30. Juni 2021
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Alex Baur

Das Schweizer Kompost-Klo ist der Inbegriff linksgrüner Verblödung. Nicht einmal ökologisch ergibt es einen Sinn

In jungen Jahren habe ich ihn bei Ferienjobs auf Baustellen noch kennen und hassen gelernt: Den «Donnerbalken». Keiner suchte die stinkenden Holz-Toiletten zum Vergnügen auf.

Seit einigen Jahren stehen die Holzkisten ohne Spülung wieder in der Landschaft herum. Neuerdings auch im Park vor meiner Haustür in Zürich. Allerdings nicht wie früher, faute de mieux, sondern unter dem Label «Kompotoi» als Leuchttürme des rotgrünen Zeitgeistes: «Kompostieren statt Spülen!»

Und wie immer, wenn «öko» draufsteht, jubiliert der Chor der Frommen: «Die Natur mit allen Sinnen erfahren» – «Es spült nicht, es plumpst» – «Kacken fürs Klima» – «Komfort-Oasen inmitten der Stadt» – «Riecht gut» – «Kann bis zur Leerung 400 Mal genutzt werden».

Nein, nein und nochmals nein. Ich will nicht riechen und sehen, was meine Vorgänger auf der Toilette hinterlassen haben. Millionen von Menschen in Entwicklungsländern träumen von einer Wasserspülung. Und wir sollen uns wieder ans Plumpsklo gewöhnen?

Es ergibt keinen Sinn. Dass es umweltfreundlicher wäre, unseren Mist kübelweise auf der Strasse abzuführen statt via Kanalisation, wage ich zu bezweifeln. Die weggespülten Fäkalien werden in den Kläranlagen herausgefiltert und als Dünger oder Brennstoff weiter verwertet. Genau wie beim «Kompotoi», nur viel effizienter.

Das «Water Closet», kurz WC, ist und bleibt der Benchmark der Zivilisation. Daneben nimmt sich das Kompost-Klo aus wie ein Mahnmal der Dekadenz.

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33 Kommentare zu “Das Schweizer Kompost-Klo ist der Inbegriff linksgrüner Verblödung. Nicht einmal ökologisch ergibt es einen Sinn”

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