05. Juli 2021
Christoph Mörgeli

«Er hat sich weiterentwickelt»: Bundespräsident Guy Parmelin wird plötzlich gelobt – von denen, die ihn vorher kleingemacht haben

Unergründlich sind oft die Gedankengänge der Journalisten.

Dies zeigt sich besonders in deren Urteilen beziehungsweise Vorurteilen gegenüber den Politikern. Das Präsidialjahr des «Waadtländer Weinbauern» sei «bis jetzt erstaunlich reibungslos» verlaufen, urteilt hochnäsig der Tages-Anzeiger. Und weiter: «Parmelins Start war von tiefen Erwartungen begleitet.»

Die tiefen Erwartungen an Guy Parmelin beschränken sich auf die Journalisten. Weil sie einem «Waadtländern Weinbauern» nichts zutrauen.

Dabei haben sie weder seine solide Politik als Nationalrat oder stellvertretender SVP-Fraktionschef noch seine bisherige solide Bilanz als Bundesrat näher verfolgt, geschweige denn gewürdigt. Sonst hätten sie gewusst, dass Parmelin auch mit den von der Leyens, Bidens und Putins umgehen kann. Weil er überall sich selber bleibt.

Umso höher waren die Erwartungen der Journalisten bei Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Die Medien überschlugen sich mit Rühmen und Lobreden über die stets auf ihr Äusseres bedachte, perfekt gestylte Freisinnige, die sich gerne mit ihren Sprachkenntnissen spreizt.

Bald folgte die Ernüchterung. Sowohl bei der «Burka-Initiative» wie beim Bundesgesetz über elektronische Identifizierungs-Dienste hat sie verloren. Ihre Reaktion bei der Ablehnung des EU-Rahmenvertrags war so ungeschickt, dass sie bei Ostschweizer Arbeitgebern wie bei den Gewerkschaften unter die Räder kam.

Allmählich durchschauen die Journalisten das Aufgesetzte, Angelernte und Angeschminkte von Keller-Sutters Politik. Und rühmen plötzlich den «Waadtländer Weinbauern».

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6 Kommentare zu “«Er hat sich weiterentwickelt»: Bundespräsident Guy Parmelin wird plötzlich gelobt – von denen, die ihn vorher kleingemacht haben”

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