17. August 2021
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Alex Baur

Architektur-Kritiker Benedikt Loderer wettert seit Jahren gegen die «Hüsli-Schweiz». Das ist typisch für einen Bünzli

Kaum einer beherrscht den Schweizer Blues so gut wie der Bieler Architektur-Kritiker und grüne Politiker Benedikt Loderer. Seit Jahren besingt er das Land als gesichtsloses Luxus-Ghetto für Bünzli und Neureiche. Die «Schweizerische Selbstzufriedenheit» geht ihm «furchtbar auf den Wecker».

Das Loderersche Grauen materialisiert sich in der «Hüslischweiz», auch als «Hüslipest» verflucht: Ein Land voller planlos in die Landschaft gestreuter «Hüsliplantagen». Der «Hüslischweizer» ist die Inkarnation des Egomanen ohne ökologisches Gewissen, «ein Mitläufer ohne Zivilcourage», der viel zu viel Platz für sich und sein geliebtes Auto braucht.

Früher war alles viel besser – als noch die Tremola in den Süden führte statt einer Röhre, als es noch richtige Gassen gab statt von Thuja-Hecken umsäumter Asphalt. Wenn man ihm nur ein Altstadt-Häuschen am Zürcher Neumarkt überlassen würde, so schwärmte Loderer kürzlich in einem Interview mit Tamedia, wäre er vollauf zufrieden. Mehr brauche er nicht zu leben.

Da nicht acht Millionen Schweizer in einem grosszügigen historischen und erschwinglichen Altbau mit Dachterrasse und Innenhof im Herzen Zürichs leben können, begnügt sich Loderer («Mein Motto: immer radikal und niemals konsequent») vorläufig mit einer grosszügigen Altstadtwohnung in Biel.

Das mag zwar inkonsequent anmuten. Und doch passt der Griesgram ganz gut zum Mittelmass, das er tagein tagaus beschwört. Ein typischer Bünzli eben.

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10 Kommentare zu “Architektur-Kritiker Benedikt Loderer wettert seit Jahren gegen die «Hüsli-Schweiz». Das ist typisch für einen Bünzli”

  • Bernhard Bossard sagt:

    Benedikt Loderer hat recht, weil Städtebau in der Schweiz unbekannt ist!

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  • mikueder sagt:

    Mir gefallen die amerikanischen Vororte. Schöne Siedlungen mit Häusern die noch nach Häuser aussehen mit viel Platz, Rasen und Bäumen.

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  • Guy Tiger sagt:

    Ich finde, Beno Loderer hat recht. Er prangert nicht die die Eigenheimbesitzer als solche an, oder dass es Einfamilienhäuser gibt. Er prangert die Architektur an, die sterilen "Hüsli"-Quartiere, die ganze Hänge zerfressen, aber nicht mal einen Kiosk haben. Es geht ihm um die "Hüsliwürgerei". Das Problem sind nicht Architekturkritiker, sondern die Planer und die Behörden, welche diese Hässlichkeiten überhaupt erst entstehen lassen. Es gäbe durchaus gute Alternativen. Am Preis liegt's nicht.

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    • Markus Kappeler sagt:

      Ein Hüsli ist 10x schöner als ein Betonklotz, auch bekannt als "Chüngälistall-Mietwöhnigli" . Gerade Einfamilienhäuser mit Garten integrieren sich hervorragenden in Natur und Landschaft. EFH sind für die Natur viel besser als Stadtwöhniglis. Weil sie Energieautarke sein können und der Garten eine hochwertige Ausgleisfläche ist für die Landwirtschaftlichen Monokulturen und der naturfeindlichen Städtebau. EFH Besitzer müssten für ihren Einsatz für die Natur und Umwelt Subventionen erhalten.

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  • lionmo sagt:

    Wer weiss denn, ob der gute Mann nicht irgendwo auf der Welt doch ein EFH sein Eigen nennt …??

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  • Marlisa Schmid sagt:

    Loher llobt die hässlichen brachialen Beton-Glas-Flachdach-Wohnklötze, die alle flächendeckend, von Romanshorn bis Genf, identisch aussehen und die Landschaft verschandeln und versiegeln.Dann doch lieber die EFH mit Umschwung, mit einer grünen Naturoase für Vögel und Schmetterlinge.Die vielen Glasscheiben in den Neubauten sind millionenfache Vogelkiller und komplett naturfeindlich.Die katastrophalen Folgen dieser anhaltenden Bauwut sind in jeder Ecke unseres Landes sichtbar und machen depressiv.

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  • Beri sagt:

    Soll er doch auswandern, wenn es ihm hier nicht passt, es hält ihn niemand zurück. Dann haben wir wieder eine freie Wohnung mehr zur Verfügung.

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  • Mueller sagt:

    Verfrachtet diesen Banausen in ein Plattenbau-Wohnsilo a la DDR!

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