09. Dezember 2020
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Alex Baur

Corona-Aktivismus in der Deutschschweiz: Gehorsam ist angesagt, egal ob es etwas nützt

Mit dem Coronavirus ist es wie mit dem Regen: Er zieht in aller Regel von Westen her über das Land. Während die jüngste Welle in der Romandie längst wieder am Abflauen ist, hat sie in der Ostschweiz ihren Höhepunkt erreicht. Höchste Zeit für die Zürcher Regierung, Aktivismus zu markieren. Unter dem Motto «wir sind kein Trödelkanton» kündete Erziehungsdirektorin Silvia Steiner (Die Mitte) das neuste Massnahmepaket an: Sperrstunde um 22 Uhr für Restaurants, Läden und Freizeitanlagen, unsittliche Aktivitäten (Prostitution, Glückspiel) werden ganz verboten.

Bordelle und Casinos mögen nicht gottesgefällig sein, doch es gibt keinen Beleg, dass sie Hotspots von Ansteckungen wären. Erst recht ist nicht ersichtlich, warum die Gefahr einer Übertragung in einem Tankstellenshop, einer Sportanlage oder einem Take-Away nach 22 Uhr grösser sein sollte als vorher. Im Gegenteil. Wenn die Öffnungszeiten verkürzt werden, drängeln sich mehr Menschen auf dem gleichen Raum. Die Zürcher Regierung macht sich gar nicht erst die Mühe, ihre Unlogik zu erklären. Gehorsam ist in diesen Tagen angesagt.

Aktivismus gehört zur Politik wie der pawlowsche Reflex zum Hund. Doch selten hat die Classe Politique weltweit ihren Mangel an Charakter und Weitsicht so gnadenlos offenbart wie während der Corona-Krise. Der zwanghafte Drang, irgendetwas zu tun, folgt dem Prinzip der mittelalterlichen Flagellanten-Züge: Die Busse soll Erlösung bringen. Doch wie sich die Pest schon um die Selbstkasteiungen foutierte, wird sich das viel weniger gefährliche Coronavirus kaum vom züchtigen Regime beindrucken lassen, das die Regierung dem Volk nun auferlegt.

Nach allen bisherigen Erfahrungen hat die Politik kaum Einfluss auf den Verlauf der Pandemie. So besteht nach wie vor Hoffnung, dass uns die ganz grosse Katastrophe erspart bleibt.

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