08. April 2021
Christoph Mörgeli

Der parteiinterne Kampf um den freisinnigen Bundesratssitz ist eröffnet – mit einem PR-Artikel von Ignazio Cassis in der NZZ

Die Leser der NZZ staunten am Dienstag nach Ostern nicht schlecht: In einem ganzseitigen «Corona-Tagebuch» stellte sich Bundesrat Ignazio Cassis (FDP) die Frage: «Tun wir das Richtige?» Tatsächlich steht Cassis – obwohl ehemaliger Präventivmediziner – in der Covid-Krise nicht im hellen Scheinwerferlicht. Der Aussenminister muss die öffentliche Bühne seinen Kollegen Berset, Parmelin und Maurer überlassen.

Um sich in Erinnerung zu rufen, lanciert der Tessiner jetzt den medialen Gegenstoss. Und formuliert seine Pandemie-Gedanken in gestanzten Sätzen im sandgestrahlten Jargon eines geländegängigen PR-Büros. Cassis präsentiert sich im Werbeartikel in der NZZ als erfahrener Kantonsarzt, Grenzregiönler, Föderalist und Freiheitskämpfer.

Die Frage ist jetzt nur, wann und wo seine Konkurrentin und «Parteifreundin» Karin Keller-Sutter zum medialen Gegenschlag ausholt. Denn jetzt hat der Kampf um den 2023 möglicherweise einzig verbleibenden freisinnigen Bundesratssitz begonnen. Der öffentlich ausgetragene Wettstreit zwischen Cassis und Keller-Sutter erinnert an den Kampf von Joseph Deiss und Ruth Metzler von 2003 um den CVP-Sitz. Nur dass der Showdown diesmal viel früher beginnt.

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11 Kommentare zu “Der parteiinterne Kampf um den freisinnigen Bundesratssitz ist eröffnet – mit einem PR-Artikel von Ignazio Cassis in der NZZ”

  • johann6a sagt:

    Man sollte die Bilanz von BR Cassis nüchtern betrachten. Er hat in Bezug auf die unternehmens- und marktfreundliche Neuausrichtung der Entwicklungspolitik weg vom gescheiterten traditionellen Modell, das die kapitalismuskritischen Entwicklungs-NGO repräsentieren, eine wichtige Weichenstellung in die Wege geleitet. Ebenso hat er mit seiner kritischen Stellungnahme zur UNRWA, dem Hilfswerk der UNO für Palästina-Flüchtlinge, Mut bewiesen, der im Rest des Gremiums leider fehlt.

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  • hape sagt:

    Mögen der Herr - und die Wählerinnen und Wähler als seine Werkzeuge - verhindern, dass Witzfiguren wie Glättli und andere auch nur in die Nähe eines BR-Sitzes kommen.

    Lieber zwei zahnlose FDPler als ein Grüner*.

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  • Elba sagt:

    Manche Parteien sind rein opportunistische Karrierevereine. Es geht nicht (mehr) um persönliche oder weltanschauliche Überzeugungen, sondern nur um den eigenen profilneurotischen und pekuniären Vorteil. Deren Dilemma ist heutzutage, dass man für lukrative Verwaltungsratsmandate meistens rechts blinken muss, während man sich für das politische Mandat beim staatssozialistischen Fernsehen einschmeicheln und darum links zu blinken hat.

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  • Hans Peter sagt:

    "Freisinniger Bundesratssitz"? "Freisinn"? Gibt's den überhaupt noch? Ich seh da nix!

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  • Peter Rossa sagt:

    diese klare Sicht von Chr. Mörgeli sagt alles. Dank der Aera der hoffentlich schon bald endenden Präsident*Inschaft von Frau Gössi ist die FDP eh am A....
    Viiola Amherd wird wohl demnächst als Vertreterin der "Mitte" auch die Rest-FDP repräsentieren dürfen/müssen

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  • Arnold Ganz sagt:

    Jetzt steht also die FDP in der gleichen Situation wie damals 2003 die CVP. Das ist jetzt aber kein Ereignis, welches sich gewissermassen von heute auf morgen ereignet hat. Auch bei der FDP hatte die seit Jahren stattfindende Talfahrt selten zu einer Rückbesinnung auf gemachte Fehler der Vergangenheit geführt. Und wenn doch, dann in der falschen Richtung, wie das grüne Mäntelchen der Panik, von der Präsidentin Frau Gössi. Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit, aus überheblichem Selbstverschulden!

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  • Rolf Bolliger sagt:

    Cassis Gedanken, ob sich der Bundesrat mit der Corona-Epidemie richtig verhalten habe, ist eine reine "Zirkusnummer"! Hätten sich jeweils die 2 SVPler und die 2 FDP-Bundesräte solche Fragen nach Bersets Anordnungen auch immer gestellt, hätten wir heute wohl kaum eine "an die Wand gefahrene" Wirtschaft, Tausende neue Arbeitslose und 50 Milliarden Schulden! Vorallem die einstige "Hardlinerin" Keller-Sutter, hat sich total von den bürgerlichen Werten abgekehrt und sich ins rot/grüne Bett gelegt!

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  • Edmo sagt:

    Die Direktwahl des Bundesrates wurde vom Volk an der Urne verworfen, weil die Politiker und Medien lautstark befürchteten, die Bundesräte wären dann im Dauerwahlkampf und könnten ihrer Arbeit nicht mehr ordentlich nachgehen. Was haben wir jetzt? Die Bundesräte sind im Dauerwahlkampf und ihre Arbeit machen sie grottenschlecht. Sie orientieren sich nicht am Volk, sondern am Parteiengezänk, an den Lobbyisten und an der Uno.

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