08. September 2021
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Wolfgang Koydl

Boris Johnsons Brexit-Rechnung ist nicht aufgegangen. Durchwursteln beseitigt keine Waren- und Dienstleistungs-Engpässe

Briten haben oft geographische Defizite bei Weltgegenden, die sie nie selbst beherrschten. Auckland liegt gedanklich näher als Amsterdam, Maastricht ferner als Mombasa.

Solch Denken scheint auch den Brexit unterfüttert zu haben. Immer klarer werden die Nachteile, weil man Jobcenter und Supermarkt vor der Haustür durch die weite Commonwealth-Welt ersetzt hat.

Denn auf den Inseln wird manches knapp – Waren ebenso wie Dienstleistungen, die aus der EU kamen. Eine schlimme Situation wurde durch Corona noch verschlimmert.

Der Unternehmerverband schlägt Alarm und warnt vor einer Schädigung der Wirtschaft. Schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht.

Ober-Brexiteer Boris Johnson ist nicht für seine Detailverliebtheit bekannt. Offenbar setzte er auch beim Brexit auf die Kombination von steifer Oberlippe und Durchwursteln.

Doch die ersetzen keine LKW-Fahrer und keine Zimmermädchen. In Regalen klaffen Lücken und Hotelwäsche wird nur noch selten ausgetauscht.

Ein Brite erträgt das stoisch. Hauptsache, er hat die Kontrolle zurück – auch wenn es der Mangel ist, den er kontrolliert.

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15 Kommentare zu “Boris Johnsons Brexit-Rechnung ist nicht aufgegangen. Durchwursteln beseitigt keine Waren- und Dienstleistungs-Engpässe”

  • Marc Dancer sagt:

    Niemand hat jemals behauptet der Brexit wuerde keine Probleme bereiten. Das Projekt Brexit ist ein Jahrhundert-Projekt das erst am Anfang steht. Allerding die Britten geniessen wie die USA heute ZERO Vertrauen. Es geht also zuerst mal darum zu beweisen dass sie echte Partner sind u. keine Pluenderer. Das wird dauern, ABER der Brexit war RICHTIG!

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  • Max Casalegno sagt:

    Das war absolut vorhersehbar, für jeden, der logisch denken kann, und erst recht für studierte VWL er. Wirtschaftlich sind Verbände wie EU in Europa bzw. UEMAO in Westafrika ein Segen für die Optimierung der Aufgabenverteilung und Allokation, womit die Effizienz deutlich gesteigert wird. Fällt das weg, wird man 50 Jahre zurückgeworfen. Traurig ist aber, dass Multinationale die offenen Grenzen missbrauchen, um Macht zu konzentrieren und dass die Kartellämter nichts dagegen tun.

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    • Heinrich sagt:

      Nein, EU und andere internationale Grossfirmen, Wirtschaftsverbände, Institutionen haben massiv über die Stränge geschlagen. Ein komplexes Spinnengewebe von Warenaustausch mit Transport, mit Flugzeug und Schiffen wurde über den ganzen Globus gezogen, das höchst verletzlich ist und alle Länder mit allen verbindet. Kein Land kann mehr alleinig existieren. Warenaustausch OK aber mit Verstand&Vernunft.
      https://edition.cnn.com/2021/08/23/business/global-supply-chains-christmas-shipping/index.html

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      • Max Casalegno sagt:

        Differenziertes Denken fehlt . Eine Sache ist der beachtliche Effizienzgewinn durch Spezialisierung un économies of scale, der nur durch einen grossen Binnenmarkt erzielt werden kann. Eine andere ist es, wenn Konzerne zu Monopolisten werden, die ihre Macht missbrauchen. Nur das zweite ist schädlich. Und das zweite ist in einem kleinen wie in einem grossen Markt möglich. In beiden Fällen berappen die Bürger den Monopolpreis, statt des tieferen Wettbewerbspreises. Aber kleine Serien sind teurer.

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      • Max Casalegno sagt:

        Die Isolierung eines Landes wird das Problem der Machtkonzentration nicht lösen. Sondern es gibt dann einen Monopolisten pro Land anstatt eines pro 27 EU-Länder. Und die 27 kleinere Monopolisten würden sich sowieso in einem mehr oder weniger geheimen Konzern zusammentun. Durch die Zersplitterung bleibt nur noch ein riesiger Effizienzverlust übrig. Dadurch wird das wäre Übel, die Machtkonzentration, nicht mal ansatzweise gelöst. Per Saldo hat der Autor des Artikels wohl Recht.

