20. Mai 2021
Thomas Renggli

Christian Jott Jenny: Freispruch von der Anklage des falschen Singens – ein wichtiger Sieg für die künstlerische Freiheit

Haben wir derzeit keine anderen Probleme? Diese Frage rückte in den Vordergrund, als sich Christian Jott Jenny, der Gemeindepräsident von St. Moritz und Universalkünstler aus Zürich Witikon, mit dem Vorwurf des Verbrechens gegen das Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte konfrontiert sah.

Die Erben von Werner Wollenberger hatten dem Tenor vorgeworfen, durch Adaptionen und Interpretationen das Lebenswerk des legendären Autors beschädigt zu haben.

Nun sprach das Bezirksgericht in Zürich Jenny frei. Richterin Eveline Widmer wertete Jennys Aufführungen als Parodie und hob das Recht auf künstlerische Freiheit hervor.

So bleibt dem Wahlbündner eine Geldstrafe von 33.300 Franken erspart.

Vor allem muss sich die Kunstszene nicht neu erfinden. Wäre Jenny nämlich als Verbrecher überführt worden, hätte dies weitreichende Konsequenzen gehabt: Jeder Sänger, der den Text vergisst, jeder Musikant, der falsch spielt, jeder Interpret, der sich nicht strickt ans Drehbuch hält, stünde mit einem Bein im Gefängnis.

Das Urteil kommt gerade noch rechtzeitig. Denn in dieser Wochen findet in Rotterdam der Eurovision Song Contest statt. Falsche Töne gehören dort zum Courant normal.

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3 Kommentare zu “Christian Jott Jenny: Freispruch von der Anklage des falschen Singens – ein wichtiger Sieg für die künstlerische Freiheit”

  • Edmo sagt:

    Ein Lichtblick! Mitten in den sich rasant ausbreitenden Corona- und Klimaverboten darf ich jetzt wieder angstfrei meine Gitarre spielen. Das grenzt schon fast an ein Wunder, denn das fehlerfreie Spiel gelingt mir selten. Ausgestanden ist allerdings nocht nichts. Sollte mein Spiel die Gemüter der Nachbarn messbar erhitzen, könnten mir kommende Klimamassnahmen schon bald wieder zum Verhängnis werden.

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  • Rolf Bolliger sagt:

    Dass jegliche Parodie oder "künstlerische" Auftritte kaum so schnell zum Verbrechen führen könnte , haben ganz andere Parodisten ja stets straflos überstanden! Im Gegenteil; als in der Sonntagabend-Satiresendung "Giaggobbo-Müller" jede Woche die SVP und deren Politiker unter der Gürtellinie angegriffen und stets negativ dargestellt wurden, gabs nur Applaus und nie nur ein Gedanke einer Anzeige . Dieses Glück (Zustimmung) hatte der St.Moritzer Gemeindepräsident nicht: Man zog in vor Gericht!

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