11. Juni 2021
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Alex Baur

Ein Dok-Film über «starke Frauen» zelebriert die Opferrolle von Jolanda Spiess-Hegglin. Die starke Frau, die ihr widersprach, wurde zensiert

Realsatire ist nach wie vor die beste Satire. Der auf 3-Sat ausgestrahlte Dok-Film mit dem Titel «starke Frauen» über die Zuger Netzaktivistin Jolanda Spiess-Hegglin von Rosanna Grüter und Patrizia Laeri ist ein leuchtendes Beispiel dafür.

Der Sexaffäre um die Zuger Kantonsrätin ist juristisch längst geklärt. Der peinliche Vorfall wäre längst vergessen, wenn Spiess-Hegglin nicht selber ständig damit hausieren ginge. Mit allen Mitteln will sie die Geschichte umschreiben und ihre selbstgewählte Opferrolle zementieren.

Doch mit Stärke hat dieser Opferkult nichts zu tun, im Gegenteil. Spiess-Hegglin spielt unverfroren auf der Klaviatur der moralischen Erpressung. Damit wehrt das vermeintlich schwache Geschlecht seit Jahrhunderten Herausforderung ab. Ein Opfer darf man nicht in Frage stellen.

Die starke und emanzipierte Frau in dieser Geschichte ist die Journalistin Michèle Binswanger (Tages-Anzeiger). Sie gehört zu den ganz wenigen Frauen, die es gewagt haben, die Doppelmoral von Spiess-Hegglin öffentlich zu kritisieren.

Dahinter steht die spannende Kontroverse um die Emanzipation, die Esther Vilar vor einem halben Jahrhundert mit dem «Dressierten Mann» eröffnete. Laeri und Grüter haben das erkannt und Binswanger ausführlich interviewt. Doch dann verliess sie der Mut. Sie schnitten Binswangers Gegenrede wieder heraus.

Was bleibt ist ein einseitiger, langweiliger Propaganda-Streifen.

Womit sich wieder einmal zeigt: Jene die am lautesten mit ihrer Charakterstärke prahlen, lassen diesen im Ernstfall oft vermissen.

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