26. Januar 2021
Wolfgang Koydl

Candy Crush mit Merkelchen: Thüringens Regierungschef zeigt, wie Deutschlands Elite tickt

Deutschlands Liberalen-Chef Christian Lindner plaudert mit der Journalistin Dunja Hayali. Ex-Juso-Chef Kevin Kühnert singt die Kommunistenhymne «Bella ciao» – zur Begeisterung von Mecklenburgs Ministerpräsidentin, Ex-Bild-Chef Kai Diekmann und TV-Moderator Joko Winterscheidt.

Wo sind wir hier? Bei Anne Will oder einer anderen Talkshow? Bei einer Extrem-Variante des Dschungel-Camps? In einem Alptraum?

Willkommen bei Clubhouse, der neuen App aus den USA, die in Deutschland nun ausgerechnet ein sozialistischer Politiker unfreiwillig bewarb. Bodo Ramelow, Regierungschef von Thüringen, glaubte sich unbelauscht, als er ausplauderte, dass er sich bei den Corona-Treffen der Ministerpräsidenten mit Angela Merkel die Zeit mit Candy Crush vertreibe. Ausserdem nannte er die Kanzlerin launig «Merkelchen» und gestand, dass er die Zunge nicht zu einer Röhre formen könne.

Ramelows Fehler: Er fiel auf den Marketingtrick von Clubhouse herein, das seine App als exklusiv verkauft. Denn beitreten zu den Chat-Runden kann nur, wer von einem Mitglied eingeladen wird. Dazu kommt, dass die Teilnehmer in Deutschland unter sich sind: Es sind dieselben Politiker und Journalisten, wie sie bei Anne Will auf dem Sofa sitzen. Wer anders denkt, bleibt draussen und tummelt sich in jenen Netzwerken, die immer mehr kontrolliert und zensiert werden.

So lauschig, gemütlich und bequem war es in dieser Blase. Wie dumm nur, dass sie so schnell geplatzt ist. Schade, man hätte gerne mehr erfahren, wie Deutschlands Elite sich geriert, wenn sie sich unbeobachtet fühlt.

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