25. Januar 2021
Thomas Renggli

Abfahrt in Kitzbühel: «Die Fahrer stehen in der Verantwortung», sagt Trainerlegende Frehsner

Gehirnerschütterung, Bruch des rechten Schlüsselbeins, Riss des Kreuzbandes und des Innenbandes am rechten Knie. Das Schadensbulletin des Schweizer Abfahrers Urs Kryenbühl nach seinem fürchterlichen Sturz in Kitzbühel lässt keinen Raum für Missverständnisse.

Doch der Schwyzer hatte Glück im Unglück. 2009 erlitt der Walliser Daniel Albrecht an derselben Stelle ein Schädelhirntraum und erwachte erst dreieinhalb Wochen später aus dem Koma. Seine Karriere war damit faktisch beendet.

Kryenbühls Crash entfacht die Diskussion neu, wie weit man im alpinen Skisport fürs Spektakel gehen kann.

Eine dezidierte Meinung vertritt Trainerlegende Karl Frehsner. Der Wahlschweizer mit österreichischen Wurzeln sagt: «Der Sprung war schlecht gebaut. Hätte man ihn nur fünf Meter nach hinten versetzt, wäre es kaum zu diesen Szenen gekommen.» Grundsätzlich nimmt er aber die Fahrer in die Verantwortung: «Alle wollen Pisten, auf denen man volle Pulle gehen kann – und niemand ist bereit, Gas wegzunehmen.»

Das Tempo sei aber nicht das Problem: «Die Fahrer waren schon vor dreissig Jahren an dieser Stelle mit 140 km/h unterwegs.» Damals sei die Technik des Vorspringens allerdings noch viel stärker gepflegt worden: «Damit kann man die Flughöhe kontrollieren.»

Für Frehsner war es richtig, den Zielsprung in Kitzbühel vor der zweiten Abfahrt zu entschärfen. Doch hätte dies schon viel früher geschehen können: «Es gibt eine Jury, eine Trainervertretung und eine Athletenvertretung – im Verlaufe der Woche hätte sich eine dieser Instanzen melden müssen.»

Zum Schluss sagt der Fachmann etwas, das Doppelsieger Beat Feuz nicht gefallen dürfte: «Ich hätte das Rennen am Freitag schon früher abgebrochen. Weil ich aber nicht vor Ort war und die weiteren Fahrer bis Startnummer 30 keine Probleme mehr bekundeten, kann ich den Entscheid der Jury nachvollziehen.»

Gleichzeitig wirft Frehsner die rhetorische Frage auf: «Wie muss sich Marco Odermatt mit der Startnummer 31 gefühlt haben? Im Kampf um den Gesamtweltcup gingen ihm wichtige Punkte verloren.»

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