28. Juli 2021
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Wolfgang Koydl

Gelebte Doppelmoral: Schwulenpogrome in Georgien sind Europa nicht der Rede wert. Denn das Land gehört zu den Guten. Da drückt man mal ein Auge zu.

Kein Tag vergeht, an dem nicht auf das angeblich homophobe Ungarn eingeprügelt wird – obwohl Schwule dort alle Rechte geniessen.

Anders als Georgien, wo sie auf der Strasse gejagt, in ihre Wohnungen verfolgt, bedroht, drangsaliert, geschlagen und sogar getötet werden.

Hinter den Pogromen stecken die Kirche und Micheil Saakaschwili, schillernder Ex-Präsident, strammer Nationalist, und vor allem Darling des Westens.

Die Polizei sieht zu, die demokratische Regierung zuckt die Achseln: Was soll man machen, seufzt der Premier, Georgier mögen nun mal keine Homosexuellen.

Nur in Europa hört man keinen Ton. Die Medien schweigen, dito Ursula von der Leyen.

Warum die Doppelmoral? Hat man sich mit Ungarn schon verausgabt?

Simpel. Georgien soll in Nato und EU, als Verbündeter gegen Russland. Georgien gehört zu den Guten. Da sieht man gerne über kleine Schwächen hinweg.

Und über die eigene beschmutzte Moral. Wie definierte der US-Aphoristiker Ambrose Bierce die Heuchelei? «Dem Charakter ein sauberes Hemd überziehen.»

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9 Kommentare zu “Gelebte Doppelmoral: Schwulenpogrome in Georgien sind Europa nicht der Rede wert. Denn das Land gehört zu den Guten. Da drückt man mal ein Auge zu.”

  • Freigeist sagt:

    Wenn Saakaschwili "strammer Nationalist " wäre, würde er bei Flinten-Uschi eher in Ungnade fallen. Zudem frage ich mich, ob Homophobie
    in Georgien für uns tagespolitisch von Relevanz ist. Mir sind Themen , die die aktuelle Bescheidung der Freiheitsrechte in den Vordergrund stellen , wichtiger.

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  • hape sagt:

    ...und ja, wer erwartet etwas anderes von Kanonen-Uschi? Die ist - wenn es um ihre Ziele geht - noch skrupelloser als Merkel. Nur tarnt sie es besser.

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  • hape sagt:

    Mein Prinzip: Jeder darf sexuell aktiv sein, mit wem er/sie will. Ohne Einschränkung und ohne Diskriminierung, die die sexuelle Orientierung betreffen.
    Auch ist mir völlig wurscht, welches geschlecht jemand hat oder wählt. Im Umgang mit Menschen nehme ich das, was grad da ist.

    Bei mir ist dann Schluss mit Lustig, wenn das Sexuelle in die Gesellschaftspolitik übergeht. Kinderadoption, Eheh für alle und so sind für mich Nogos...

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  • minibixi2008 sagt:

    Glaubt jemand dass es bei uns in der Schweiz anders aussieht mit der Doppelmoral gegenüber Homosexuellen. Ich bin überzeugt die meisten von diesen toleranten lieben Gutmenschen und vor allem Politiker die sich täglich äussern wie verwerflich sie diese Diskriminierung gegenüber Schwulen und Lesben finden, im Innern ganz eine andere Meinung vertreten.
    Heuchlerische Verlogene Welt.

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  • Realo100 sagt:

    Auch nichts Neues:
    "non olet" (Vespasian)
    "der Zweck heiligt die Mittel" (Machiavelli)
    "All animals are equal, but some animals are more equal than others ..." (Orwell)

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  • uge sagt:

    In Ungarn dürfen Homosexuelle Blut spenden in Deutschland nicht!

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  • kaltenstein sagt:

    Von der Leyen (Mutter von 7 Kindern) sagte zu Kinderschutzgesetz in Ungarn, das es eine Schande ist. Orban antwortete, dass es Schande ist, dass sie es ohne das Gesetz zu lesen gesagt hat.

    Von der Leyen sieht und hört JETZT über die Verfolgungen der Homosexuellen in Georgien UND SIE SCHWEIGT - eine wahre Heuchlerin. Der König ist nackt!

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  • Edmo sagt:

    Die Verdoppelung der Moral ist die Doppelmoral. Je moralischer jemand auftritt, desto sicherer steckt dahinter eine üble Doppelmoral. Die Politik, die Kirchen und die Medien sind die beliebtesten Sammelbecken für die Weltmeister der Doppelmoral. Wer etwas von Politik versteht, weiss längst, dass Ungarn nicht wegen Homophobie Prügel einstecken muss. Es sind ganz andere Dinge, die den EU-Zentralisten nicht passen. Im Falle von Georgien werden die Schwulen weit weniger geliebt als Saakaschwili.

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