09. Februar 2021
Marcel Odermatt

Die Schweizer Frauen hätten das Stimmrecht so spät erhalten, weil keine Macht von aussen die Schweiz zu mehr Demokratie gedrängt habe, schreibt die FAZ. Eine Analyse, die falscher nicht sein könnte

Der Schweizer Korrespondent der Frankfurter Allgemeine Zeitung wollte kürzlich seinem Publikum erklären, warum die Frauen hierzulande erst seit fünfzig Jahren abstimmen können: «Die Schweiz war weitgehend unbeschadet durch die beiden Weltkriege gekommen und wurde nicht von aussen dazu gezwungen, ihren demokratischen Kurs neu zu bestimmen.»

Was will uns Johann Ritter aus Münster sagen? Lieferte die Schweiz im 20. Jahrhundert denn der Welt einen Anlass, dass fremde Staaten die Eidgenossenschaft hätten drängen müssen, ihren politisches System zu ändern und Anpassungen wie die Einführung des Frauenstimmrechts vorzunehmen?

Sein Heimatland wurde von westlichen Siegermächten genötigt, einen neuen, demokratischen Weg einzuschlagen. Grund waren der von Deutschland verschuldete Angriffskrieg und Völkermord. Der Historiker Heinrich August Winkler beschreibt in seinem Standardwerk «Geschichte des Westens» die Rolle Deutschlands wie folgt: «Der Holocaust führte der ganzen Welt, was ideologische Verblendung im Bunde mit moderner Technik vermochte, wenn ein Staat sich erst einmal, so wie Deutschland 1933, von der Herrschaft des Rechts verabschiedet hatte».

Nach 1945 verpflichteten insbesondere die USA und Grossbritannien Deutschland ohne Wenn und Aber auf die Einhaltung demokratischer Regeln. Für Intervention wie Deutschland gaben die Schweizer den anderen Ländern dagegen glücklicherweise nie einen Grund – weder vor noch nach Einführung des Frauenstimmrechts.

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7 Kommentare zu “Die Schweizer Frauen hätten das Stimmrecht so spät erhalten, weil keine Macht von aussen die Schweiz zu mehr Demokratie gedrängt habe, schreibt die FAZ. Eine Analyse, die falscher nicht sein könnte”

  • hape sagt:

    Von der Monarchie zum Führer- dann zum Bundeskanzlerstaat.
    Die Mehrheit der Deutschen baucht halt einen oder eine Oberlemming, dem sie ohne zu denken nachrennen können. Bis über die Klippe. Hirn. und gednakenlos.
    Zur direkten Demokratie sind die gar nicht fähig.
    Wir schon, und darum gibts das Freuenstimmrecht immerhin seit 50 Jahren.

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  • Petersen sagt:

    Das Frauenstimmrecht wurde Deutschland nicht von Alliierten aufgezwungen, sondern datiert auf 1918, aus internen Entscheidungen heraus. Und: Will Herr Odermatt hier den 1. Weltkrieg als einen"von Deutschland verschuldeten Angriffskrieg und Völkermord" darstellen? Das wäre historisch fragwürdig.

    Großbritannien führte das Frauenwahlrecht erst 1928 ein, Frankreich 1944 - die formalen Siegermächte waren in dieser Sache keine Vorbilder.

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  • werfur sagt:

    Den hatten wir doch schon einmal «am deutschen Wesen muss die Welt genesen». Nein danke, wir sind schon froh, wenn die deutsche Elite das Prinzip Demokratie einigermassen kapiert hat. Es schadet aber nichts, wenn sie an ihrem Verständnis noch ein bisschen arbeiten!

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  • Edmo sagt:

    Ein FAZ Journalist kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass die kleine Schweiz ohne gütige Mithilfe seiner grossen europäischen Brüder und Schwestern auch nur einen einzigen vernünftigen Entscheid fällen kann. Noch viel weniger kann er sich vorstellen, dass wir unseren demokratischen Kurs selbst bestimmen könnten oder gar dürften. FAZ Journalisten zeichnen sich schon länger durch unlimitierten Grössenwahn in Kombination mit Unwissenheit aus.

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  • Beo B. Achter sagt:

    FAZ. GB und USA sollten der Schweiz Demokratie beibringen? Da lachen doch die Hühner und aufgeklärte FAZ-Leser:innen!

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  • Realistin sagt:

    Die Deutschen gehen mir immer mehr auf die Nerven. Diese anmassende Moralmissionierung, als ob ausgerechnet sie Vorbild für die Welt sein könnten, wird immer unerträglicher. Die sind offensichtlich sehr neidisch auf die Schweiz. Das zeigt sich auch darin, dass die EU, die ja klar ersichtlich das neue Grossreich der Deutschen sein soll, seit Jahren die Schweiz erpresst, obwohl wir ja angeblich so unwichtig sind.
    Leider prägen die hierzulande auch immer mehr die Mentalität.

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