11. Januar 2021
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Thomas Renggli

Corona-Krimi um Lauberhorn-Rennen offenbart behördliche Willkür

Britische Massenflucht aus Verbier. Falschmeldung. Der R-Wert als massgebender Faktor zur Bestimmung der Lage der Nation. Missverständnis. Restaurants als Epizentrum der Seuche. Übertreibung.

In der epidemiologischen Datenflut ist es nicht leicht, die Übersicht zu wahren. Entsprechend bröckelt die Glaubwürdigkeit der Behörden. Das Volk verweigert den stillen Gehorsam.

Am Samstag kam aus dem Berner Oberland die nächste Ankündigung eines Lockdowns. Weil die Covid19-Fallzahlen in Wengen offenbar besonders hoch sind und englische Touristen das mutierte Virus in den Skiort eingeschleppt haben sollen, drohte die FIS mit der Absage der Lauberhorn-Rennen vom nächsten Wochenende.

Ein skisportliches Sakrileg. Gleichzeitig kurvten die Slalom- und Riesenslalom-Cracks in Adelboden fröhlich das Kuonisbergli herunter.

Der Wengener OK-Chef Urs Näpflin sprach von einem «Schock» – und wies auf das krisentaugliche Sicherheitskonzept und die geringe Zahl von positiven Fällen in den Teamhotels hin. Derweil warnte Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann vor «panikartigen Reaktionen»: «Die Lauberhorn-Rennen sind für das ganze Land extrem wichtig. Wir dürfen den Kopf nicht verlieren.»

Und siehe da: Die präsidialen Worte zeigten Wirkung. Keine 24 Stunden nach der angedrohten Absage verkündete FIS-Rennchef Markus Waldner: «Die Lauberhorn-Rennen finden wie geplant statt.»

An der Faktenlage hatte sich seit Samstag zwar nichts geändert. Aber die Entscheidungsfindung passt ins Kommunikationsschema der vergangenen zehn Monate – und das orientiert sich am früheren deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer: «Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?»

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