12. März 2021
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Beat Gygi

Atomkraft, nein danke: Wie Simonetta Sommaruga mit Hilfe der NZZ die Energiewende schönredet

Die NZZ bringt es fertig, mit Energie- und Umweltministerin Simonetta Sommaruga ein Interview zu Klimakrise und Energieversorgung zu führen, ohne über Kernkraft zu sprechen.

Nur eine Beinahe-Berührung gibt es, als die zwei Redaktorinnen die Bundesrätin fragen: «Der Atomausstieg war von der bisher einzigen Frauenmehrheit im Bundesrat beschlossen worden. Wie war das beim Ziel netto null für 2050? Hatten Sie die Frauen auf Ihrer Seite?»

Sommaruga: «Ich kann Ihnen versichern: Das Ziel, 2050 klimaneutral zu sein, ist im Bundesrat breit abgestützt – bei Frauen wie bei Männern.» Drei Frauen in Interview-Harmonie.

Zur Erinnerung: Der Atomausstieg war der Fukushima-Kurzschluss-Entscheid 2011 und «Netto-Null-2050» ein eigenmächtiger Klima-Beschluss von 2019 des Bundesrats.

Ein Problem? Nein, Sommaruga erzählt in der NZZ, die Energiewende sei toll für Firmen, Elektroautos seien gut, Ölheizungen schlecht, die Wissenschaft wisse alles, die ganze Wende koste höchstens 100 Franken pro Familie und Jahr und immer mehr laufe elektrisch mit immer mehr Strom.

Kein Wort darüber, dass mit der Kernenergie fast ein Drittel der Versorgung selbstverschuldet wegfällt. Und nichts über künftige Chancen der Kernkraft.

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31 Kommentare zu “Atomkraft, nein danke: Wie Simonetta Sommaruga mit Hilfe der NZZ die Energiewende schönredet”

  • Buecherwurm sagt:

    Ich glaube fest daran, dass die Menschheit auf die Dauer nicht auf Kernenergie versichten kann !

    Aber in Zeiten, wo Banker hunderte Millionen Boni kassieren, wenn Sie Ihre Bank in die Pleite gefahren haben und Vorstandsmitglieder von (Atom-)Kraftwerksbetreibern hunderte Millionen Boni kassieren, wenn Sie in Ihren Kraftwerken eine Kernschmelze herbeigeführt haben, geht das nicht.

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    • Buecherwurm sagt:

      Natürlich geht das nicht so direkt, aber Senkung der Personalkosten, in dem nur noch umgelernte Frisöre und Köche einen Reaktor in die Schmelze fahren (TMI in USA) sind Beispiele.

      Wenn und so lange Absolventen der HSG das Sagen in technischen Bereichen haben, darf Kernenergie nicht stattfinden! Wer HSG-Absolventen in der Industrie als Führungskräfte einsetzt, bitte schön, mehr als die Pleite verursachen die nicht! Aber nicht, wenn es um unser aller nacktes Überleben geht!

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  • Christian Huber sagt:

    Was das noch ungelöste Problem der Speicherung von durch Wind und Sonne zur Unzeit erzeugtem Strom und die beschränkte Kapazität von Batterien für E-Autos betrifft, wird auf den unaufhaltsamen Fortschritt der Technik verwiesen. Bei Kernkraftwerken darf das nicht gelten. Dabei werden bereits KKW der vierten Generation entwickelt, bei denen das Problem der Überhitzung und der Abfallentsorgung gelöst ist. Diese Entwicklung findet ohne die Schweiz (und Deutschland) statt.

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  • Hedgehopper sagt:

    .... und noch eins: Es muß doch verwundern, daß die Politik in ganz Europa fast gleichgeschaltet ist. Wie kommt das, daß alle Nationen dieses schwachsinnige Narrativ von der Energiewende übernehmen? Wer steckt da international dahinter und höhlt die nationalen Demokratien aus?

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  • Hedgehopper sagt:

    Die werden schon merken, daß das Kaffeewasser nicht mehr warm wird. Schade um die schöne Schweiz, wenn da jetzt auch überall Windmühlen aufgestellt werden.

