07. Januar 2021
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Florian Schwab

Schweizer Gastronomen fragen sich: Sind wir die Deppen der Nation? Stand heute: Ja. Denn ihr Verbandspräsident tut nichts dagegen

Es ist fast definitiv: Restaurants und Bars müssen bis Ende Februar schliessen. Angebahnt hat sich der Lockdown auf Raten bereits im Herbst mit der 4-Personen-Regel. Im Dezember folgte die Sperrstunde 19 Uhr. Dann kam der Lockdown bis zum 22. Januar, den der Bundesrat – wie gestern bekannt wurde –wild entschlossen bis Ende Februar verlängern will.

 In der Gastronomie ist die Stimmung gereizt. Während Trams und S-Bahnen gerammelt voll verkehren und sich vor den Einkaufsläden lange Schlangen bilden, bleiben Gastro-Betriebe geschlossen. Das wichtige Dezembergeschäft fiel ins Wasser. Ende Januar werden die Sozialversicherungsbeiträge für 2021 fällig. Einzelne Gastronomen fragen sich bereits: Sind wir die Deppen der Nation? Stand heute: Ja.

Der Widerstand von Gastrosuisse, dem Dachverband der Gastro-Branche und ihres Präsidenten Casimir Platzer, fiel lauwarm aus. An markigen Wortmeldungen mangelte es zwar nicht. Als «Tod auf Raten» bezeichnete er die Sperrstunde Anfangs Dezember. Und: «Ein Lockdown wäre uns lieber gewesen.»

Unternommen hat der Verband wenig. In der Dezember-Session blieb das Thema unangetastet. In Richtung juristische Gegenwehr (Willkürverbot) oder ziviler Ungehorsam (Tag der offenen Restaurants) wurde nichts unternommen. Stattdessen ruft der Verband in einer Lautstärke nach Subventionen, die wohl das gesetzliche Bettelverbot ritzt.

Platzer und Gastrosuisse haben sich durch die Salamitaktik des Bundesrats in die Defensive drängen lassen. Erstaunlich für eine Branche, die 250 000 Angestellte beschäftigt. Sie sind jetzt auf die Mildtätigkeit des Bundesrats angewiesen. Die Überlegungen gehen in Richtung einer Kompensation von 25 Prozent des Umsatzes. In trockenen Tüchern ist das aber nicht. 

Es ist möglich, dass die Wette auf Subventionen nächste Woche aufgeht. Andernfalls sollte Casimir Platzer den Hut den nehmen.

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