22. Juni 2021
René Hildbrand

«Eco», «Glanz und Gloria», «Schawinski» etc.: Wie Fernseh-Direktorin Nathalie Wappler ohne Not beliebte Formate killt

Moderator Reto Lipp holte am Montag für die Dernière nach eigenen Angaben den besten Anzug aus der SRF-Garderobe. Nach vierzehn Jahren ging die letzte Ausgabe von «Eco» über den Sender.

TV-Direktorin Nathalie Wappler hat das Wirtschaftsmagazin ohne Not gekillt.

Unternehmer Peter Spuhler sagte es in einem Einspieler am deutlichsten: «Ich finde es einen Skandal, dass das Schweizer Fernsehen seine letzte Wirtschaftssendung absetzt!»

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran doppelte nach: «Ich bin traurig und enttäuscht!» Auch der ehemalige Migros-Boss und Swisscom-Präsident Anton Scherrer hielt sich nicht zurück: «Für mich gehörte Eco zum Besten, das man in den letzten Jahren beim Schweizer Fernsehen überhaupt sehen konnte.»

Die Wirtschaftsberichterstattung fristete lange ein Mauerblümchen-Dasein im SRF-Programm. Dies auch unter dem kürzlich verstorbenen Peter Schellenberg, dem zwar fachlich besten TV-Direktor, seit in der Schweiz Fernsehen gemacht wird.

Schällis Nachfolgerin Ingrid Deltenre brachte 2007 «Eco» mit Reto Lipp ins Programm. Die Sendung fand rasch ein Stammpublikum. Die Schwester-Sendung «Eco talk» wurde von Wappler schon letztes Jahr abgesetzt. Begründung: Sparmassnahmen. Verzell das em Fährimaa.

Ab Mitte August kommt wieder ein Wirtschaftstalk ins SRF-Programm. So ganz will man es mit der Schweizer Wirtschaft halt doch nicht verderben. Und offenbar hat man in Zürich-Nord doch noch Kohle gefunden.

Doch einmal mehr waren die Privaten schneller. Seit diesem Frühling moderiert Martin Spieler auf Tele Züri und Co. jede Woche den «CEO-Talk» mit Top-Shots der Schweizer Wirtschaft.

Wenn wir schon bei Fehlentscheiden von Nathalie Wappler, der Frau mit Bundesratsgehalt, sind:

- Aus «Glanz und Gloria» machte sie das «seriösere» Kleinformat «Gesichter und Geschichten». Die Sendung ist so unterhaltend wie die Verödung von Hämorrhoiden. Resultat: «G&G» hat Zuspruch verloren und liegt bei Zuschauerzahlen und Marktanteilen inzwischen hinter der davor laufenden Reihe «Mini Schwiiz, dini Schwiiz». Auch diesem Format wird demnächst der Stecker gezogen.

- Roger Schawinski war bekanntlich ein weiteres Opfer der TV-Direktorin. Er konnte seine Talkshow jeweils erst um 23 Uhr starten. Schawis Nachfolger Urs Gredig bekam den viel besseren Sendeplatz direkt nach «10 vor 10». Resultat: Dennoch sind Zuschauerzahl und Quote nicht gestiegen. Was Wunder: Gredig interviewt seine Gäste wie ein Sekundarschüler. Lieblingsfrage: «Was macht das mit Ihne?»

- Trotz täglich sinkenden Corona-Zahlen sieht es in den mit Glaswänden verstellten Studios von «Club», «Arena» usw. immer noch aus wie in Besuchsräumen einer renovierungsbedürftigen Strafanstalt. Noch während der Abspann der «Arena» lief, zog Sandro Brotz bis am letzten Freitag hektisch eine Maske aus seinem Stehpültchen. So, dass es die Zuschauer noch mitbekommen konnten. Heuchlerisch.

Frage: Haben Sie in den Studios von Anne Will, Sandra Maischberger oder Maybritt Illner jemals Glaswände oder Masken entdeckt? Selbstverständlich nein. Abstand halten ja.

Wundert sich überhaupt noch jemand, dass SRF am laufenden Band Aushängeschilder aus allen Bereichen davonlaufen?

