04. Januar 2021
Alles lesen
Christoph Mörgeli

Das BAG ruft in teuren Inseraten zum Impfen auf – ohne den nötigen Impfstoff anbieten zu können

«Ich werde mich impfen lassen.» Diese Botschaft vernahm das lesende Publikum gestern auf ganzseitigen Inseraten in allen Sonntagszeitungen. Absender ist die Eidgenossenschaft, genauer des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Verkünder der Impfbereitschaft sind weissgewandete Vertreter von Gesundheitsberufen hinter Masken. Wobei nur die Augen vermuten lassen, dass sie uns anlächeln.

Beispielsweise die Professorin Solange Peters vom Universitätsspital Lausanne. Sie ist uns Normalsterblichen so unbekannt wie Dr. Carlo Calanchini vom Spital Malcantonese. Oder die Genesungsbegleiterin Nadya Caviezel im psychiatrischen Dienst. Diese neuste, von uns Steuerzahlern getragene Kampagne verteilt etwas staatlichen Dünger für die hierzulande darbenden Medien-Pflänzchen.

Selbstverständlich sollte auch die Inserate-Abteilung der Weltwoche umgehend beim Bund vorstellig werden, um eines oder mehrere solcher Statements zu ergattern. Aber die journalistische Redlichkeit gebietet es, die Inserate als das zu bezeichnen, was sie sind: bestenfalls überflüssig und herausgeworfenes Geld, möglicherweise sogar kontraproduktiv.

Im Moment benötigt die Bevölkerung weder prominente noch unbekannte Impfvorbilder. Sondern ganz einfach genügend Impfstoff. Zu viele Menschen aller Altersgruppen möchten sich noch so gerne impfen liessen. Viele Risikopatienten mühen sich seit Tagen ebenso verzweifelt wie vergeblich ab, einen Impftermin zu erhalten. Doch der benötigte Impfstoff ist schlicht nicht vorhanden. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem.

Das BAG hätte besser daran getan, sich um den Impfdosen-Nachschub zu kümmern, statt um teure Motivationsinserate.

85 3

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.