07. Dezember 2020
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Roger Köppel

Es ist kein Weltuntergang für die Schweiz, wenn das WEF von Davos ins autoritäre Asien zügelt

Zum Beispiel eine WEF-Bratwurst gibt es nicht. Auch WEF-Ballone, WEF-Mützen oder Schals mit dem Logo dieser Veranstaltung sind nicht im Umlauf. Könnte man sich eine WEF-Dächlikappe überhaupt vorstellen? Nein. Und das hat seine Gründe. Das World Economic Forum in Davos ist die geniale schöpferische Netzwerk-Leistung eines einziges Mannes, von Klaus Schwab, diesem alles verbindenden Welthirn, aber seien wir ehrlich: Mit der bodenständigen Kantönli-Geist-Schweiz hat das WEF ungefähr so viel zu tun wie die Oscar-Feiern in Hollywood mit der Basler Fasnacht.

Der jährliche Masters-of-the-Universe-Aufmarsch im Prättigau ist ein Gesamtkunstwerk der Imposanz, fraglos, aber in seiner stratosphärischen Abgehobenheit halt doch irgendwie auch unschweizerisch, eine Nummer zu gross, auch wenn wir uns eine Woche lang als Mittelpunkt der Welt fühlen dürfen und Hotellerie und Ferienwohnungvermieter von galaktischen Margen profitieren, was wir ihnen herzlich gönnen. Deshalb: Es ist kein Weltuntergang für unser Land, wenn das Raumschiff WEF demnächst in Singapur andocken sollte, weil sich die Superhelden der Wirtschaft und der Politik corona-bedingt nicht mehr an die Bündner Bergluft wagen.

Es ist eine subtile Pointe, dass jetzt ausgerechnet der nicht unbedingt lupenrein demokratisch regierte Stadtstaat für seine autoritäre Pandemie-Politik belohnt werden soll ausgerechnet von den WEF-Machern, die so eloquent über «Good Governance» zu theoretisieren wissen. Der so heimelig besungene «Geist von Davos» kann offenbar genauso gut im autokratischen Asien wehen. Was zeigt, dass das WEF zwar grossartig ist, aber weniger zur Schweiz gehört als die Olma, ein Schwingfest oder der Genfer Autosalon. Es ist darum ausserhalb unserer Wirtschaftselite in unserem Land auch nie richtig populär geworden.

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