29. Januar 2021
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Alex Baur

Beim Absturz der Ju-Air am Segnespass hat ein ganzes System versagt

Jedem Hobbypilot, der je eine Alpeneinweisung gemacht hat, muss es längst aufgefallen sein: Die Piloten des Klassikflieger «Tante Ju», zumeist alte Cracks von Swissair und Luftwaffe, flogen oft zu tief und ritzten permanent eiserne Grundregeln.

Um das zu erkennen, musste man nicht mal mitfliegen. Man konnte es auf den zahllosen Videoclips sehen, die begeisterte Passagiere auf Youtube stellten.

Jeder wusste es, keiner sagte etwas. Schliesslich waren sie alle Cracks. Tausendmal ging es gut. Dann passierte gemäss dem nun vorliegenden Unfallbericht das, was früher oder später passieren musste.

Dass sich die Piloten selber nicht besser unter Kontrolle hatten und mit den Oldtimern wagten, was sie sich im Linienbetrieb niemals erlaubt hätten, ist wohl einer fatalen Gruppendynamik verschuldet. Für das Versagen der Aufsichtsbehörde in Bern (BAZL) gibt es zwei Erklärungen: Entweder schaute man nicht hin, oder man hat vom praktischen Flieger-Handwerk keine Ahnung. Oder beides.

Es ist zu befürchten, dass nun neue bürokratische Hürden aufgebaut werden. Das Gegenteil wäre richtig: Man sollte sich wieder mehr auf die Praxis konzentrieren. Am Segnespass wurden Basics missachtet, die seit bald hundert Jahren gelten. Gewisse Formalitäten sind unverzichtbar für die Fliegerei, doch wenn es zu viele werden, geht das Wesentliche vergessen.

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1 Kommentar zu “Beim Absturz der Ju-Air am Segnespass hat ein ganzes System versagt”

  • Bruno Laetsch sagt:

    Der Artikel beschreibt genau das, was ich selber erlebt hab bei einem Ju-Flug von Agno nach Dübendorf. Am Steuer ein Jumbo-Kapitän und ein Chef-Ausbilder der damaligen Swissair. Der Flug führte relativ tief zwischen den Tessiner Bergen hindurch. Offenbar ist das Flugzeug in einen Fallwind geraten, die linke Flügelspitze war nach meinen Erkenntnissen bedeutend weniger als 10 Meter von der Felswand entfernt. Die Piloten machen vieles, was sie sonst in ihrem Beruf nicht tun dürfen.

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