18. Januar 2021
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Rolf Hürzeler

Denkmäler sollen in Grossbritannien unter «besonderen Schutz» gestellt werden – ein Schildbürgerstreich

Im letzten Juni versenkte ein Mob die Statue des britischen Frühkapitalisten Edward Colston im Hafen von Bristol. Die Demonstranten bezeugten ihre Solidarität mit der Black Lives Matter-Bewegung, weil Colston (1636 – 1721) am Sklavenhandel mitverdiente. Gleichzeitig war er ein grosszügiger Misanthrop, was indes niemanden kümmerte. Den Sommer hindurch kam es in Grossbritannien zu ähnlichen Übergriffen, so wurde ein Winston-Churchill-Denkmal mit «Racist»-Parolen verschmiert.

Jetzt will die Regierung die Denkmäler des Landes unter besonderen Schutz stellen. Ein Gesetz will explizit verbieten, Statuen «aus einer Laune heraus oder auf Geheiss eines brüllenden Pöbels» zu demolieren. Wer eine Figur weghaben oder neu beschriftet haben will, soll künftig um ein lokales Baubewilligungverfahren bitten. Nur dann, so die Logik, sei eine adäquate Debatte über die Vergangenheit möglich.

«Recht so!» möchte man der Regierung zurufen und würde damit in die gleiche Falle tappen wie diese selbst. Denn dieses Gesetz spielt just dem Anti-Colston-Pöbel in die Hände, den es zu bändigen vorgibt. Es verleiht den Denkmälern einen Status, der ihnen nicht zukommt. Es macht sie zu mehr, als sie sind, nämlich Erinnerungen an Geschichtsfiguren mit Verdiensten und Fehlern.

Genau dieser Erkenntnis verschliessen sich die Statuenstürmer und werden sich von Übergriffen nicht abhalten lassen – besonderer Schutz hin oder her.

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1 Kommentar zu “Denkmäler sollen in Grossbritannien unter «besonderen Schutz» gestellt werden – ein Schildbürgerstreich”

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