Auch in Italien wechseln ständig die Massnahmen. Die meisten Italiener foutieren sich mittlerweile darum. Das sollte dem Bundesrat zu denken geben

14. Jan 2021
Alex Baur

Die Massnahmen der italienischen Regierung gegen das Coronavirus sind nicht nur kompliziert und widersprüchlich. Nach einem Ampelsystem kann das Regime je nach Region von Tag zu Tag ändern.

Viele Italiener foutieren sich längst um die Regeln, wissen nicht einmal, was gerade gilt, wie eine Umfrage des Schreibenden bei einem halben Dutzend Verwandten und Bekannten in Italien zeigte. Wo immer möglich werden die Regeln unterlaufen. «Me ne frega…», lautet die Devise.

50000 Wirte haben auf morgen Freitag einen Massenakt des zivilen Ungehorsams angekündigt: Sie wollen ihre Bars, Trattorie und Ristoranti unter dem Schlachtruf #ioapro trotz Verbot öffnen.

In Neapel protestieren derweil Tausende auf den Strassen, Ausgangssperre hin oder her. Viele nahmen das Feuerwerksverbot zum Anlass, um an Neujahr besonders eifrig zu ballern. Und gestern Mittwoch stürzte auch noch die Regierung Conte im Knatsch um das 220 Milliarden Euro schweren Covid-Hilfspaket der EU. Chaos macht sich bei unserem südlichen Nachbarn breit.

So etwas ist in der Schweiz nicht möglich, denkt sich wohl der Bundesrat, wenn er trotz sinkender Werte dem Volk mit wechselnden Begründungen Enthaltsamkeit und Gehorsam auferlegt. Und wahrscheinlich hat er recht. Die Schweiz ist nicht Italien, und die murrenden Wirte werden notfalls mit Geld zum Schweigen gebracht.

Doch von einem Zusammenrücken in der Krise, das nun beschworen wird, kann keine Rede sein. Die per Dekret verordnete Einigkeit spaltet die Nation. Der Vertrauensverlust geht tief, und er wird so schnell nicht verheilen.

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