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  • herbert sagt:

    Herbert Schiffner

    Herr Trittin, ein ehemaliger Vorsitzender der "BRD-Grünen" und Fachminister, sprach 2004 den berühmten Satz: " Die Förderung der Erneuerbaren Energien koste Durchschnittshaushalte monatlich nicht mehr als 1 Kugel Eis". Im Jahr 2013 lagen bei uns die Strom-Mehrkosten einer 4-Kopf-Familie bei 355 € / Jahr (das entspricht der Preissteigerung auch bei Speiseeis). Die berühmte Strompreis-Vergleichsfamilie zahlt im Jahr mittlerweile seit 2007 rd. 50 % mehr. Bitte nicht meckern!

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  • Realistin sagt:

    Warum steigt niemand gegen diese zerstörerische Energie Strategie in die Hosen?
    Man hört absolut nichts, Schweigen im Walde.

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  • D.Z. sagt:

    Keine Überraschung, sind doch die meisten Damen und Herren an der Falkenstrasse gegen Kernkraft. Zur Erinnerung: Im letzten Jahr wurde am 11. März auf Seite 2 der NZZ gross darüber berichtet, dass Japan «Den Opfern der Atomkatastrophe» gedenke - die über 22'000 Toten infolge Erdbeben resp. Tsunami wurden nicht mal erwähnt!

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  • juege sagt:

    Ein Aspekt geht hier völlig unter: Die Redundanz, welche bisher die Grundlage jeder technischen Entwicklung war. Sonnenstürme, anstehender Polsprung etc. können einen elektromagnetschischen Impuls verursachen, welche die Stromleitungen grossflächig blitzartig zerstört. Wir brauchen verschiedene Energieträger.

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  • Fritz sagt:

    Kernkraft ausbauen und dann mit Strom heizen, das würde uns die baustellen-intensiven, kostspieligen Gas- und Fernwärme-Leitungen ersparen.

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  • Markus Saurer sagt:

    Die Wirtschaft ankurbeln mit der aktuellen Klima- und Energiepolitik - das ist etwa vergleichbar mit dem Versuch, ein Feuer mit einem Feuerlöscher entfachen zu wollen.

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  • rolf.kielholz sagt:

    Es ist nicht die Frage, ob Frau BR Sommaruga eine (gute ?) Pianistin war oder nicht, sondern ob sie die (Führungs-)Fähigkeiten und den dazugehörenden Leistungsausweis hat für dieses anspruchsvolle Departement. Die Frage stellen, heisst sie beantworten: in diesem Fall eben mit einem klaren NEIN !

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  • Bischi49 sagt:

    Das Interview ist ein Paradebeispiel, wie in der Politik gelogen wird. Es ist ja (meistens) nicht die direkte Lüge sondern das am wirklichen Kern des Themas Vorbei- und Schönreden, das unterschwellige Voraussetzen, dass bezgl. der ungelösten und strittigen Fragen schon längst Einigkeit herrscht, etc. Der erste Blackout wird den Leuten die Augen öffnen, doch dann ist es zu spät. Die Internalisierung von Kosten im CO2-Gesetz wäre ok, wenn nicht gleichzeitig der Staat aufgebläht würde. Wird er aber

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  • Arnold Ganz sagt:

    So läuft die Geschichte mit der Atomkraft schon seit langer Zeit. Wissenschaftliche, technische und ökologisch basierte Lösungen für unserer künftigen Versorgungsfragen haben es nicht leicht. Sie sind kompliziert und für den normal ausgebildeten Bürger schwer verständlich. Dies ruft die Ideologen und falschen Propheten aus Politik und Gesellschaft auf den Plan, welche unsere künftigen Versorgungsprobleme mit Ressourcen schönreden, über welche wir noch lange nicht verfügen werden. Leider!

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    • juege sagt:

      Und wenn selbst "Fachleute" den Begriff "erneuerbare Energie" (die es schlicht nicht gibt) in den Mund nehmen, müssen wir uns nicht wundern, wenn Otto Normalverbraucher schlicht gar keine Ahnung mehr hat, vor was für einer Katastrophe wir stehen. Der Blackout wird kommen und dagegen war Corona lediglich ein bisschen ein tropfende Nase.

