03. Mai 2021
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Thomas Renggli

Ein Vergesslicher für die SBB

Es ist der wohl spektakulärste Fall von kollektiver Amnesie in der Schweizer Justizgeschichte: die Affäre um die nicht protokollierten Treffen von FIFA-Präsident Gianni Infantino, Bundesanwalt Michael Lauber, dem Oberwalliser Staatsanwalt Rinaldo Arnold und André Marty, dem Medienchef der Bundesanwaltschaft.

Sonderstaatsanwalt Stefan Keller ermittelt in dieser Causa in diverse Richtungen. Nun hat er die Untersuchungen auf Marty ausgeweitet. Der Ex-Journalist gilt als Organisator der konspirativen Zusammenkünfte. Am Freitag meldete der Tages Anzeiger den Abgang Martys aus der Bundesbehörde und die Eröffnung des Strafverfahrens gegen den «erfahrenen Reporter».

Die Sonntags Zeitung lieferte Entwarnung – zumindest, was die berufliche Zukunft Martys betrifft. Der Walliser, der sich nicht mehr an die von ihm selber eingefädelten Treffen erinnert, wird Leiter der Kommunikation Personenverkehr der SBB. Da bleibt für die staatlichen Bahnbetriebe nur zu hoffen, dass der neue Mann seine Gedächtnisprobleme in den Griff bekommt. Sonst vergisst er plötzlich den Termin für den nächsten Fahrplanwechsel.

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6 Kommentare zu “Ein Vergesslicher für die SBB”

  • Bischi49 sagt:

    Ja, es ist wirklich nicht einsehbar, warum was beim Staat funktioniert bei seinen Betrieben nicht gehen soll. Berner Filz und Parteiengeschacher wo man hinschaut.

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  • VP-Falger sagt:

    Ist da wieder "Häfeli-Deckeli" im Spiel?

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  • Rolf Bolliger sagt:

    Bei Staatsbetrieben (vorallem früher, beim damals noch vollständig staatlichen Betrieb SBB) gab es auch beim einfachen Personal immer sehr strenge Rekrutierungs- und Anstellungsbedingungen. Seit einigen Jahren, in denen die SBB immer mehr Schwierigkeiten bekamen, gute und voll motivierte, gescheite und einsatzwillige Mitarbeiter (innen) zu finden, scheint diese
    aufkommende Nachlässigkeit im Pflichtenheft, bis in Kaderpositionen vorgedrungen zu sein!

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    • Melanie sagt:

      Richtig. Und leider seit vielen Jahren immer öfters zu beobachten. Der Kommentator Edmo, weiter unten, hat das richtige Wort gefunden: der Staat als Sondermülldeponie für gescheiterte Existenzen - und dabei auch noch fürstlich gut entlöhnte. Alle wissen's, aber niemand ändert's. Sowas nennt sich Dekadenz und führt ein Land statt aufwärts, direkt und schnell abwärts.

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  • Edmo sagt:

    Unsere Staatsbetriebe entwickeln sich immer schneller zur Sondermülldeponie für gescheiterte Existenzen mit guter Vernetzung innerhalb der Verwaltung. Irgend ein hoch dotiertes Pöstchen ist da immer zu haben. Ein gegenseitiges Nehmen und Geben. Marty wird zum Dank sein Gedächtnis nicht strapazieren und das Strafverfahren aussitzen ohne jemanden unnötig zu belasten. Das gefällt allen Beteiligten. Viel Aufwand, viel Brimborium, eine tolle Show und am Ende kommt nichts dabei heraus.

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    • hape sagt:

      Genau das haben wir doch schon beim Swissair-Grounding et al erlebt. Wer etwas weiss, hält den Schnabel und die eigentlichen Gangster, deren Verbindungsnetz in Politik und Wirtschaft aufgespannt ist, kommen ungeschoren davon. Und bekommen noch eine Entschädigung für ihre Teilnahme am Gerichtsverfahren.

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