09. April 2021
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Wolfgang Koydl

Die EU am Katzentisch: Erdogan führt von der Leyen vor. Auch in Washington, Moskau und Peking ist ihr Platz nicht in der ersten Reihe

Die «Reise nach Jerusalem» kann man auch in Ankara spielen: Für seine Gäste, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel, hatte Staatschef Erdogan nur einen Stuhl. Aber anders als beim Kinderspiel hatte der Gastgeber die Sitzgelegenheit zugeteilt – dem Herren, nicht der Dame.

Verdattert stand von der Leyen herum, bevor sie ihren Platz bemerkte: auf einem niedrigen Sofa, nach seiner Herkunft als osmanisches Möbel auch Ottomane genannt.

Es war eine gezielte Erniedrigung der EU und der für ihre Allüren bekannten Präsidentin. Sie folgte zwei Monate auf die Demütigung, die Russlands Aussenminister Lawrow seinem EU-Kollegen Borrell verpasste.

Doch der wahre Schuft in diesem Stück ist Michel. Allein als Gentleman hätte er der Kollegin beispringen, ihr seinen Platz anbieten müssen, wenn schon nicht als Vertreter europäischer Interessen.

«Misslich» sei der Eindruck, er habe «unsensibel» gehandelt, textete Michel nach eintägigem Schweigen. Wie misslich er sich fühlte, konnte man am breiten Grinsen ablesen, mit dem er neben Erdogan auf dem Brokat-Sessel thronte.

Derweil ist für die Welt die Botschaft klar: Der Platz der EU ist am Katzentisch – in Ankara, Moskau, Washington und Peking.

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7 Kommentare zu “Die EU am Katzentisch: Erdogan führt von der Leyen vor. Auch in Washington, Moskau und Peking ist ihr Platz nicht in der ersten Reihe”

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