08. Oktober 2021
René Hildbrand

Emil Steinberger ist der erfolgreichste Schweizer Kabarettist. Ein Jammer, dass sich der 88-Jährige immer häufiger die Blösse gibt

Emil Steinberger ist der erfolgreichste Schweizer Kabarettist aller Zeiten. Er hat Generationen Spass bereitet. Kein Zweifel: Der Luzerner wird in die Annalen der Unterhaltungskunst eingehen. Seit Jahrzehnten wird ein Heiligtum um ihn gemacht. Emil, ein Volksheld.

In drei Monaten wird Emil 89 Jahre alt. Respekt. Mit seiner Meisterhaftigkeit wurde er ein sehr vermögenden Mann. Glückwunsch. Ich habe nichts dagegen, wenn selbst hochbetagte Multimillionäre dazuzuverdienen wollen. Künstlern gönne ich das grosse Geld noch mehr als abgeblühten Bankern. Nur: Letztere tun es wenigstens nicht auf Theaterbühnen und im Fernsehen.

Der lebende Schweizer Nationalheilige plant wieder eine grosse Tour – mit seinem neuen Programm «Emil schnädered». Mit seiner Frau Niccel führt er einen eigenen Verlag. Die beiden zeichnen und verkaufen Wochenblätter als Postkarten. Und Bilder. Und DVDs. Während Corna hat das Paar zwei Bücher produziert. Emil schreibt an seiner umfassenten Autobiografie. Und noch viel mehr. Steinberger kürzlich in einem Interview mit der Basler Zeitung: «Niccel und ich arbeiten sieben Tage die Woche und oft bis Mitternacht.»

Emil, von den Medien seit über 50 Jahren nur gehätschelt - hat die sozialen Medien endeckt. Er ist bemerkenswert aktiv auf Facebook und Instagram. Und auf Twitter. Dort richtete er aus: «Ich muss meine Texte lernen – und gegen das Einschlafen kämpfen.»

Anfang der 1990er-Jahre hatte Emil die Nase gestrichen voll von seiner Figur, der er so viel verdankte. Er wollte nicht einmal mehr darauf angesprochen werden. 1993 zog er für sechs Jahre nach New York, um das Leben zu geniessen. Ich erinnere mich noch sehr gut an ein damaliges Telefonat mit ihm. Es war während den emotionalen Debatten über das Waldsterben. Emil sagte mir: «Die Bäume sterben, und ich mache auf der Bühne den Löli. Das goht doch ned.»

Dem Schweizer Wald geht es gut. Und Emil macht seit vielen Jahren wieder den Löli. Er kann den Hals von seiner einträglichen Figur nicht vollkriegen. Bislang hat sich noch niemand getraut, ihm offen zu sagen, dass seine Auftritte zunehmend peinlich sind. Billy Wilder erläuterte mal, dass auch Heilige kritisiert werden dürfen. Und dass auch heilige Leute fallen können.

Diese Woche hat der Kabarettist in den sozialen Medien ein Filmchen über den Facebook-Ausfall verbreitet. Leider ist das Video einfallslos-doof. Emil scheute es vor einer Weile auch nicht, sich in der ARD-Samstagabend-Show «Verstehen Sie Spass?» vor einem Millionenpublikum selber blosszustellen. Gegen eine gute Gage und viel Werbung in eigener Sache liess sich der alsbald 90-jährige Mann hinab, einen frischgewordenen Vater zu spielen. Tutututu: Er tat das mit seinem über 50 Jahre alten Sketch «Der Kinderwagen». Während dem Auftritt haben sich viele Zuschauer fremdgeschämt. Auch für die Gäste im TV-Studio waren peinlich berührt. Ich weiss es von einem, der vor Ort war.

Lieber Emil, wenn der Scherz am besten ist, sollte man aufhören. Das hast du verpasst. Schade. Ich hoffe, dass du dir keine Kopfschmerzen zuziehst, weil der Heiligenschein drückt. Komm gut durch die Zeit. Und bleib gesund.

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24 Kommentare zu “Emil Steinberger ist der erfolgreichste Schweizer Kabarettist. Ein Jammer, dass sich der 88-Jährige immer häufiger die Blösse gibt”

  • Santenbergler sagt:

    Besagte Sendung(en) habe ich nicht gesehen - nicht wegen Emil - sondern weil fernsehen ziemlich der gröbste Unfug ist, den wir mit dem Geschenk Zeit anstellen können. Emil zu kritisieren, weil er immer noch gut Geld verdient, ist trivial, weil ja durchaus möglich ist, dass er mit dem Geld auch Gutes tut (und wohl auch reichlich Steuern abliefert). Kommt hinzu, dass in seinem Alter 2 Jahre anders wiegen, als in der Mitte des Lebens; so ist es unnötig, ihn mit 88 zum 90-Jährigen zu stempeln.

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  • tomcat37 sagt:

    Seine letzte Sendung am Fernsehen habe ich gesehen.
    Am Anfang dachte ich: Er ist besser als je zuvor.
    Dann zog es sich in die Länge.
    Länge ist langweilig.
    In der Kürze liegt die Würze.

