24. Juni 2021
Florian Schwab

ETH-Präsident Joël Mesot bangt um die EU-Forschungs-Millionen. Dabei hat es die Top-Hochschule gar nicht nötig, als Bittstellerin aufzutreten

Die Aufregung ist gross: Die Europäische Union führt die Schweiz derzeit nicht auf der Liste der Länder, die an ihr Forschungsprogramm Horizon Europe 2021-2026 andocken werden!

Im Tages-Anzeiger schlägt ETH-Präsident Joël Mesot Alarm. Auf dem Spiel stünden rund 70 Millionen Franken jährlich aus dem gemeinsamen Fördertopf. Zudem drohe der Ausschluss aus dem «bedeutendsten internationalen Forschungsnetzwerk».

Die ETH als «internationale Top-Hochschule» sei auf das EU-Programm angewiesen. «Wir sollten das mit aller Kraft anstreben.»

Das finanzielle Argument ist schnell entkräftet. Die Schweiz zahlt nämlich mehr in den EU-Fonds ein, als ihre Bildungsinstitutionen und Firmen daraus erhalten. Die vom Parlament für Horizon gesprochenen Geldmittel können mit einem Federstrich umgewidmet werden.

Wahrscheinlich würde in dem Fall sogar mehr Geld an die ETH fliessen.

Auch wissenschaftlich wäre der Ausschluss der Schweiz aus Horizon für die ETH eher eine Chance als eine Gefahr. Als Hochschule von Weltruf kann sie sich ihre Forschungspartner an der globalen Spitze suchen, ohne Rücksicht auf das europäische Mittelmass. In den World University Rankings 2021 steht die ETH auf Platz 14. Die erste Institution aus der EU ist die Ludwig-Maximilians-Universität München auf Rang 32.

Das Aus der Schweiz bei Horizon könnte für die ETH also zum Befreiungsschlag werden: Raus aus dem EU-Korsett, hinein in den globalen Wettbewerb um die besten Ideen und Köpfe!

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17 Kommentare zu “ETH-Präsident Joël Mesot bangt um die EU-Forschungs-Millionen. Dabei hat es die Top-Hochschule gar nicht nötig, als Bittstellerin aufzutreten”

  • holsderkuckuk sagt:

    Die Professoren Inflation überbordet immer mehr, alle diese überheblichen Selbstdarsteller sind eine Schande für ernsthafte Wissenschaftler. Und die blöden Mainstream Politiker die in das unsägliche Geblöke von Bildungsoffensive einstimmen, entlarven sich selbst als Anhänger der Devise "Einbildung ist auch Bildung". Die sogenannte Akademisierung beschleunigt die verblödung an, es gilt nue noch Masse statt Klasse. Die Schweiz bildet zu wenig Informatiker in Ingenieure aus, die werden benötigt.

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  • Hegar sagt:

    J. Mesot ist wenigstens offenherzig ehrlich, ihm ist der Geldbeutel wichtiger als der Einsatz von Hirnschmalz.

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  • Fredi Stutz sagt:

    Mesot ist ein alarmist. Jeder Student sollte wissen, dass die EU völliger Unnutz für Forschung ist. Forschende können sich überall melden und erhalten Unterstützung. Es braucht dringend mehr aufgeklärte Aufklärung für Studis überall in der Schweiz und weniger Alarmisten.

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  • hape sagt:

    Wenn ich sehe, was die ETH hervorbringt (z.B. Schwurbel Tanja Stadler) so frage ich mich, wie die es unter die besten der welt schaffen...

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  • THINK sagt:

    Bravo! Auf den Punkt gebracht! Und die Schmarotzer tummeln sich in der Wurmbüchse und sorgen für Zuwachs an Gleichgesinnten.

