12. April 2021
Christoph Mörgeli

Der vierfache Mörder Günther Tschanun war SP-Mitglied. Was, wenn er zufälligerweise bei der SVP mitgemacht hätte?

In einem lesenswerten Beitrag hat Michèle Binswanger in der gestrigen Sonntagszeitung den tragischen Amoklauf von Günther Tschanun noch einmal nachgezeichnet. Und dabei zahlreiche Fakten recherchiert, die der Öffentlichkeit bislang unbekannt waren.

So war der völlig überforderte Chef der Zürcher Baupolizei, der am 16. April 1986 vier Untergebene ermordete und einen fünften lebensgefährlich verletzte, Mitglied einer Partei. Der aus Österreich stammende Architekt wohnte zuvor in Rüfenacht im Kanton Bern, «wo er sich auch in der SP engagierte».

Diese Information ist in der Tat neu, obwohl sie vielen Zeitgenossen bekannt gewesen sein muss. Ob Günther Tschanun seine SP-Mitgliedschaft bei der städtischen Anstellung in Zürich genützt hat, ist unbekannt. Zumindest in seiner österreichischen Heimat war solche «Parteibüchlwirtschaft» gang und gäbe.

Nun kann die SP beileibe nichts dafür, wenn eines ihrer Mitglieder austickt – selbst wenn das Ergebnis in einem Mehrfachmord besteht. Nur stellt sich die Frage, ob diese Einsicht von den Journalisten und politisch auch in anderen Fällen gilt. Angenommen, ein SVP-Chefbeamter hätte in jenen achtziger Jahren dieses fünffache Blutbad angerichtet: Wäre seine Parteimitgliedschaft medial auch so nobel verschwiegen worden?

Die Frage stellen heisst, sie beantworten.

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14 Kommentare zu “Der vierfache Mörder Günther Tschanun war SP-Mitglied. Was, wenn er zufälligerweise bei der SVP mitgemacht hätte?”

  • ulrich vogt sagt:

    Eines haben die Herren Blocher und Mörgeli bis heute nie überwinden können: ihre persönlichen Niederlagen. Und darum schiessen Sie ihre Giftpfeile Richtung SP mit ungebrochener Wut ab. Aber es wäre langsam Zeit, die Kampffront gegen die FDP zu eröffnen, wie es SVP Presidente Chiesa verlauten liess. Lasst uns diese liberalen FDPler abstrafen wie zuvor die SPler. Denn eines ist gewiss: nur bei der SVP liegt das Heil unseres Landes! Gott strafe alle andern!

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  • Juerg Brechbuehl Diplombiologe sagt:

    Ich freue mich ja auch jedesmal, wenn man der SP ans Bein schiffen kann. Jedoch in diesem Fall hier ist der Historiker Mörgeli nicht besonders gewandt in Sachen historischem Denken. Tschanun mordete fast 10 jahre vor der EWR-Abstimmung und damals gab es noch keine allgemeine Hetze im Sinn von "alle gegen die SVP".
    Von da her ist die Frage nicht einmal nur hypothetisch, sondern geradeheraus nur blöd.

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  • Rolf Bolliger sagt:

    Ohne einen Politwissenschafter zu sein, kann jede(r) aufmerksame(r) Staatsbürger(in) diese Frage klar beantworten: Wäre der 4-fach Mörder Mitglied in der SVP gewesen, so wäre dies bereits in der ersten Schreckensmeldung erwähnt worden, Die Folgen für die wählerstärkste Partei wären bis heute ein verwendetes Negativbeispiel! Solange die SVP als grösste Partei verbleibt, leben die Medien und all die links(grünen SVP-Hasser von solchen persönlichen "Dreckeleien" und ewigen Verunglimpfungen!

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    • johann6a sagt:

      Leider wird jetzt auch noch "kompensierend" der Akkusativ statt des Nominativs verwendet. Der umgekehrte Lapsus ist eigentlich für Schweizer viel typischer, weil das Schweizerdeutsch keinen Akkusativ kennt.

