03. Dezember 2020
Alles lesen
Thomas Renggli

Diego Maradona: Idol mehrerer Fussballer-Generationen, aber leider kein Vorbild

Drei Tage Staatstrauer in Argentinien, die Fussballwelt in Aufruhr, Chaos am Rande der Beerdigung: «Gott ist tot», schrieb die französische Sportzeitung L’Equipe stellvertretend für die globalen Medien.

Diego Armando Maradona bewegt die Massen über sein Ableben hinaus. Nicht ohne Grund: Viele junge Fussballer wurden in den 1980-er Jahren mit ihm sportlich sozialisiert. 1986 führte Diego die schlecht besetzte argentinische Nationalmannschaft fast im Alleingang zum WM-Titel. Bei der SSC Napoli wird seine Nummer 10 nie mehr vergeben.

Doch die Überhöhung des Fussballers hat etwas Scheinheiliges. Denn so grandios Maradona im Umgang mit dem Ball war, so sehr hat er sich neben dem Platz verdribbelt: Drogensucht, Alkoholexzesse, Doping, Nähe zu Autokraten wie Hugo Chavez oder Nicolas Madura. Und sein berühmtestes Tor war der vielleicht spektakulärste Betrugsfall in der Geschichte des Fussballs.

Maradona schaffte dank seinem phänomenalen linken Fuss und der göttlichen Hand den Aufstieg aus dem Armenviertel Villa Fiorito in die Welt der Schönen und Reichen. Gleichzeitig lief er sehenden Auges ins Verderben. Seine Geschichte ist die eines Fussballers, der oft auf die falschen Menschen hörte, der sich vom Erfolg und Ruhm die Sinne vernebeln liess.

Wer ihm in den vergangenen Jahren persönlich begegnet ist, konnte nur etwas für ihn fühlen: Mitleid und die Hoffnung, dass er den Weg aus dem Offside noch findet. So taugt Diego Armando Maradona nur in einer Beziehung als Vorbild – als Vorbild, wie man sein Leben nicht verschwenden darf.

31 1

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.