31. März 2021
Christoph Mörgeli

Die NZZ nimmt die Zürcher Gesundheitsdirektorin ins Visier. Die Kritik überzeugt nicht

Mit diesem Verriss dürfte Natalie Rickli, die den grössten Kanton durch die Covid-Krise steuert, problemlos zurechtkommen: Die Neue Zürcher Zeitung zog eine weitgehend negativ gefärbte Bilanz ihres Wirkens und setzte über ihren Kommentar den Titel: «Der Lack ist ab.»

Das FDP-nahe Blatt kaut verständlicherweise noch immer am zweiten Regierungsratssitz, den die SVP-Politikerin 2019 dem Freisinn weggeschnappt hat.

Eher erheiternd wirkt für Kenner des Gesundheitswesens das NZZ-Lob über Ricklis Vorgänger Thomas Heiniger (FDP), dessen Firma die teuer bezahlten elektronischen Patientendossiers noch immer nicht liefern kann. Und der seiner Nachfolgerin desolate Führungsstrukturen am Universitätsspital hinterlassen hat.

Eine externe Studie über die erste Covid-Welle erteilte der Zürcher Regierung übrigens die Note «mehrheitlich gut»; einzelne Unstimmigkeiten seien «nicht allzu sehr ins Gewicht gefallen».

Natalie Rickli hat bisher in der Pandemie ihren eigenständigen, wohlüberlegten und glaubwürdigen Kurs gesteuert – mitunter sogar gegen die eigene Partei. Dass der Impfstoff nur tröpfchenweise eintrifft, ist nicht ihre Schuld.

Rickli musste jedenfalls nie wie ihre SP-Kollegin Jacqueline Fehr eine 180-Grad-Wende in der Corona-Politik vollziehen. Sie hat sich freilich auch nie mit dem Titel «Querdenkerin» geschmückt.

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8 Kommentare zu “Die NZZ nimmt die Zürcher Gesundheitsdirektorin ins Visier. Die Kritik überzeugt nicht”

  • ekriemler sagt:

    Die Maske als Erziehungsmassnahme stammt allerdings von Corinne Mauch. Dass Frau Rickli so ziemlich alle "Kolleginnen und Kollegen" im Rat gegen sich hat, macht die Sache auch nicht einfacher.
    Man fühlt sich an die AfD erinnert, die nach Angriffen sich selber kasteit.

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  • hape sagt:

    Ich bin ja mal gespannt, wenn Burnout-Natalie gegen die Ehringer Kampfkuh und Masken-Angstikone Martullo um den Sitz von Ueli Maurer antritt. Das gäbe eine Wahl wie bei Trumpp v.s. Biden: Pest oder Cholera. Das einzig Interessante dürfte der Schlagabtausch sein, wenn die beiden aufeinander losgehen. Mit Rickli als BR hätten wir eine neue und würdige Berset-Steigbügelhalterin.

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  • D.Z. sagt:

    Ach, Herr Mörgeli, zumindest bis vor ihrem Canossagang musste ich Frau Fehr ein Kränzchen winden, als eine der wenigen Exekutivpolitiker, welche sich öffentlich gegen den Nonsens ausgesprochen hat. Nach dem grossen S***sturm wurde sie wahrscheinlich auch parteiiintern in den Senkel gestellt, während Frau Rickli viel «vorauseilender Gehorsam» an den Tag legt. Beim C-Thema zeigt sich die wahre Integrität; meine Stimme erhält Rickli nicht mehr und ist somit in guter Gesellschaft mit vielen anderen.

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  • beatz sagt:

    Diese Einschätzung teile ich vollkommen mit Ihnen Edmo. Frau Rickli hat sich für mich als Teflon Politikerin entpuppt. Vom SVP Schätzchen zur politischen Oportunistin, Kamäleon, die Zwillingsschwester von KKL . Covid hat Sie entlarvt bevor Sie die angestrebten höheren Weihen verliehen erhält, doch noch eine positive C- Meldung .

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    • Hans Peter sagt:

      Frau Rickli hat die DNA der SVP, Stichwort Eigenverantwortung, schmählich verraten. Dies, weil die Karrieristin halt sooo gerne ins Bundesratszimmer will und ihr dazu halt fast jedes Mittel recht scheint.
      Wir können uns freuen ...

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  • Arnold Ganz sagt:

    Ich bin Leser der NZZ und störe mich am teilweise kleinlichen Denkmuster gewisser FDP-Politiker, wenn es um Angelegenheiten der SVP geht. Von einer bürgerlich orientierten Zeitung wäre zu erwarten, dass sie vor allem mit Journalisten zusammenarbeitet, welche nicht bei jeder Gelegenheit das linke Bashing gegen rechtsbürgerliche Exekutiv-Politiker vertreten. Wenn schon Lack am bröckeln ist, dann am deutlichsten beim SP-Bundesrat Alain Berset. Dazu gäbe es passendere Kommentare für die NZZ.

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  • Edmo sagt:

    Etwas mehr querdenken hätte Natalie Rickli gut angestanden. Der Verriss in der NZZ wäre natürlich deutlicher ausgefallen. Die eher kritiklose Folgsamkeit gegenüber Berset hat aber auch im Kanton Zürich mehr Schaden als nötig angerichtet.

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