20. September 2021
René Hildbrand

Aufregung über nackte Brüste: Stillen in der Öffentlichkeit birgt Konfliktpotenzial. Vögeln im Stadt-Theater offenbar eher nicht

Den meisten Schweizern geht es immer noch auf den Senkel, wenn eine Frau in Tram, Bus oder an anderen öffentlichen Orten ihr Baby stillt. Sie fühlen sich von der Brust-Mahlzeit gestört.

Das ergab eine Umfrage von Elvie, einem britischen Konzern für sexuelle Gesundheits-Produkte. Anlass für die Erhebung: die Weltstill-Woche, welche am Samstag beginnt.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln wird gefressen, was das Zeug hält. Häufig stinkt es deswegen. Warum soll es denn anstössig und verpönt sein, wenn eine Mutter ihren hungrigen Säugling stillt?

Mich stört dieses bisschen Nacktheit und Intimität auch im Café nicht. Die Stillende muss ihre Brüste ja nicht auf die Schwarzwälder-Torte legen.

Ich habe es schon erlebt, dass ein Wirt eine stillende Frau aus seinem Kaffeelokal hinauskomplimentiert hat. Zwei gut abgehangene Gäste hatten sich beschwert. Diese benötigten keine Laktose für ihre Intoleranz.

Ganz in der Nähe dieses Cafés im Zürcher Industrie-Quartier befindet sich der Schiffbau des Schauspielhauses. Derzeit ergötzen sich die Besucher über Porno-Darsteller, die auf der Bühne vögeln. Da regt sich keiner auf.

Verkehrte Welt.

619 4

19 Kommentare zu “Aufregung über nackte Brüste: Stillen in der Öffentlichkeit birgt Konfliktpotenzial. Vögeln im Stadt-Theater offenbar eher nicht”

  • hape sagt:

    Das Stillen ist doch voll ok. Mich stören jene, die überallhin ihre Köter mitnehmen. Noch nicht mal im Restaurant habe ich vor diesen stinkenden Flohverteilungsmaschinen meine Ruhe.

    Und wenn Frauchen dann belehrend meint: "Sie will ja nur spielen" - ich jedoch nicht. Mit dem baby ja, mit der Flohkutsche nein.

    22
    8
  • markus.schudel@gmx.ch sagt:

    Mich gruuslet es beispielsweise sehr, wenn einer seine Zehennägel in aller Öffentlichkeit schneidet. Das finde ich sowas von widerlich!

    50
    0
  • mhol sagt:

    Das wie und was unter dem Deckmäntelchen Kultur abgef .. Pardon, abgehandelt wird lässt die Frage nach dem (¨Über-)Mass der Dekadenz dieser Gesellschaft einfach an einer andern Stelle aufblitzen. Wie weit es notwendig ist, dass jeder der neben den Steuergeldern noch zusätzlich Eintritt bezahlen muss, um fragliche Formen möglicher investigativer Untersuchungen und Nachforschungen irgendwelche nutzbringende Attribute erkennen kann, eine andere Frage. Vielleicht hätten sich die beiden Herren ..

    73
    1
    • mhol sagt:

      .. die Herren, wie vom Autor beschrieben, wohler gefühlt, wenn sie der stillenden Mama unaufdringlich wie galanterweise die Zeche übernommen hätten. Nun, ich kenne das Kaffelokal nicht. Vielleicht akquiriert dort BR Alain Berset seine Liebschaften und da stören solche Bilder halt. Das Bild einer warmherzigen und fürsorglichen Mama, welche ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellt und ihr Kind versorgt: das vermittelt ein Bild, für das ich dankbar bin. Mütter brauchen adäquaten Schutz+Unterstützung

      104
      3
  • T sagt:

    Meines Wissens ist es in grösseren internationalen Unternehmen üblich, Stillräume zu Verfügung zu stellen. Wäre dies kein Bedürfnis seitens der Stillenden, oder auch im Sinne der Rücksichtsnahme gegenüber den restlichen Angestellten, so könnte doch ungeniert während Sitzungen, im Personalrestaurant, oder am Bürotisch gestillt werden. Vögelräume werden meines Wissens keine offizielle zur Verfügung gestellt. Was soll der Vergleich?

    6
    68
  • Peter Rossa sagt:

    honny soit qui mal y pense !

    23
    0
  • Bischi49 sagt:

    Für den unbefangenen Umgang mit stillenden Frauen sind wir einfach im falschen Kulturkreis aufgewachsen. Südlich der Sahara z.B. ist das absolut normal und verursacht auch keine hinglotzenden Augen. Auf der Bühne zu vögeln käme dort aber niemandem in den Sinn, dazu sind die Leute dort einfach zu normal.

    185
    2
  • lionmo sagt:

    Die meisten Mütter decken sich und ihr Baby ab…So muss man schon seeeeeehr genau hinschauen wenn man etwas Haut sehen will.

    118
    1
  • Putin sagt:

    Lieber T wirklich schade , dass Dich Deine Mutter gestillt hat!

    43
    3
  • Juerg Brechbuehl Diplombiologe sagt:

    Wer sich mit "Kultur" befasst ist von Anfang an selber schuld. Das Thema interessiert mich nur insofern, als meine Steuergelder für solche Einrichtungen verprasst werden.

    177
    1
  • Edmo sagt:

    Wenn Schauspieler auf der Bühne vögeln, ist es Kunst. Sogar hoch subventionierte Kunst. Das hilft, die Wahrnehmung positiv zu beeinflussen. Wenn aber eine Frau in der Öffentlichkeit stillt, kann man sich in vollendeter Prüderie empören und sie lustvoll zurechtweisen. Schliesslich verlangt der Zeitgeist von uns, immer authentisch zu sein. Wenn wir also etwas sehen, was uns nicht in den Kram passt, intervenieren wir sofort und authentisch. Zumindest, wenn das Opfer nicht allzu gefährlich aussieht.

    181
    2
  • T sagt:

    Na ja, um zu sehen wie zwei auf der Bühne vögeln, muss ich mich bewusst dafür entscheiden und Eintritt bezahlen. Ich werde in der Öffentlichkeit aber nicht gefragt, ob ich eine stillende Frau sehen möchte? Insofern stört mich das Stillen in der Öffentlichkeit durchaus. Der Vergleich hinkt.

    29
    194

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.