27. Januar 2021
Thomas Renggli

Powerplay der Moralisten: Die Eishockey-WM soll in Lettland stattfinden – im Fussball wäre ein solches Theater undenkbar

Am Dienstag tagte das Council des Internationalen Eishockey-Verbandes während mehrerer Stunden per Video. «Wir haben gut gearbeitet», sagte René Fasel danach. Ein formaler Entscheid bezüglich der Neuvergabe der WM 2021 wird zwar erst nächste Woche gefällt – aber fast alles deutet darauf hin, dass das Turnier in Lettland stattfindet.

Diese Neuigkeit spiegelt die Doppelmoral der Sportwelt in ungeschönter Klarheit. Denn jene Länder (vor allem die nordeuropäischen Staaten und Deutschland), die Weissrussland wegen der Menschenrechtslage als Organisator besonders lautstark in Frage stellten, werden ihre Fussballnationalmannschaften ab Ende März mit wehenden Fahnen in die Qualifikation für die WM 2022 schicken und dabei das Hohelied auf die völkerverbindende Kraft des Sports anstimmen.

Geht es nach ihren eigenen Wertvorstellungen, dürften sie dies aber niemals zulassen – sondern müssten zum Boykott gegen die Fifa und deren Präsidenten Gianni Infantino aufrufen. Der Italoschweizer war es, der im Januar nach Saudi-Arabien gereist war und das dortige Regime in den höchsten Tönen gelobt hatte. Für die Kameras schwang er ein traditionelles saudisches Schwert – in einem der ganz wenigen Länder notabene, das Menschen enthaupten lässt.

Doch das ist kein Thema. Denn im Gegensatz zur IIHF sitzt der Fussballweltverband an den ganz grossen Geldtöpfen. Und wenn die Endrunde 2022 im Emirat Katar stattfindet, sprudeln die TV- und Petro-Dollars so richtig üppig. Und diese Freude will sich niemand entgehen lassen.

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