04. Mai 2021
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Pierre Heumann

Die USA kritisieren Länder, in denen das Leben von Journalisten gefährdet ist: Russland, China, die Türkei. Eines der schlimmsten Länder wird nicht erwähnt: der Iran. Warum?

US-Aussenminister Antony Blinken prangerte am Welttag der Pressefreiheit Länder an, in denen Journalisten verfolgt und im Gefängnis weggesperrt werden. Die Vereinigten Staaten, diktierte er seinem Mediensprecher, stehe für die Freihielt der Presse ein, sowohl online als auch offline, zudem auch für die Sicherheit von Journalisten und Medienangestellten auf der ganzen Welt.

Und er nannte die Bösewichte. Namentlich stellte er China, die Türkei, Ägypten und Russland an den Pranger. Doch ausgerechnet eines der schlimmsten Länder erwähnte er nicht. Der Iran kam ungeschoren davon, obwohl die Ayatollahs systematisch gegen Regime-feindliche Journalisten vorgehen und Bürger mitunter auch aus dem Ausland entführen, wenn sie negative Kommentare über den Iran schreiben. Kurz: Der Iran ist für Journalisten eines der gefährlichsten Länder.

Blinken hat bei seinem Bashing die Islamische Republik sicherlich nicht «vergessen». Es geht ihm wohl vielmehr darum, das Verhältnis zum Regime, das die USA als «grossen Satan» bezeichnet, nicht mit «Nebensächlichem» wie der Pressefreiheit zu belasten. Was für eine Heuchelei: Die Neu-Aushandlung des Atom-Deals mit Teheran ist den USA wichtiger als die freie Meinungsäusserung – auch am Welttag der Pressefreiheit.

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4 Kommentare zu “Die USA kritisieren Länder, in denen das Leben von Journalisten gefährdet ist: Russland, China, die Türkei. Eines der schlimmsten Länder wird nicht erwähnt: der Iran. Warum?”

  • Hans Peter sagt:

    Das wir uns leider auch hierzulande bedenklich in diese Richtung bewegen, illustrieren die wiederholten, eindeutig verfassungswidrigen Schikanierereien und polizeilichen Wegweisungen des Thurgauer Journalisten Daniel Stricker von diktaturkritischen Bürgerrechtskundgebungen in Schweizer Städten.

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  • D. Keller sagt:

    Die Liste der Länder mit wenig Pressefreiheit führt seit Jahren das Trio Nordkorea, China und Iran an. An dieser Realität kommt auch ein Biden nicht vorbei.

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    • Stefan Mueller sagt:

      Oder entwickelt sich Demenz doch langsam zur Pandemie rund ums Weisse Haus!

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    • Edmo sagt:

      Biden kommt problemlos an jeder Realität vorbei. Darüber hinaus können wir beim Abwürgen der Presse- und anderer Freiheiten gerade eine imposante Aufholjagd der westlichen Länder beobachten. Nordkorea, China und Iran sind inzwischen für unsere Machthaber mehr Vorbild als Abschreckung.

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