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      • Max Casalegno sagt:

        Man muss sehr vorsichtig sein und sich nicht von Ideologien leiten lassen, weder rechts, noch links. Es gibt Tatsachen, wie die, welche ich oben beschreibe, die am Tisch wissenschaftlich berechnet und mathematisch bewiesen sind. So leicht ist es ohne VWL-Studium nicht zu begreifen, und das ist ein anderes Problem: es wird keine Qualifikation gefordert, um Politiker zu werden. Kein Wunder, dass die masslos überfordert sind und sich bestechen lassen.

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        • Max Casalegno sagt:

          Das Problem ist uralt und wurde nie gelöst. Das Geld kauft alles, auch die Politiker und die Medien. Nüchtern betrachtet hatte Marx dies sehr gut diagnostiziert. Bloss, die von ihm vorgeschlagene Kur (Enteignung) ist katastrophal. Dessen Umsetzung hat eine Verschiebung der Machtkonzentration von Konzernen in die Partei bewirkt, mit Effizienzverlust. Und wenn jetzt Konzerne wieder Macht konzentrieren, so schwindet der Unterschied zwischen ihnen und den Parteikommitees! Konzern-Heinis = Beamten.

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          • Max Casalegno sagt:

            Wenn Rechte und Linke sich bekämpfen und beschimpfen, merken sie selten, wie ähnlich sie sind. Beiden fehlt eine nüchterne wissenschaftliche Gesamtvision. Nochmals kein Wunder, wenn die nicht einmal das ABC der Volkswirtschaft gelernt haben. Die sind wie Beduinen, die sich zu Ärzten aufspielen, wie Putzfrauen, die sich für Ingenieure verkaufen.

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          • Max Casalegno sagt:

            PS - Sorry für die Flüchtigkeitsfehler, ich bin müde. Aber den Sinn begreift man doch, hoffentlich.

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  • Alois Fischer sagt:

    Auch ein guter oder gar hervorragender Journalist kann sich irgendwo im Moor vergaloppieren.
    Vorurteile und angeblichen britischen Dünkel und Bünzlitum vertragen sich eben nicht.
    Wenn wir unabhängig sein wollen, sollten wir es anstreben, dafür kämpfen und auch als Journalist nicht von oben herab und besserwisserisch-hämisch berichten, was ist.
    Hier wäre Mitgefühl und Ermunterung gefragt, vielleicht sind wir auch wieder einmal darauf angewiesen.

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  • Der Michel sagt:

    Lieferengpässe gibt es auch in D in dramatischen Ausmaßen. Ob schlimmer als in GB kann ich nicht beurteilen - immerhin stehen wir (noch) nicht vor leeren Regalen im Supermarkt. Inwieweit die Zustände in England - sollten sie tatsächlich so verheerend sein - auch durch Repressalien aus der EU hervorgerufen werden (gerade die Schweiz kann da ein Lied singen) bliebe zu untersuchen. Dazu reicht ein so kurzer Artikel wohl nicht aus - so denn der Wille einer umfassenden Betrachtung vorhanden ist.

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    • Heinrich sagt:

      Richtig Herr Michel. Genau genommen gibt es weltweit immer mehr Lieferengpässe und das ganze hat mit Corona, Reset, Weltregierung, usw. zu tun. Alles ist miteinader verbunden und es sind nicht einzelne Ziele die da durchgepeischt werden. Schwab sagt: "Sie werden in 10 Jahren nichts mehr besitzen und Glücklich damit sein". Er und seine WEF WeltweitFreunde nicken zustimmend (sich selber ausgenommen). Nicht MSM informieren darüber, aber weltweite Blogs und Kontakte mit Menschen überall.

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    • Heinrich sagt:

      Ein Beispiel :
      https://www.newstarget.com/2021-09-06-supply-chain-disruptions-getting-worse-engineered-shortages.html

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  • oazu sagt:

    Da ist EU-Brussels mit Sicherheit dran am Sabotieren via Helfeshelfer. Über solch existentielle Exit-Bedrohung kann diese Bürokratenschaft nie hinwegkommen.

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  • Florence sagt:

    Ich denke, die Briten haben das einzig richtige gemacht. Wenn sie nun einige Schwierigkeiten zu bewältigen haben , werden sie dies mit der Bekannten englischen Selbstdiziplin tun. Mit der Zeit werden sie sich reorganisieren und vielleicht auch eine Handelsgruppe mit NICHT EUländern abschließen. Di EU wird ihnen ein Leben lang Prügel zwischen die Beine werfen, aber sie werden das meistern. Die EU ist der Verlierer, die Brits die Gewinner!

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