20. Januar 2021
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Florian Schwab

Die schweizerisch-amerikanische Handelskammer gratuliert unterwürfig dem neuen US-Präsidenten. Damit schadet sie der Schweizer Wirtschaft

Heute wird Joe Biden vereidigt. Freude herrscht bei der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer (Amcham). In Superlativen feiert die Wirtschaftsvereinigung den Machtwechsel: «Gratulation, Mister President», beginnt der offene Brief von Präsident Silvio Napoli und Direktor Martin Naville. «Mister President, morgen werden Sie auf den Stufen des Kapitols als 46. Präsident der USA vereidigt.»

Man sei bei der Amcham «immer zuversichtlich geblieben, dass die USA die durch die Administration der letzten vier Jahre verursachten Schwierigkeiten überwinden werde». Und: «Wir haben unsere Schweizer Zuhörerschaft stets an den wahren Charakter der amerikanischen Nation erinnert.»

Das pathetische Schreiben schliesst mit dem Versprechen, die Handelskammer werde «alles in unserer Macht stehende tun, um Ihr Programm zu unterstützen». Noch bevor man das Biden-Programm überhaupt kennt, vergibt die Amcham eine Carte Blance – und lässt kein gutes Haar am abtretenden Präsidenten.

Sollte die Handelskammer nicht zu jeder neuen Regierung eine gute und fruchtbare Beziehung suchen? Und sollte sie nicht beachten, dass der Wind in Washington auch wieder drehen kann? Klar ist, dass sie nicht servil und opportunistisch auftreten sollte. Dafür haben Amerikaner nur Verachtung übrig.

Es waren grösstenteils demokratische Präsidenten, welche die Schweiz wegen ihres Bankenplatzes unter Druck setzten. Der US-Linken gilt die Schweiz als schwer begreifbare Alpenfestung, wo unverdiente Reichtümer angehäuft werden. Die Amcham hat mit ihrem untertänigen Schreiben diesem Eindruck Vorschub geleistet.

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2 Kommentare zu “Die schweizerisch-amerikanische Handelskammer gratuliert unterwürfig dem neuen US-Präsidenten. Damit schadet sie der Schweizer Wirtschaft”

  • Realistin sagt:

    Es bleibt einem schon länger nur noch die Wut, wer sich offiziell für „die Schweiz“ äussert und sich ständig in fremde Angelegenheiten einmischt und sich erlaubt, diese zu verurteilen.
    Dies entgegen unserer Verfassung, die mit jeder Parteinahme für oder gegen ein Land, einen Präsidenten oder was auch immer gebrochen wird.
    Kommt noch dazu, dass beinahe alle diese Verfassungsbrecher auch noch zu dumm sind, zu sehen, was für die Schweiz gut wäre.

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  • Reto Scherraus-Fenkart sagt:

    schade, dass im Artikel nicht ein link zum offenen Brief enthalten ist… so kann man letztendlich nur vermuten, dass er wohl besser von einem Diplomaten als von einem Krämer verfasst worden waere…

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