Hass und Hetze gegen jeden, der nicht auf ihrer Linie ist.

Das hätten wir immerhin geklärt.

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23 Kommentare zu “Allesdichtmachen zeigt den Zustand der Bundesrepublik: Wer die Kanzlerin kritisiert, wird mit dem Tod bedroht. Angela Merkel schweigt”

  • Buecherwurm sagt:

    Viele der deutschen, staatlichen Massnahmen sind idiotisch bis kontraproduktiv!

    Im ersten Lock-Down haben die Deutschen als Erstes Ihre Keller und Dachböden entrümpelt, dann wurde Farbe gekauft und die Küche/Bad neu gestrichen.

    Beim zweiten Lock-Down wurden die Baumärkte geschlossen, um das zu verhindern. Statt die Küche zu weisseln trifft man sich heimlich zum Kartenspielen oder Party-machen.

    Der 1. Lock-Down war erfolgreich, beim 2. liess man Schulen offen, um die Zahlen hoch zu halten.

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  • Josef Hofstetter sagt:

    Es ist nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz, darf man keine negativen Berichte schreiben, welche gewissen Leuten nicht passt. Wenn ich bei Tamedia Zeitungen Berichte schreibe, fundierte, auf Grund meiner Erfahrung, dann habe ich Glück, wenn von 30 Kommentaren einer erscheint. Wenn ich nun Deutschland anschaue, da kann Merkel Ihre DDR Herkunft nicht verleugnen, den Sie glaubt. dass sich die Menschen in Westdeutschland wie bei der DDR dem Staatsoberhaupt, Kanzlerin unterordnen muss.

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    • holsderkuckuk sagt:

      Hallo Herr Hofstetter. Am besten verzichtet man auf die Verdrehungen und Falschmeldung der Medien-"Schaffenden". Schaffende ist ein Ausdruck der falsch angewendet wird, die grosse Mehrheit verzichtet freiwillig darauf selbständig zu denken. Oh, wie wohl ist mir im Sumpf der politisch korrekten Denkweise mit den anderen Fröschen zu quacken. Da es eigentlich keine objektive Berichterstattung mehr gibt, kann man getrost auf die weltverbessernde SRG und die subventionierte Tagespresse verzichten.

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  • Tenor sagt:

    Es gab offenbar nicht nur Morddrohungen an die Adressen von #allesdichtmachen-Schauspieler - deren Kinder wurden offebar bedroht. Verwundert es da, dass einige zurückgerudert sind?
    Hier der Artikel dazu: https://reitschuster.de/post/nach-schauspieler-aktion-morddrohungen-und-aktionen-gegen-kinder/

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  • olive sagt:

    Ich verstehe die Schauspieler, die einen Rückzieher machen. Das Dumme ist dabei nur: es hilft ihnen nichts, die Absolution lässt auf sich warten und die Religionswächter werden immer mächtiger.

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  • Tenor sagt:

    Dass viele teils sehr bekannte und populäre Schauspieler und Schauspielerinnen (Schauspielende!) diesen Schritt gewagt haben, dafür kann man ihnen nicht genug danken! Denn nun bekommen auch Leute, die davon bislang gar nichts gemerkt haben mit, was in diesem Land bei Mainstream-Meinungsunkonformität eigentlich abläuft.

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  • Buecherwurm sagt:

    Immerhin hat ein leibhaftiger Rundfunkrat die Intendanten des Fernsehens quasi öffentlich angewiesen, sich von den 50 Schauspielern zu trennen bzw. die nicht mehr im Fernsehen auftreten zu lassen.

    Das wäre/ist für die Schaispieler existenzvernichtend.

    Dagegen habe ich noch nicht gelesen, dass man sich von dem Rundfunkrat trennen müsste,

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  • Alt-Badener sagt:

    Die Bitternis in diesem Lande leben zu müssen, wird von Tag zu Tag größer. Und miterleben zu müssen, dass die meisten Mitbürger das Verhängnis nicht erkennen oder erkennen wollen, schmerzt noch mehr.

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  • hape sagt:

    Ich bin dann mal gespannt, ob die Schweizer Stimmbürger reifer sind und im Juni das Covid19-Ermächtigungsgesetz ablehnen. Wenn nicht, müssen wir uns auch nicht über Deutschland unterhalten.

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    • Melanie sagt:

      Leider, leider werden die Stimmberechtigten das mit allergrösster Mehrheit annehmen. Falls es abgelehnt wird, fresse ich einen Besen...

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      • holsderkuckuk sagt:

        Man muss die schweigende Mehrheit aufrütteln, die Stimmberechtigten, die an Abstimmungs-oder Wahlterminen keine Zeit haben. Ich weiss nicht was richtig ist, ist keine Entschuldigung nicht teilzunehmen. Halten sie während des Jahres Augen und Ohren offen und machen sie sich ihre eigenen Gedanken. Hören sie nicht auf die Weltretter oder die Sozis die nur verkehrte, unsoziale Politik machen. Die Grünen sind mehrheitlich in subventionierten Bereichen tätig, um sich an den Zwangsabgaben bereichern.

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  • ToWa sagt:

    Vornehmlich linke Schauspieler werden von linkem Mob mundtot gemacht. Und müssen dann sofort alles widerrufen und sich gegen „Rechts“ abgrenzen. Hier liegt die wahre Ironie der Geschichte.

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  • minibixi2008 sagt:

    Wie können 8o Millionen Menschen einer Führerin blindlings in den Abgrund folgen ohne sich dagegen aufzulehnen. Irgend wie kommt mir das bekannt vor.
    Bei den nächsten Regierungswahlen kommt dann der Deckel endgültig auf den Sarg.

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  • Paul Streuli sagt:

    Der Staat schützt nur noch eine Meinung und das ist die des Staates.

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  • gian sagt:

    Alles beim Alten
    1938: "Um seine Karriere nicht zu beeinträchtigen, lässt sich Heinz Rühmann auf Druck von Joseph Goebbels von seiner jüdischen Frau scheiden."
    2021: Um ihre Karriere nicht zu gefährden, lassen sich 16 Schauspieler auf Druck von Hofjournalisten weichklopfen und machen einen Rückzieher.
    Das Bellen des getroffenen Hundes delegiert die schweigende Merkel an die Medien.

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  • Edmo sagt:

    Mit dem Infektionsschutzgesetz hat sich Angela Merkel die Alleinherrschaft über Deutschland gesichert. Endlich hat sie ihre lange herbeigesehnte Diktatur. Da kann man unmöglich erwarten, dass ausgerechnet die grosse Herrscherin Verständnis für Kritik aufbringt. Kritik und Diktatur waren schon immer unverträglich. #Allesdichtmachen hatte wohl nicht die Absicht, den Zustand der deutschen Diktatur so brutal aufzuzeigen. Das haben die Medien und die Politik in der Folge eigenhändig erledigt.

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