07. Januar 2021
Alles lesen
Anton Beck

Friedrich Dürrenmatt zum 100. Geburtstag: Die «Zeit» findet in ihm einen Sexisten

Über ihn wurde dieser Tage viel berichtet: 100 Jahre alt wäre Friedrich Dürrenmatt am 5. Januar geworden und entsprechend lobend wandten sich die deutschsprachigen Feuilletons seinem Werk zu.

Ein Artikel stach heraus – im negativen Sinne. Mit dem «Besuch des alten Mannes» wendet sich die Zeit von den Lobliedern ab und vermutet Böses, das Böseste gar, das es zu vermuten gibt.

Die These des Artikels: Dürrenmatts Texte platzen vor Sexismus. «Bei den Frauenfiguren scheiterte sein kritisches Vermögen» heisst es darin und der Chauvinismus-Vorwurf des Kulturwissenschaftler Caspar Battegay lässt nicht lange auf sich warten.

Das Urteil ist also schnell gefällt, konsequent durchgezogen wird es aber nicht. Denn ein Sexist sei Dürrenmatt aufgrund seiner Aussagen zwar nicht, aber «Ideologien werden auch durch Fiktionen, Figuren und Geschichten transportiert». Aufgrund mangelnder Beweise, wird mit Schlamm geworfen.

Wie ein Literaturwissenschaftler einen solchen Text schreiben kann, ist unklar.

Abgesehen von den flach interpretierten Textstellen, wird die Tatsache völlig ausgeblendet, dass in vielen von Dürrenmatts Romanen die Männer die schlechten Menschen sind – die Bösen und Entführer, die Gescheiterten und Versoffenen.

Die Gender-Brille bei Dürrenmatts-Werk anzulegen, führt nicht weit. In seinem Werk haben alle Menschen dunkle Seiten. Das ist nicht sexistisch, sondern höchstenfalls misanthropisch.

Analysen von heutigen Literaturwissenschaftlern halten oft nicht, was sie versprechen. Sie sind oft nur der ignorante Versuch, gegen den Strom zu schwimmen.

Dürrenmatt, würde er noch leben, hätte wohl die Augen verdreht. Schliesslich kannte er die Menschen.

52 2

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.