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  • minibixi2008 sagt:

    Man sieht ja täglich wohin diese Forschung führt.
    Selten zum wohle der Menschheit.
    Jetzt können sie ja beweisen was in ihnen steckt und sich von diesem globalen Forschungsirrsinn loslösen.
    Selbst denken und eigene Forschungsziele erreichen.
    Seit ich auf der Welt bin ist meine Motivation: du musst den anderen immer einen Schritt voraus sein.
    Bis jetzt hat das hervorragend geklappt und macht mich frei vor diesem öden Mainstream.

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  • Meinrad Odermatt sagt:

    Forschung scheint immer mehr - oder nur noch - Selbstzweck zu sein. Ausser in der Medizin - und auch da wird es schwierig - sehe ich nicht, was "Forschung" noch für einen Mehrwert an unsere Lebensqualität liefern könnte. Im Gegenteil, die Digitalisierung zum Beispiel führt in eine desaströse Richtung. Man ist daran, Lebensqualität wegzurationalisieren und verkauft das als Nutzen. Die Forschung, die WIR brauchen, können wir selber finanzieren und organisieren. Weniger ist mehr...

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  • Guy Tiger sagt:

    Oje, Herr Mesot wird aus seiner Horizon-Bubble vertrieben - wahrlich ein biblisches Ereignis.

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  • Bischi49 sagt:

    Und von den 70 Mio versickern wohl rund 1/3 in der Administration. Also wozu das Gejammer?

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  • Beo B. Achter sagt:

    Die drei besten Universitäten in Europa liegen nicht in der EU! In GB die zwei Besten und die ETH als Dritte! Wir Schweizer sollten endlich lernen etwas selbstbewusster Aufzutreten.

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  • Edmo sagt:

    Das Problem der Professoren ist leicht zu erklären. Seit Horizon forschen sie nämlich nicht mehr, sondern buhlen den lieben langen Tag um Forschungsgelder. Horizon ist ein typisches EU-Projekt. Aufwändig, teuer, bürokratisch, dafür mit äusserst bescheidenem Output. Ohne Horizon müssten unsere Professoren wieder zurück in die Forschung. Doch wie Forschung geht, haben sie längst vergessen.

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    • oazu sagt:

      EU-Horizon 2020 ging so: von den Milliarden flossen a) erst mal 15% (!!) in EU-Bürokratie, 40% in "Forschungs"-Themen und -Projekte zu Gesellschaft und Politik mit Oberbegriffen europäischen Integration und Einheit, 30% in Grundlagen-Forschung, 15% blieben noch für praktische Forschung in Zusammenarbeit mit KMU Betrieben. Von Projektidee bis zu Projektgutsprache mind. 3 Jahre, typisch 4. Welche praktische KMU-Idee konnte so lange warten und sich solchen Leerlauf leisten?

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  • oazu sagt:

    Rückgrat war des Mesots Stärke noch nie.

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  • Anstolmi sagt:

    Dazu bräuchte es den Mut der Verantwortlichen… Diese sind, wie in allen höheren Bildungseinrichtungen mit Linksdrall nach Europa unterwegs. Das ist für sie wahrscheinlich auch der bequemere Weg…

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  • 66metamycil sagt:

    Weshalb wollen die ETH Professoren unbedingt an Horizon mitmachen? Weil die meisten von ihnen selber aus dem EU Raum kommen und sie die Verbindung zu dessen Universitäten für spätere Wirkungsfelder aufrecht erhalten wollen. Für den Forschungsstandort Schweiz ist es aber zentral, nur mit den besten Universitäten der Welt zusammen zu arbeiten.

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  • Heidi sagt:

    Ich erhielt diese Tage von der Uni ZH eine Einladung zur Teilnahme an einer Studie, die "wichtige Erkenntnisse zum Verlauf der Corona-Pandemie" liefern soll, um die Politik zu beraten. Teilnehmer 600, "zufällig ausgewählt" (auch repräsentativ?!), Antikörpertest ungenau (steht im Schreiben), Finanzierung u.a. private Geldgeber (nicht offengelegt; welche Interessen haben die?). So werden an unseren Universitäten "Studien" betrieben. Ich habe dankend abgelehnt.

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