15. März 2021
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Hubert Mooser
Hubis Bundeshaus

Corona-Held Alain Berset dementiert ein Impf-Gate – und keinen interessiert's. Bahnt sich da was an?

Haben Sie die kuriose Geschichte über die Verhandlungen zwischen dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und der Lonza zur Impfstoffproduktion mitbekommen? Ein Teil der Vakzine des amerikanischen Hersteller Moderna wird in den Lonza-Werken Visp hergestellt.

Nun gab es im Wallis Pläne, eine spezielle Impfstrasse für die Versorgung der Schweiz aufzubauen. Laut Tamedia-Zeitungen scheiterte dieses Projekt am BAG. Das Amt war nicht bereit zirka 70 Millionen Franken zu investieren.

Bundesrat Alain Berset hat die Story während seiner Medienkonferenz vom Freitag und in einem Interview mit der Tagesschau von SRF zweimal dementiert. Er begründete die Absage folgendermassen: Die Schweiz betreibe keine Industriepolitik. Man hätte auch keinen besseren Zugriff auf das Serum bekommen, weil dieses Moderna gehöre und nicht der Lonza.

Bersets Dementi ist insofern interessant, als dass die Medien, in den darauffolgenden Tagen die Tamedia-Version trotzdem hartnäckig weiterverbreiteten – darunter auch jene, die den Gesundheitsminister in den letzten Monaten zum Corona-Helden hochstilisiert hatten.

Traut man plötzlich seinen Erklärungen nicht mehr? Oder bricht sich die Erkenntnis durch, dass Berset bei der Bewältigung der Corona-Pandemie Irrwege beschritten hat?

Nebst der Impfstoff-Beschaffung sind auch seine Corona-Massnahmen nicht über jeden Zweifel erhaben und teils widersprüchlich. Aber vielleicht handelt ja der SP-Bundesrat nach der Maxime des amerikanischen Glücksforschers Paul Watzlawick: Irrwege müssen begangen werden, damit sie sich als Irrweg erweisen.

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11 Kommentare zu “Corona-Held Alain Berset dementiert ein Impf-Gate – und keinen interessiert's. Bahnt sich da was an?”

  • Andreas K sagt:

    Es mag zwar sein, dass der Bund keine Industriepolitik betreibt, aber der Bund hat die Geschichte wieder so gedreht, dass er gut dasteht. Richtig dürfte wohl folgendes gewesen sein: Lonza hat den Bund gefragt, ob er sich an einer Produktionslinie beteiligt, dafür hätte der Bund bevorzugten Zugang zum Impfstoff bekommen, wahrscheinlich wäre auch preislich eine Bevorzugung drin gewesen. Wie es die Crucell zu Schweinegrippe-Zeiten dem Bund angeboten hatte, übrigens auch erfolglos.

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    • Beat Zwahlen sagt:

      Echt toll. Der Steuerzahler bezahlt die Infrastruktur und die Firma Lonza lässt die Champagner Korken knallen.
      Null Risiko und die Abnahmemenge zu einen festgelegten Preis auch noch kassieren.
      Marktmissbrauch vom schlimmsten.

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  • Moning Hans-Joerg sagt:

    Ich bin auf der ganzen Ebene von unserem Parlament und den Bundesräten enttäuscht. Ich komme mir vor als wäre ich im falschen Film gelandet. Unsere direkte Demokratie scheint sich sukzessive aufzulösen, so als wären wir schon im Deutschen Reich einverleibt worden. Sorry ich meinte die Europäische Union. Aber was soll's, das was Adolf Hitler nicht schaffte mit dem dritten Reich haben die Deutschen durch die Hintertür schamlos aber gründlich legal realisiert.
    Die sozialistische Schweiz. Pfui

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  • Bischi49 sagt:

    Wie auch immer es im Detail war, die Wahrheit wird wohl sowieso nie kommuniziert. Aber die Antwort auf solche Fragen wäre genau das, was ein Bundesrat bzw. seine hoch dotierten Spitzenbeamten suchen müssten um zu entscheiden, um ggf. Alternativen zum jetzigen Schlamassel zu finden etc. Eine Flexibilität im Denken und Handeln die offensichtlich in der geschützten Werkstätte Bundesverwaltung abhanden gekommen ist vor allem unter einem roten Bundesrat, dem die Privatindustrie wohl suspekt ist.

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  • jameselsener sagt:

    Ich mag diesen Berset gar nicht und trotzdem muss ich ihm in einer seiner verwirrenden Aussagen recht geben.

    Der Impfstoff gehört der Firma Moderna. Lonza ist ein Lohnfertiger und Zulieferer. Dies sagten die Exponenten der Firma Lonza immer wieder.

    Bedeutet das Angebot von Lonza, dass sich Moderna bereit erklärte auch einen Teil des Vertriebs an Lonza zu vergeben? Dies ist für mich die Frage, auch die ich eine Antwort möchte, als Bundesrat.

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    • benpal sagt:

      "Bedeutet das Angebot von Lonza, dass sich Moderna bereit erklärte auch einen Teil des Vertriebs an Lonza zu vergeben? Dies ist für mich die Frage, ..."
      Wir kennen die Antwort erst, wenn uns der BR vollständig informiert. Die Frage ist deshalb eher: hat der Bundesrat diese Frage Lonza gestellt?

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