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    • W. Attems sagt:

      Wählerstärkste Partei?
      Bei den Gemeinderatswahlen Stadt Zürich 1983 hatte sie 7 von 125 Mandaten und war fünfstärkste Partei. In 1987 hatte sie 6 Mandate und war sechststärkste Partei.
      Im Kantonsrat war sie deutlich stärker, aber weit abgeschlagen auch nicht die wählerstärkste Partei.

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      • Rolf Bolliger sagt:

        Wenn ich als Schweizer Bürger darauf hinweise, dass die SVP die wählerstärkste Partei ist, so bezieht sich dieses Faktum natürlich auf die GANZE Schweiz und auf das eidgenössische Parlament Dass die urbanen Städte und bevölkerungsreichen Gegenden immer mehr links/grün wählen, ist seit langem festzustellen! In den Landkantonen gelten zum Glück noch bodenständige Ansichten und nicht die Mentalität "Der Staat soll - der Staat muss" und was die Medien sagen, wird nicht als das einzig wahre gesehen!

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        • W. Attems sagt:

          Christoph Mörgelis Kommentar bezieht auf die Morde von Günther Tschanun, die in 1986 geschahen. In den Nationalratswahlen davor 1983 und danach 1987 war die SVP viertstärkste Partei geworden und blieb es bis 1999, als sie äussert knapp, mit 0,1% Vorsprung, zum ersten Mal die stimmenstärkste Partei wurde. Und danach immer mit grossem Vorsprung gewann.

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  • Peter Rossa sagt:

    Tschanun` s damalige Chefin, SP-Stadträtin und später Präsidentin SP Schweiz, Frau Ursula Koch .... wo ist die eigentlich heute ? Irgendwann entschwand sie der öffentlichen Bühne.

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    • Christian Huber sagt:

      Nach meiner Erinnerung war sein Vorgesetzter Hugo Fahrner, FDP-Stadtrat, zum Zeitpunkt der Bluttat zwar bereits abgewählt, aber noch im Ant. Ursula Koch übernahm das Baudepartement erst nach Tschanun‘s Bluttat.

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      • steinlin sagt:

        Richtig Herr Huber, genau so war es, im übrigen macht Frau Koch genau das, was viele ihrer Genossen/innen machen. Sie suchen ein mehr oder weniger geeignetes Amt und nach ein paar Jahren genissen sie die Pensionskasse. Im Gegensatz zu normal Sterblichen, müssen sie nicht 30 bis 40 Jahre einzahlen, sie bekommen schon nach 4 Jahren ansehnliche Pensionen.

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        • Christian Huber sagt:

          Falls Sie mich persönlich ansprechen: Ich habe mein ganzes Berufsleben in die jeweilige Pensionskasse einbezahlt (in die AHV weit über dem rentenbildenden Betrag), habe ein entsprechendes Pensionskassenguthaben geäufnet und beziehe nach meinem Rücktritt mit 61 Jahren eine entsprechend gekürzte Rente. Einfach so "die Pensionskasse geniessen" funktioniert nicht.

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    • Silvio Valentino sagt:

      Ursula Koch war damals noch nicht im Amt. In der Folge räumte sie im Bauamt II auf, stellte ordentliche Zustände her. Dabei machte sie sich nicht überall beliebt mit ihrer Politik. Sie wollte keine Öffnung der früheren Industriezonen für Büronutzungen ("Die Stadt ist gebaut. Sie muss nicht neu-, sondern umgebaut werden". Visionär: sie meinte das heutige "Verdichten". Sie war geradlinig, nicht biegsam, folgte ihren Prinzipien, hatte als NR Top-Wahlresultate. Ergo wurde sie in der SP weggemobbt.

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  • Arnold Ganz sagt:

    Die Frage im Kommentar von Herrn Mörgeli ist mehr als berechtigt! Soweit man sich bereits an die mediale Heuchelei gewöhnt, dass sie schon fast als normal daherkommt.

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  • T sagt:

    SP gut, SVP böse. Joe Biden gut, Donald Trump böse. Ist doch klar, oder!? Was für eine Frage?

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