12. Oktober 2021
René Hildbrand

Faszination Vierbeiner: Viele Tierheime sind überfüllt. Warum? Weil Hunde nach dem Lockdown nicht mehr gebraucht werden

In der Schweiz, Deutschland und Österreich dasselbe hässliche Bild: Viele Tierheime sind überfüllt, etliche am Anschlag.

Weil Vierbeiner nach den Lockdowns nicht mehr gebraucht werden. Also schiebt man sie ab. Manche werden sogar ausgesetzt. Lebendig entsorgt. 

Es betrifft vor allem Hunde und Katzen. Mich faszinieren beide Arten. Hunde schauen zu den Menschen. Katzen blicken auf sie herab.

Vom sehen her kenne ich ein jüngeres Paar, das sich schon in den ersten Monaten der Corona-Krise einen Hund angeschafft hat. Im Tierheim fanden die beiden einen siebenjährigen, mittelgrossen Mischling. Er hat eine schwierige Vergangenheit. Ist aber dennoch ein Hund wie ein Herz auf vier Beinen. Nach Corona wurde er nicht mehr benötigt. Jetzt ist er wieder im Tierasyl. Wenigstens wurde er nicht ausgesetzt.

Im Homeoffice gab es ein verstärktes Bedürfnis nach Nähe. Inzwischen wurde wieder ins Büro zurückbeordert. Keine Zeit, kein Nutzen mehr für tierische Begleiter. Schnell weg mit ihnen. Zurück ins Heim. 

Gerne wüsste ich, wie sich so abgestumpfte, verhaltensauffällige Menschen in ihrem sozialen Umfeld verhalten. Wie sie mit ihren Zeitgenossen umgehen.

Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere (Arthur Schopenhauer). Ich bin Tieren sehr zugetan, habe aber keines. 

Das Leben beginnt dann, wenn die Kinder ausgezogen sind. Und der Hund gestorben ist.

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10 Kommentare zu “Faszination Vierbeiner: Viele Tierheime sind überfüllt. Warum? Weil Hunde nach dem Lockdown nicht mehr gebraucht werden”

  • holsderkuckuk sagt:

    Bei Anne Levy im BAG wäre sicher noch ein Körbchen frei.

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  • minibixi2008 sagt:

    Das sind die Menschen die von Solidarität und sozialem Verantwortungssinn schwafeln.
    Tiere sind für viele Menschen einfach ein Ding.
    Ich liebe alle Tiere und schätze sie mehr als viele zweibeinige armselige Kreaturen die glauben die Welt gehöre nur ihnen alleine.

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  • Anna Meier sagt:

    "Gerne wüsste ich, wie sich so abgestumpfte, verhaltensauffällige Menschen in ihrem sozialen Umfeld verhalten. "
    Das sieht man doch heute bestens: Sie jubeln, wenn ihre Mitmenschen bestraft und von der Gesellschaft ausgeschlossen werden, weil sie nicht gehorsam sind. Sie fühlen sich wohl in der Hetzmeute, die gegen die Skeptiker aufgehetzt wird.

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    • Melanie sagt:

      Ganz genau so ist es. Diese "Mentalität" (Gesinnungsnazis!) kriecht seit bald 2 Jahren wieder überall aus allen Löchern und wird LEIDER niemals aussterben (... genauso wenig übrigens, wie Viren je aussterben werden). Tiere kriegen das meistens zuerst zu spüren.

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  • Sally sagt:

    Selber glückliche Hundehalterin habe mit Sorge beobachtet, dass während dem ersten Lockdown viele Hunde "angeschafft" wurden. Ebenso musste ich feststellen, dass viele heillos überfordert waren, die Hunde unterfordert, verunsichert oder gar verängstigt. Eine Katastrophe. Aber vielleicht hat die "Retourware" Glück auf ein neues gutes Zuhause, besser als ungeliebt und unverstanden bei Egoisten zu verharren.

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  • Edmo sagt:

    'Ich bin den Tieren sehr zugetan, habe aber keines.' Wer seinen Egoismus etwas einbremsen kann, funktioniert genau so. Ich bin jedes mal entsetzt, wenn ich die Werbung der Zurich-Versicherung sehe: 'Es wartet immer jemand auf dich.' Geschmückt mit Hunden, die sich wie verrückt freuen, wenn endlich jemand nach Hause kommt. Und keiner denkt darüber nach, wie sich die Stunden für diese Rudeltiere anfühlen, bis wieder jemand kommt.

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    • T sagt:

      Ja die Zurich Versicherung betreibt Gewinnmaximierung auf Kosten der Tiere. Aber solange es dumme Menschen gibt, welche sich genau deswegen ein Tier anschaffen und sich nebenbei bei Zurich versichern, funktioniert der Werbetrick. Genau soviele dumme Menschen machen übrigens gedankenlos Kinder.

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  • mhol sagt:

    Fehlende Empathie, Gedankenlosigkeit, der augenblickliche Laune folgend und ein Traum verwirklichen, oder doch nur kalte berechnende Rücksichtslosigkeit inmitten des angezüchteten menschlichen Konsumterrors? Spielt das noch so eine grosse Rolle, wenn es im Ergebnis auf das Gleiche herauskommt? Die Menschheit verbockt es oft einfach bis zum "Gehtnichtmehrvielübler!", bis es dann wieder neue Gesetze "erzwungen" werden. Der (dumme?) Mensch tuts, weil und solange er es kann.

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  • Teresa Hasler sagt:

    Das ist unsere verwöhnte, konsumorientierte Gesellschaft. Man schafft sich ein Tier an, weil es gerade dem persönlichen Bedürfnis entspricht, macht sich vorher keine Gedanken, dass so ein Tier auch Ansprüche hat. Zum Entsorgen sind die Tierheime da. Zugleich lässt man sich spritzen, meist nicht aus Überzeugung, sondern lässt sich erpressen, weil man in die Ferien und ins Restaurant etc. will. Man ist nicht bereit, die Massnahmen zu hinterfragen, weil es nicht ins bequeme Leben passt.

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  • VP-Falger sagt:

    Kein Wunder, wenn es mehr *Wohlstands* Haustiere als Einwohner zu geben scheint. Was früher der Kanarienvogel und Wellensittich gewesen waren, sind heute Hunde und Katzen!

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