18. Mai 2021
Alles lesen
Florian Schwab

Bahnfahren mit Ökostrom? Ohne es zu wollen, entlarvt der frühere SBB-Sprecher den faulen Zauber der Energiewende

Die SBB versprechen, ab 2025 nur noch mit erneuerbarem Strom zu fahren. Das verstimmt denTages-Anzeiger: Die Bahn sei zum Bezug eines kleinen Anteils Atomstrom gezwungen. Es fällt das böse Wort «Tricksen».

Einmal Bähnler, immer Bähnler, sagt da Christian Ginsig, Ex- Sprecher der SBB. Er eilt seinem ehemaligen Arbeitgeber auf Twitter zu Hilfe: Von seinem Stromanbieter beziehe er «via Zertifikate teuren Aare- und Solarstrom», wisse aber, dass seine Steckdose «auch aus dem KKW Gösgen gespiesen wird». Zertifikatshandel sei eine gängige Praxis im Strommarkt. «Tricksen die jetzt auch?»

Ginsigs Frage darf man mit «Ja» beantworten.

In Europa werden sogenannte Ökostrom-Herkunftszertifikate zu Schleuderpreisen gehandelt. 2 Euro pro Megawattstunde, wenn es hoch kommt. Erwirbt man ein solches Zertifikat aus, sagen wir, Norwegen oder Kroatien, darf man eine Megawattstunde eigenen Stroms als «erneuerbar» verkaufen, egal wie er hergestellt wurde. Eine Art Etikettenschwindel, den nach der Strombranche jetzt auch die SBB entdeckt haben.

Aber die Physik lässt sich weder von Finanzakrobatik noch von Marketingtricks beeindrucken: Aus der Steckdose kommt der Strom, wie er produziert wird. In der Schweiz bedeutet dies einen bewährten Mix aus über fünfzig Prozent Wasserkraft und einem guten Drittel Kernkraft. Dem entkommen auch die SBB nicht – selbst wenn ihre Chefs den Handstand machen

675 10

16 Kommentare zu “Bahnfahren mit Ökostrom? Ohne es zu wollen, entlarvt der frühere SBB-Sprecher den faulen Zauber der Energiewende”

  • Peter Eschmann sagt:

    Und die Mücken stoppen vor den Schweizern am Strand in Kenya: Halt, ein Schweizer. Die haben ein sackteures CO2-Gesetz zu Hause. Damit können sie unsere Tropeninfektionen bequem ausschalten.
    Nein, ich glaube es nicht!

    39
    0
  • Peter Eschmann sagt:

    „klimaschutz-ja.ch“ hat zum CO2-Gesetz ein Flugblatt per Postwurf verteilt und aufgelistet, wer alles dafür ist. Was ich aber noch nicht gewusst habe: Es ist gut für die Gesundheit. Es bringt (Zitat) „sauberere Luft, weniger Lärm, ist unsere Vorsorge gegen Hitzewellen und verhindert, dass sich tropische Infektionskrankheiten bei uns ausbreiten“. Heisst also, das Klima sagt an der Grenze: Halt, die Schweiz hat ein sackteures CO2-Gesetz,da kühle ich die Hitzewellen auf Apriltemperaturen 2021 ab.

    66
    1
  • D.Z. sagt:

    Störend ist auch, dass diese Zertifikate KMUs und Privaten aufgezwungen werden. Konnte man bis vor ein paar Jahren auf Nachfrage noch z.B. «Energiemix grau» beziehen, verunmöglichen dies inzwischen die meisten Anbieter, natürlich politisch gewollt. Darum hat man wohl auch Angst vor einer Strommarktliberalisierung, denn plötzlich könnten die Verbraucher frei entscheiden – Dann hätte der Ökostrom plötzlich einen ähnlichen Marktanteil wie z.B. das Biogemüse bei den Grossverteilern: um die 10-14%!

    96
    1
  • juege sagt:

    Das gleiche Spiel versuchen sie mit dem Gas. Mann muss explicit darauf bestehen, ausschliesslich Erdgas zu wollen, sonst wird einem ein Anteil Biogas verrechnet.

    78
    1
  • Bischi49 sagt:

    Nur mit derartigen Ettikettenschwindeln, mit Lug und Trug liess sich die Energiestrategie überhaupt dem Stimmbürger verkaufen. Installierte Leistung wurde und wird mit Energie verwechselt, Hoffnungen werden als Tatsachen verkauft etc. Da passt dieser Beschiss mit Ökostrom bestens ins Bild. Tragisch, wenn die SBB hier mitmachen. Aber eben, der überbordende Ablasshandel war ja auch Anlass der Reformation. Nur wird’s diesmal wohl zuerst einige Blackouts benötigen.

    87
    1
  • Ingo sagt:

    Was ist eigentlich Physik? Knutti würde es so beantworten: Wenn die Abgaben steigen, sinkt das Co2.

    145
    1
  • Edmo sagt:

    Der Strom kommt geruchlos aus der Steckdose. Seine Herkunft lässt sich nicht erkennen. Als Konsument wird man gezwungen, mindestens für einen Strom-Mix zu bezahlen. Man darf freiwillig auch 100% Öko-Strom beziehen, resp. bezahlen. Nur eine Überdosis Naivität, verbunden mit einer Bildungslücke, lässt einen glauben, es würde so viel Öko-Strom produziert wie verkauft wird. Wir werden schamlos abgezockt und betrogen. Der Staat steht voll dahinter, deckt die Betrüger und kassiert munter mit.

    205
    0
  • Mueller sagt:

    Endlich aufhören mit dem sog. Ersatz von Kernkraftwerken! Der Strombedarf wird in Zukunft massiv ansteigen; da gibt es nur eine saubere Lösung, und das sind KKW der neuesten Generation!

    172
    1
  • T sagt:

    Lügen, tricksen, betrügen, täuschen, verschleiern, weglassen, vernebeln. Die Attribute der sogenannten Energiewende. Dem gutgläübigen Menschen wird vorgegaukelt, dass ein Ersatz der Atomkraftwerke mit Erneuerbaren möglich ist. Bullshit! Wir zerstören die Umwelt anderswo durch diesen ideologischen Müll und unsere Marktwirtschaft und Freiheit gleich mit. Die Verantwortlichen gehören zur Rechenschaft gezogen.

    306
    1

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.