09. Februar 2021
Katharina Fontana

Die Individualbesteuerung ist eine gute Idee, aber schwer umzusetzen. Die Heiratsstrafe hätte man einfacher beseitigen können

Die FDP-Frauen wollen eine Volksinitiative für die Individualbesteuerung lancieren. Jede Person, ob ledig oder verheiratet, soll für sich selber Steuern zahlen, die Veranlagung der Ehepaare im Kombipack, die heute gilt, hätte ausgedient. Die freisinnigen Politikerinnen möchten auf diese Weise die Heiratsstrafe abschaffen, unter der viele Doppelverdiener und Rentnerpaare leiden, und sich selber als progressive Kraft präsentieren.

Die Individualbesteuerung ist an sich eine gute Idee; welchen Zivilstand eine Person hat, sollte den Fiskus nichts angehen. Ob das Vorhaben Erfolg haben wird – sofern die FDP-Frauen die erforderlichen Unterschriften überhaupt zusammenbringen –, ist dagegen eine andere Frage. Die vielen Fürsprecher der traditionellen Ehepaare, die hartnäckig am bisherigen Modell festhalten wollen, haben sich bereits in Stellung gebracht.

Umso bedauerlicher ist es da, dass das Parlament vor gut einem Jahr die Gelegenheit nicht ergriffen hat und einen Gesetzesentwurf von Finanzminister Ueli Maurer ablehnte, der das Problem der Heiratsstrafe für die Hunderttausenden von betroffenen Ehepaaren rasch und undogmatisch gelöst hätte. Die FDP versenkte Maurers Vorschlag, zusammen mit den linken Parteien.

Man könnte auch sagen: Die Freisinnigen bewirtschaften ein Problem lieber, als dass sie es lösen.

235 4

3 Kommentare zu “Die Individualbesteuerung ist eine gute Idee, aber schwer umzusetzen. Die Heiratsstrafe hätte man einfacher beseitigen können”

  • LST1977 sagt:

    Man sieht einmal mehr, dass die FDP nicht mehr das ist, was sie (vor Jahrzehnten) einmal war.
    Zuerst mit den Linken die sehr gute Lösung Bach abschicken und sich dann als Erlöser hinstellen, mit einer weit schlechteren Lösung.
    Dies zeigt klar auf, dass die FDP mittlerweile eine umherirrende, ziellose und verwirrte Partei ist, die nicht mehr weiss, wo und wie sie sich positionieren soll.

    4
    0
  • Edmo sagt:

    Billigster Populismus der FDP-Frauen. Ueli Maurers Entwurf war gut und umsetzbar. Die FDP-Frauen schiessen einmal mehr ohne Sachkenntnisse positiv besetzte Worthülsen ab. Hätten sie ihren Vorschlag fertig gedacht, würde nicht nur die Individualbesteuerung angestrebt, sondern die lebenslängliche umfassende Gütertrennung. Gemeinsame Güter und Individualbesteuerung beissen sich heftig. Kaum ist man dort angekommen, kann die Steuererklärung nur noch von teuren Spezialisten ausgefüllt werden.

    2
    0
  • hape sagt:

    Endlich! Darauf warte i9ch, seit ich abstimmen darf!

    Auch sollte mal etwas gemacht werden, damit langjährige Konkubinatende im Erbfall auch begünstig werden können, ohne die Hälfte dem Moloch Staat in den Rachen werfen zu müssen.

    1
    0

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.