18. Dezember 2020
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Hubert Mooser
Hubis Bundeshaus

Festhütte Bundeshaus: Politiker von links bis rechts brechen die Regeln, die sie anderen befehlen

«Mein Name ist Bastian Girod. Ich habe einen Tisch reserviert.» Der Zürcher Grüne Nationalrat ist einer von vielen Parlamentariern, der am Donnerstagabend in der Galerie des Alpes, im Restaurant des Bundeshauses mit Kolleginnen und Kollegen tafeln will.

Brisant ist die Zeit: Es ist 19.10 und landesweit sind Kneipen, Bars und Restaurants seit 10 Minuten zu. Hier fängt der Abend erst richtig an. Die Beratungen sind zu Ende und im Speisesaal herrscht Hochbetrieb. Alle Tische sind gut besetzt, Girod muss sogar warten, bis eine Tafel frei wird für ihn und seine Grünen.

Dass sich hier alle noch entspannt zuprosten können, während im ganzen Land längst Sperrstunde ist, hat einen Grund. Die Verwaltungsdelegation des Parlamentes, die vom Berner SVP-Nationalrat Andreas Aebi geleitet wird, hat abgesegnet, dass die «Galerie des Alpes» während der Wintersession zur Betriebskantine umfunktioniert wird. Eigentlich ist das eine Schlaumeierei, um die Sperrstunde hinauszuschieben. Hier gilt Sperrstunde 22 Uhr.

Fairerweise muss man sagen, dass sich die Politiker nach der Arbeit verpflegen müssen. Gehört aber das Kippen von einer Weinflasche nach der anderen bis spät am Abend zum Verpflegungskonzept? Werden die Corona-Regeln auch noch strikte befolgt, wenn gegen 22 Uhr der Kopf schwerer wird?

In den vergangenen Tagen konnte man schon mittags im «Café Vallotton», das ist eine kleine Bar im ersten Stock des Bundeshauses, fast ein Dutzend wirtschaftsfreundliche Parlamentarier beim Weisswein-Apéro beobachten. Dies unter Missachtung von Abstandsregeln und Maskenpflicht. Der einzige in der Runde mit Schutzmaske war ein externer Berater.

Und draussen im Gang vor dem Café sitzen die Linken, die am lautesten nach Vorsicht und Lockdown rufen, Schulter an Schulter und maskenfrei zu siebt an einem kleinen Lounge-Tisch, gemütlich trinkend und speisend. Die gleichen Leute stellen Gesetze auf, die «Maskenverweigerer» mit Bussen oder Restaurantbetreiber mit strengen Sperrstunden bestrafen.

Man muss heute schon Politiker sein, um die Corona-Regeln zu brechen, die man allen anderen im Land befiehlt.

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