12. Februar 2021
Katharina Fontana

Es gibt gute Gründe für ein Ja zur Burka-Initiative, auch wenn es sie eigentlich gar nicht braucht

Glaubt man den Umfragen, wird die Initiative für ein Verhüllungsverbot – kurz Burka-Initiative – am 7. März bei Volk und Ständen eine satte Mehrheit erzielen. Die Gegner haben gute Argumente, die eigentlich für ein Nein sprechen: Sie halten das Verbot für komplett übertrieben, weil Burka-Trägerinnen in der Schweiz ein absolutes Randphänomen darstellen. Zudem wollen sie nicht, dass der Staat den Frauen Kleidervorschriften macht.

Von den Gegnern kaum erwähnt wird allerdings, was im Falle der Ablehnung passiert: Dann tritt nämlich der indirekte Gegenvorschlag in Kraft, den das Parlament ausgearbeitet hat. Und genau hier liegt die Crux. Der Gegenvorschlag geht weit über das Thema Gesichtsverhüllung hinaus, er gibt dem Bund das Recht, sich künftig quer durch alle Lebensbereiche um das Zusammenleben von Mann und Frau zu kümmern.

Es gilt also abzuwägen: Mit der Burka-Initiative werden schätzungsweise ein paar Dutzend Musliminnen hierzulande in ihrer Kleiderfreiheit eingeschränkt. Sie müssen eine Busse gewärtigen, wenn sie vollverhüllt in der Öffentlichkeit auftreten. Mit dem Gegenvorschlag hingegen wird die ganze Schweizer Bevölkerung mit zusätzlichen staatlichen Gleichstellungs- und Erziehungsprogrammen belästigt. Was ist schlimmer?

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8 Kommentare zu “Es gibt gute Gründe für ein Ja zur Burka-Initiative, auch wenn es sie eigentlich gar nicht braucht”

  • VP-Falger sagt:

    Es wäre den GegnerInnen anzuraten, zu lesen, ob im Koran, dem religiösen Fundament des Islam, eine Burka oder Gesichtsverhüllung als Ausdruck religiöser Zugehörigkeit empfohlen oder gar vorgeschrieben ist.
    Vielmehr wurde in den Wüstenstaaten, wo vorwiegend Muslime zu Hause sind, der Mundschutz gegen die Sandstürme getragen. Das ist ein Situationsschutz und nicht eine religiöse Doktrin.
    Die Schweiz zeigt ihr Gesicht... und das ist ein urschweizerischer Verhaltenskodex.

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  • Juerg Schneeberger sagt:

    Werte Frau Fontana, ich finde, dass Sie in Ihrem Kurzbericht das Problem zu eindimensional beleuchten, indem Sie das Verhüllungsverbot von Krawallmachern und Hooligans ausklammern, was zumindest kurz angesprochen werden müsste.

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  • Melanie sagt:

    Es ist eine riesige Sauerei, dass immer wieder etwas völlig anderes (!!) mit einer eigentlich simplen "Abstimmung JA-NEIN" verknüpft wird. Ist ja nicht das erste Mal. Wann hört das endlich auf?

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  • Edmo sagt:

    Bei einem Nein wird es nach und nach zu viel mehr verhüllten Musliminnen in der Schweiz kommen. Die Islamisierung unseres Landes schreitet ja munter voran. Das müssen wir stoppen. Und dem linksextremen Antifa-Gesindel müssen wir die Masken auch vom Gesicht reissen. Das dürfte übrigens der Grund für den starken linken Widerstand gegen diese Intiative sein. Wer will schon seine liebste Kampftruppe schwächen?

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  • ku_baum sagt:

    Es wäre schön gewesen, Sie hätten diese ‚Belästigungen‘ des Gegenvorschlags nicht nur angesprochen, sondern aufgezeigt.

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    • Tom Schnider sagt:

      Das Problem ist die Änderung von Art. 14 Gleichstellungsgesetz. Bisher müssen sich Gleichstellungsbüros auf das „Erwerbsleben“ beschränken. Neu dürfen sie Kampagnen in umfassend allen Lebensbereichen der Gesellschaft fahren und der Bund dies finanzieren.

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  • Bischi49 sagt:

    Was die Politik dem Stimmbürger mit dem indirekten Gegenvorschlag serviert grenzt an Verarschung. Man hat keine Möglichkeit mehr zu einem einfachen nein, weil es automatisch ja heisst für etwas, das man auch nicht will. Ich fühle mich von „denen in Bern“ nicht ernst genommen. Ihre Angst, der Stimmbürger könnte etwas „Falsches“ entscheiden deutet auf ein miserables Demokratieverständnis und eine abgehobene Selbstüberschätzung hin.

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