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16 Kommentare zu “«Eco», «Glanz und Gloria», «Schawinski» etc.: Wie Fernseh-Direktorin Nathalie Wappler ohne Not beliebte Formate killt”

  • Karin sagt:

    Ich möchte endlich keine Gebühren mehr bezahlen für etwas, das ich nicht benutze.

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  • Bruno Bettoli sagt:

    Die schon lange andauernde Demontage des Wirtschaftsbereiche ruft nach einer definitiven Aufhebung der staatlichen Subventionen bei allen Medienhäusern. Nur die Konkurrenz im freien Wettbewerb lässt den Haltungsjournalismus verschwinden, was aber eine fundierte Meinungsvielfalt steigen lässt.

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  • chemiepetet sagt:

    Die Quotenfrau Wappler hat es nun gezeigt, dass sie ausser fehlentscheidungen nichts auf die Reihe bringt. SRf wird täglich öder und schlechter. Linker Gesinnungsjournalismus allenthalben. Ich schalte SRF nur noch im Notfall ein. Wer überzeugt Wappler, dass sie in Deutschland besser aufgehoben wäre?

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  • juege sagt:

    Ich vermisse keine einzige Sendung.

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  • Marlisa Schmid sagt:

    Obwohl ich Schawinski als Person nicht mochte, waren seine Talksendungen doch äusserst unterhaltsam, mit Salz und Pfeffer gewürzt, und bisweilen lösten sie sogar Skandale aus mit tagelangen Diskussionen in der Oeffentlichkeit. Ich denke da an die Sendung mit Thiel oder mit der Edelprostituierten Salome Baltus. Im Vergleich geradezu blutleer sind die Sendungen mit dem Gutmenschen Gredig. Alles im Schongang, ohne provokative Fragen, einfach brav wie eine Veranstaltung in einem Nonnenkloster.

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  • Marlisa Schmid sagt:

    Gerade eben lese ich, dass nun auch noch der Sportkommentator Bürer geht. Noch ein Abgang neben dem bestklassierten Ian Billeter. Diese beiden Kommentatoren rangierten ganz zuoberst auf der Bestenliste.Reihenweise laufen dem SRF die kostbarsten Leute davon. Nik Hartmann, Kilchsberger, Hüppi... und die allerbesten Sendungen Eco und Netz Natur werden aus dem Programm gekippt. Wappler wütet wie ein Orkan und zerstört unser TV mit brachialer Gewalt. Sie gestaltet es um zu einem Erziehungs-TV.

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  • schraegdenker sagt:

    "Die Sendung ist so unterhaltend wie die Verödung von Hämorrhoiden": Herrlich! Hat schon Köppel'sches Format, diese Formulierung. Ich kann ja nicht mitreden, da ich den SRF-Schwachsinn seit Jahrzehnten nicht mehr schaute, ausser Sport, mit dem ich letztes Jahr aber auch Schluss machte. Mich indoktrinieren die nicht mehr.

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  • Alain sagt:

    Unglaublich was sich diese Dame an vorderster Front erlaubt. Das Problem sind nicht die Sendungen von SRF, das Problem heisst Nathalie Wappler. Statt TV-Formate abzusetzen, bitte Mme Wappler in die Wüste schicken, ein Grossteil der Probleme wäre dann gelöst.

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  • gian sagt:

    Ceterum censeo Serafe esse delendam, aber subito

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  • ug sagt:

    Mittlerweile kann jeder Talkshowformate oder Nachrichten machen wie verschiedene Schweizer Medien aber auch Einzelpersonen täglich beweisen und durch das Internet können diese auch an die ganze Bevölkerung verbreitet werden. Somit ist ein Staatsfernseh nicht mehr notwendig. Schweizer Serien oder Filme können auch auf Netflix etc. gezeigt werden. Wenn gewünscht, kann mit den eingesparten SRF Mittel immernoch die Filmförderung etwas erhöht werden.

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  • Beri sagt:

    Man könnte Frau Wappler zum Geburtstag doch ein Erstklass-Ticket Berlin einfach schenken. Dort passt sie besser hin.

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  • Putin sagt:

    Der Untergang des SRF's naht.....

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