02. Februar 2021
Marcel Odermatt

Die Schweizer Frauen durften viel zu lange nicht mitreden. Ihnen blieb aber, anders als in den Nachbarländern, viel Leid erspart

Das Frauenstimmrecht wurde in der Schweiz spät eingeführt. Der Hauptgrund: In der Eidgenossenschaft war es nicht das Parlament oder die Regierung, die für Gleichberechtigung sorgten. In der Alpenrepublik brauchte es einen Volksentscheid. Am 7. Februar 1971 stimmte endlich eine Mehrheit der Männer dem Anliegen zu.

Die Schweiz sei erst seit 50 Jahren eine richtige Demokratie, erklären Feministinnen. Gleichzeitig darf man festhalten, dass die Herren der Schöpfung den Kleinstaat nicht schlecht durch die ersten zwei Drittel des europäischen Katastrophenjahrhundert lotsten.

Umgekehrt lässt sich auch erkennen: Die Einführung des Frauenstimmrechts verhindert politische Katastrophen nicht, wie das Beispiel Deutschland zeigt. Das Nachbarland führte das Wahlrecht bereits 1918 nach dem ersten Weltkrieg ein. Trotzdem schlitterte das Land in eine Diktatur und verantwortet den mörderischsten Krieg der Geschichte.

Währenddessen bestellten die Schweizer Männer – umringt von faschistischen Mächten 1939 und 1943 – zweimal einen neuen Nationalrat. Im gleichen Jahr hob die bürgerliche Mehrheit mit Ernst Nobs den ersten Sozialdemokraten in den Bundesrat. Die Linken sollten an der Macht beteiligt werden, nachdem sie sich zur Landesverteidigung bekannt hatten.

Die Frauen durften viel zu lange nicht mitreden. Ihnen blieb – anders als in den Nachbarländern – glücklicherweise aber auch viel Leid erspart. Eine Schweizer Frau im 20. Jahrhundert zu sein, war, trotz fehlender politischer Mitsprache nicht das schlechteste Los.

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2 Kommentare zu “Die Schweizer Frauen durften viel zu lange nicht mitreden. Ihnen blieb aber, anders als in den Nachbarländern, viel Leid erspart”

  • juege sagt:

    Wenn ich anschaue, was derzeit Frauen in der Politik für einen Schaden anrichten, kommen mit immer mehr Zweifel, ob ich damals richtig gestimmt habe.

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  • olive sagt:

    Eine Schweizer Frau im 20. Jahrhundert zu sein, war, trotz fehlender politischer Mitsprache nicht das schlechteste Los."

    "Das finde ich auch und das solllte ausschlaggebend sein.

    Zu glauben , die Vergangenheit auf die Anklagebank zu setzen , Begriffe zu verändern und Denkmäler zu stürzen, werde de Gegenwart in ein Paradies verwandeln und Gleichmacherei die Zukunft rosig/perfekt , ist eine Verblendung.

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