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      • Christian Huber sagt:

        Im Katastrophenplan des Bundes steht eine Strommangellage an oberster Stelle. Die Art und Weise, wie das zuständige Departement auf die Pandemie (die vorher an erster Stelle stand), "vorbereitet" war, gibt angesichts der zur Zeit zuständigen Departementstvorsteherin, die über keinerlei Stabserfahrung verfügt und Stabsarbeit zutiefst verachtet (wie ihr Kollege im EDI), zu den schönsten Hoffnungen Anlass.

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  • Edmo sagt:

    Was sollen wir erwarten, wenn eine abgehalfterte Klavierlehrerin mit zwei physikalisch unbeleckten Journalistinnen über Energie, Klima und Frauenpolitik spricht? Irgend etwas Gescheites mit Substanz? So ein nettes Kaffeekränzchen ist mir eigentlich egal. Das Drama liegt darin, dass die NZZ dieses weltfremde Geschwurbel kritiklos in einer der renommiertesten Tageszeitungen der Schweiz abdruckt. Qualtiätsjournalismus war früher. Heute erleuchtet uns der bildungsferne dekadente Zeitgeist.

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  • Silberlocke sagt:

    Klavierlehrerinnen sind musische Menschen. Sie suchen sich auch musische Beraterinnen aus. In diesem Fall wäre eine Kernphysikerin eher angebracht.

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  • Haemmi sagt:

    Übernimmt dann Frau Sommaruga auch die Kosten, wenn es mehr als CHF 100/Jahr sind? Elon Musk und Bill Gates (Verschwörung hin- oder her) haben deutlich gemacht, dass es die (saubere und immer sicherere) Atomkraft für einen Klimawandel braucht. Da das in der Schweiz nicht erkannt wird/werden will, muss zwingend im Juni das neue CO2-Gesetz abgelehnt werden. Ich wünsche mir, dass die Schweizer Bevölkerung vernünftig bleibt und über eine sichere Energieversorgung (unabhängig vom Ausland) verfügt.

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    • Manuel Albert sagt:

      Die Atomenergie ist und bleibt die sauberste und sicherste. Mit den neuen Technologien können die Alten, verbrauchten Brennstäbe wieder gebraucht werden und damit die Strahlungszeit massiv reduziert werden. Ohne Atomenergie ist der zukünftige Energiebedarf gar nicht zu decken. Wir sollten diese Technologie, dièses Know-how nicht aus der Hand geben, sondern daran weiter forschen und uns nicht von momentanen Ideologien verblenden lassen. Wind-, Sonnen-, Wasser-, Atomenergie, alle gebrauchen.

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  • andreaswerb sagt:

    Die Energiewende in Deutschland ist krachend gescheitert. Die Strompreise sind explodiert, die Versorgungssicherheit wird nur dank zugekauften Atomstroms von Nachbarländern aufrechterhalten, große Teile der Naturlandschaften sind mit Windrädern in Industriebrachen verwandelt worden und die Industrie wird systematisch aus dem Land getrieben. Ein schlechteres Vorbild als Dummland kann sich die Schweiz nicht nehmen.

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  • Mueller sagt:

    Lebt BR Sommaruga in einem anderen Kosmos? Auf der ganzen Welt werden AKW der neusten Technologie errichtet, nirgends ein Atomausstieg! Nur in Merkel Deutschland und in der Leuthart Schweiz wurde dieser Energieversorgungsrückschritt beschlossen! Wir werden diese Kurzschlussreaktion noch bitter bereuen!

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  • VP-Falger sagt:

    Von der Regierung wird zudem verschwiegen, dass im Splügenmassiv eine der modernsten und voll internationalisierten Atomforschungsstätten betrieben wird. Das passt natürlich nicht zur grün gefärbten Sonnen- und Wingott Anbetung...

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  • VP-Falger sagt:

    Während die Schweizer Politik den Sonnen- und Windgott anbeten, sind seit Fokushima mehr Kernkraftwerke in Bau und Betrieb, als davor. Wieso? Weil einige Regierungen erkannt haben, dass Dunkelflaute nicht die Lösung sein kann, wenn jede und jeder sein Handy, seinen Kühlschrank, sein Elektroauto und alle Maschinen möglichst ohne Unterbruch in Betrieb halten wollen!

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  • winner16 sagt:

    Es ist immer wieder erstaunlich, was eine Pianistin für verschiedenste Fachkompetenzen entwickeln kann!

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