28. Mai 2021
Florian Schwab

«Ärmelkanal-Tunnel bis nach Genf verlängern!»: Die Freude der Brexit-Briten über den selbstbewussten Abbruch beim Rahmenabkommen

Der Telegraph ist die einflussreichste konservative Zeitung Grossbritanniens. Er widmet dem Ende des Rahmenvertrags einen grossen Beitrag: «Handelsabkommen Schweiz-EU kollabiert wegen Forderungen der EU bei der Personenfreizügigkeit.» Der Vorgang, so die Zeitung, erinnere an die Brexit-Verhandlungen, auch was die Drohungen der EU betreffe: Kappung der Stromverbindung und Abkapselung des Luftraumes.

Interessanterweise trifft der Beitrag einen emotionalen Nerv. Mehr als 1000 Leserkommentare hat er bislang mobilisiert. Weit über 95 Prozent davon zollen der Schweiz Respekt oder gar Beifall. Für das Verhalten der EU haben die Leser vor allem Verachtung übrig. Stellvertretend für viele Wortmeldungen: «Die EU vermeint irgendein göttliches Recht zu haben, auf ihren Nachbarn herum zu trampeln als handle es sich um ein Stück Dreck am Schuh.»

Auch zahlreiche kreativ-humorvolle Vorschläge entnimmt man den Kommentaren: Warum nicht den Ärmelkanal-Tunnel bis in die Schweiz verlängern? Eine Luftbrücke, falls die EU die Schweiz aushungern will! Die Finanzplätze London und Zürich sollten sich zusammentun und vergeltungsweise die EU für den «Marktzugang» bezahlen lassen.

Geografisch liegt Brüssel zwar näher bei Bern als London. Politisch sieht es anders aus.

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11 Kommentare zu “«Ärmelkanal-Tunnel bis nach Genf verlängern!»: Die Freude der Brexit-Briten über den selbstbewussten Abbruch beim Rahmenabkommen”

  • Prof.Dr.Engelbert Fuchtmann sagt:

    Die Dämonisierung der EU ist nicht zielführend...vom priviligierten Zugang zum Binnenmarkt hat die Schweiz stärker profitiert als irgendein EU-Staat.Sie ist, wenn man so will, Beinahe-Mitglied geworden, ohne Eintrittsgebühr zu zahlen. Auf Dauer gefällt das keinem Club. Die Schweiz hat keinen Plan, wie es weitergehen soll.
    Die EU hat nicht nur Vorteile, sie hat auch Nachteile...die Schweiz will beides oder alles, das Geld und die Semmel. Sie sollte sich nicht überschätzen...

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  • Juerg Brechbuehl Diplombiologe sagt:

    Ja, wenn die Engländer das Geld dafür aufwerfen wollen. Wird aber ein ziemlich langes Loch. Und was ist, wenn uns die Franzosen keine Lüftungsschächte erlauben oder keine Rettungsstollen?

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  • chemiepetet sagt:

    Immerhin haben wir nun mit den Briten noch einen Partner, der uns nahesteht und der selbst auch schlechte Erfahrungen mit dem EU Bürokratiemoloch gemacht hat.

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  • markus.schudel@gmx.ch sagt:

    Free Europe setzt auf Qualität, nicht auf Masse. Es müssen beispielsweise fundamentale basisdemokratische Elemente für Bürger:innen vorhanden sein, Initiativ- und Referemdumsrecht etc. Es wird die Landeswährung beibehalten, man kann aber parallel auch den Euro verwenden. Die Administration wird bewusst auf ein Minimum beschränkt, z.B eine Mischung aus Tolkiens Rat der Weisen und Schweizer Bundesrat 🙂 und gibt eher Empfehlungen ab denn Gesetze. Jedes Mitglied behälte die absolute Souveränität.

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    • scavenger sagt:

      Mit dem Free Europe kann man Deutschland gerade mal ausschliessen , es gibt in diesem Land ja nicht einmal eine rechtliche Verfassung geschweige dann demokratische Abstimmungen. Aber das ist gut so , ein Problemland weniger .

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  • Guy Tiger sagt:

    Die Briten verstehen sich seit 1815 als die Schutzmacht der Schweiz. Mal mehr, mal weniger. Aber sie waren uns immer und sind uns immer noch sehr zugetan.

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  • olive sagt:

    Eine fröhliche Nachricht, die kann man brauchen.

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  • markus.schudel@gmx.ch sagt:

    Die EFTA wieder aktivieren unter dem Namen "Free Europe": Das ist eine Vereinigung von demokratischen, souveränen Nationalstaaten, die zusammen Handel treiben und in Wissenschaft, Militär etc. auf Augenhöhe miteinander zusammenarbeiten.

    Es lebe die Vielfalt und die Kleinstaaterei!!

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    • Robert sagt:

      Das ist mal eine grossartige Idee! Länder, die nicht bereit sind, sich unters Brüsseler Joch zu bücken, treffen sich auf Augenhöhe und handeln miteinander an diesem Moloch vorbei. Ich bin überzeugt, dass alle, die da mitmachen, besser fahren als die Brüsseler Untertanen.

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      • Edmo sagt:

        Die Idee ist gut, doch die EU-Länder dürften bei 'Free Europe' niemals mitmachen. Die EU-Länder haben ihre Souveränität aufgegeben und werden von Brüssel diktiert. Das Recht, einer Vereinigung wie 'Free Europe' beizutreten, haben EU-Länder nicht. 'Free Europe' könnte nach dem unvermeidlichen Absturz der EU eine Chance haben. Doch für einen sinnlos überschuldeten Haufen hilfloser, zerstörter Länder wäre 'Free Europe' eine etwas hochtrabende Bezeichnung.

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