23. Juni 2021
Christoph Mörgeli

Ex-Armeechef André Blattmann hat bei der Flugzeugbeschaffung einen Hinterhalt gelegt. Das nützt niemandem, aber schadet der Sache

Dieser Rückenschuss ist inakzeptabel: Der frühere Armeechef André Blattmann, ursprünglich Fliegerabwehr-Spezialist, kommt wenige Tage vor dem bundesrätlichen Kampfjet-Typenentscheid zum Schluss, es brauche «eigentlich nur ein breites Spektrum an bodengestützter Luftverteidigung».

Hier schadet der illoyale Pensionär – der 2014 mit dem Gripen-Entscheid am Volk gescheitert ist – mit inakzeptablen Argumenten der Sache der Landesverteidigung. Denn selbstverständlich würden unsere Fliegerabwehr-Systeme ohne funktionierenden Kampfjet-Luftschirm rasch geortet und ausgeschaltet. Das belegen zahlreiche Luftkriegs-Operationen der letzten Jahre.

Kampfflugzeuge und Fliegerabwehr-Systeme zum Objekt- oder Raumschutz bedingen sich gegenseitig; es kann nicht um ein Entweder-Oder gehen. Denn selbstverständlich haben die Boden-Luft-Lenkwaffensysteme nur die Möglichkeit, entweder zu schiessen oder nicht zu schiessen. Um den Luftraum zu überwachen, um beispielsweise unbotmässig eingedrungene Passagierflugzeuge zu warnen und zur Landung zu zwingen, sind weiterhin bemannte Kampfflugzeuge erforderlich.

In allen neueren Kriegen spielte die Luftwaffe die entscheidende Rolle. Die beste Wahl für die Schweiz wäre der amerikanische F-35. Voraussetzung ist aber Einigkeit im bürgerlichen Lager. Darum lautet die dringende Aufforderung an Alt-Armeechef Blattmann: «Feuer einstellen!» Und jenen Bundesräten, die sich bei der Typenwahl bereits zitieren lassen, sei zugerufen: «Zurück in Deckung!»

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14 Kommentare zu “Ex-Armeechef André Blattmann hat bei der Flugzeugbeschaffung einen Hinterhalt gelegt. Das nützt niemandem, aber schadet der Sache”

  • holsderkuckuk sagt:

    Luftpolizei tönt gut, ist aber lächerlich. Szenario: Eine Verkehrsmaschine wird über CH entführt, die Entführer stellen Forderungen und drohen bei Ablehnung über einer Stadt abzustürtzen. Wer wagt es über dem Mitteland ein Flugzeug abzuschiessen, ohne über die eventuellen Folgen am Boden nachzudenken. Die vollen Hosen und Humanitäts Gelaber lösen das Problem. In diesem Fall hätte Napoleon I. bedenkenlos abgedrückt. Wie in Paris, Feuerbefehl mit Kartätschen auf die Bevölkerung zu schiessen.

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  • holsderkuckuk sagt:

    Die Schweiz hat keinen Rückraum, um bei einem Fliegerangriff rechtzeitig zu reagieren. Die Luftraumüberwachung meldet Anflug nicht identifizierbarer Objekte über Süddeutschland; Alarmstart in Payerne ,zu spät in der Luft um abwehren zu können. Das Deutsche Reich hatte Ende 1944 die ME 262, der erste Strahljäger dem die Allierten nichts entgegensetzen konnten. Also überwachten und bombardierten sie die erkannten Flugplätze. Die meisten ME 262 wurden beim starten oder landen vernichtet.

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  • Marcus Porcius sagt:

    Mir wäre ein Gutachten von israelischen Spezialisten willkommen. Diesen Blattmanns, Süesslis, Amherds, Sommarugas & Co. traue ich Objektivität eher nicht zu.

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  • hape sagt:

    Ich sags nochmals: Was wir brauchen heisst MIG 35!

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  • Guy Tiger sagt:

    André Blattmann hat recht. Kein Jet kann Raketen abwehren. Es gibt keine vernünftige Strategie der Armee, welche einen Einsatz von Angriffsjets plausibel machen würde. Derzeit haben wir aber so gut wie keine Abwehr gegen Angriffe aus der Luft. Wir benötigen beides, eine Luftpolizei und einen umfassenden Schutz vor allen Arten von Angriffen aus der Luft.

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  • Juerg Schneeberger sagt:

    Dieser Blattmann ist mir schon zu seiner Zeit als Armeechef aufgefallen. Aufgefallen, als grösste Fehlbesetzung in dieser Funktion. Eine völlige Null und ein Schleicher der keinen vernünftigen Satz hervorbrachte. Blattmann war eine Schande für das militärische Berufsbild und wenn er in der Arena-Sendung auftrat, welche ich heute aus linksideologische Verdummungsplattform ansehe und deshalb nicht mehr konsumieren kann, so musste man sich als Schweizer ob dieser Besetzung schämen.
    Jürg 51

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  • olive sagt:

    AH-64 Apache
    10 Stück von diesen wäre besser für die CH

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  • winner16 sagt:

    "In allen neueren Kriegen spielte die Luftwaffe die entscheidende Rolle. " Leider falsch, Herr Mörgeli. Die Logistik spielte in allen grossen Kriegen die entscheidende Rolle!

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    • WinstonC sagt:

      Und die Logistik funktioniert ihrerseits lediglich so lange, wie sie sich bewegen kann. Und dafür braucht es die Kontrolle über den Luftraum. Für den, der sich noch bewegen und seine Truppen versorgen will.

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    • Mueller sagt:

      Wir sollten die Truppengattungen nicht gegeneinander ausspielen! Das Gesamtpaket muss stimmen; versehen mit einem gesunden Geist im Sinne der Heimatliebe, denn die Armee sollte immer noch zur Verteidigung unserer Familien da sein! Zeitgeist hin , Zeitgeist her!

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  • VP-Falger sagt:

    Wenn Lobbyisten das Sagen haben (bkommen), dann kommt es sicher schlecht heraus und Vetterliwirtschaft brodelt hoch. Vor dieser sind wir in letzter Zeit zur Genüge beglückt worden. Natürlich stets mit enormen Kosten für den Steuerzahler... Gutachten, Gegengutachten, aufspielen von Möchtegerns, etc. etc.

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  • oazu sagt:

    Immer mehr scheint ob all den Spar-, Abbau- und ständig ändernden Strategie-Problemen der letzten Jahrzehnte bei der CH-Armee ein noch grösseres das (aktuelle und ehemalige ) Führungspersonal zu sein. Mit den Bonmot der Investor Legende Warren Buffett: bei seinem Fürhungspersonal schaue er auf 3 Eigenschaften: Intelligenz, Energie und Integrität. Fehlt es am Dritten, treiben dich die ersten beiden in den Ruin. Gilt auch für Führung der CH-Armee.

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