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  • Anna Meier sagt:

    Fällt nur mir auf, dass sich in den Artikeln der Journalisten hier die die grammatikalischen Tipfehler häufen?
    Könnte man das nicht 20 Min. überlassen?

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    • katarina graf sagt:

      Frau Meier, Ihnen sind leider auch zwei Fehler unterlaufen: "Tippfehler" schreibt man mit zwei "P" und die zwei "die" nacheinander sind auch überflüssig. Also zuerst schön vor der eigenen Tür kehren, nicht wahr :-))) ?

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  • Stefan Mueller sagt:

    Ob die nun Fucinelle Wermut Molina, Caccio bo P.Weber Potz-Brotz Schwaflinski Mohr oder Kackelmann heissen,
    über die CH die Sau rauslassen, aber alle Vorteile bis zur Staatsfuttertrog-Abzocken geniessen!
    Schaut man auf den Werdegang dieser Dummschwätzer: ihn ihrem Selbstüberschätzungs-Wahn glaubten die der CH vorspielen zu müssen wie wahnsinnig clever sie seien, dabei wurden die alle entdeckt, da die sich gaben wie sie sind, und belacht wurden da viele glaubten sie spielen bloss eine Rolle!

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  • 369 sagt:

    Zwischen zu früh und zu spät liegt oft nur ein Augenblick.

    Emil hat den leider verpasst.

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  • Florence sagt:

    Traurig ist eigentlich vor allem, dass Herr Steinberger nicht bedenkt wie die Zeit vergangen ist, und dass es im Leben ( vor allem eben im hohen Alter) wichtigeres gibt als den Löli zu machen. Wieviel klüger wäre es gewesen seine Beliebtheit für ernsthaftere Themen einzusetzen .
    90 Jahre, und kein bisschen weise . Schade .

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  • Benedikt Ramseier sagt:

    Zur Kunst eines Künstlers oder Kabarettisten gehört auch die Kunst, rechtzeitig abzutreten….leider verpassen es viele, auch EMIL

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  • Marc Dancer sagt:

    Nun - mit "Bloedeln" wurde er wohlhabend u. hat viele gut unterhalten. Aber mit 89 immer noch "bloedeln" zu wollen? Zu Ernsthafterem fehlt ihm leider der Tiefgang u. die Weitsicht. Genau genommen war u. ist er einfach ein Opportunist. Es zeigt sich jetzt wer er wirklich ist: Ein alter Mann der, ziemlich narzistisch, nicht begreifen kann, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist. Vielleicht wird dann ja aus den Memoiren noch etwas "Gescheites".

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  • leandralopez sagt:

    Analen 😱 nicht gleich Annalen!

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  • Juerg Schneeberger sagt:

    Ich erinnere mich noch gut an die Zeit der 90er Jahre, als dieser kindlich auftretende und wirkende Stereotyp nach Amerika ausreiste. Seine Aussage damals: „Die Schweiz ist mir zu kleinkariert.“ Nach sechs Jahren hat dieser peinliche Depp offensichtlich realisiert, dass die Schweiz eben doch einzigartig ist!
    Ich konnte weder früher noch heute diesen infantil wirkenden Selbstdarsteller ausstehen, er war und ist eine peinliche Figur, welche zudem im Zeitgeist des linken Konformismus schwebt.

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  • Marlisa Schmid sagt:

    Wenn ich die Nummern sehe, die er jetzt als alter Mann aufführt, muss ich unweigerlich wegschauen. Es tut schon fast weh, den einst brillanten Kabarettist sehen zu müssen, wie er sich nun der Lächerlichkeit preis gibt. Es ist wie bei den Sportlern, die leider oft verpassen, im richtigen Moment zurückzutreten, nämlich am Höhepunkt ihrer Karriere, bevor es wieder steil nach unten geht. Loriot übrigens ist für mich der beste Humorist aller Zeiten im deutschen Raum. Emil hat sich selbst demontiert.

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  • andreas jenzer sagt:

    Im Inhalt völlig einverstanden, aber der Text strotzt voller Fehler, Sie sollten unbedingt einen Korrektor anstellen!

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  • Rolf Bolliger sagt:

    Nicht nur millionenreiche Spitzensportler können sehr oft einfach nicht aufhören, trotz fehlenden Erfolgen! Offensichtlich gibt es auch Bühnenberufsleute, die glauben, dass sie auch mit 90 noch ihren einst erfolgreichen Beruf ausüben müssen und können! Schade, dass sich der erfolgreiche Kabarettist Emil Steinberger in diesem bedenklichen "Fahrwasser" tümmelt! Solange er halt volle Zuschauer-Ränge hat und ein Medien-Liebkind ist, wird EMIL nicht abtreten!

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  • baloiszydeco sagt:

    Haben wir auch gedacht aber bis jetzt nicht geglaubt das je in den Medien zu finden. Traurig aber wahr.

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