18. Dezember 2020
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Roger Köppel

«Güterabwägung»: Eveline Widmer-Schlumpf spielt sich moralisch auf und erzählt Unsinn

Die frühere BDP-Bundesrätin Eveline-Wider-Schlumpf ist heute Präsidentin von Pro Senectute. Heftig widerspricht sie im Blick ihrem Nachfolger im Finanzdepartement, Ueli Maurer (SVP).

Man dürfe auf keinen Fall sagen, es gehe bei Corona um eine «Güterabwägung» zwischen dem Schutz von Leben und der Wirtschaft, dröhnt die Bündnerin. Dieser Begriff sei «unmöglich», denn nichts dürfe mit dem Schutz von Menschenleben verglichen werden.

Das klingt so gut, das klingt so einfühlsam, aber mit Verlaub: Es ist Unsinn. Und unehrlich obendrein.

Denn Widmer-Schlumpf weiss haargenau: Jede Politik ist Güterabwägen, das Geschäftsleben, das Familienleben, das Leben überhaupt: Alles ist ein ständiges Wägen und Abwägen von Gütern.

Und natürlich muss auch bei Corona abgewogen werden: Wer nur die Toten und die Ansteckungen sieht, müsste alle Menschen in eine Höhle sperren. Corona wäre besiegt, aber alle würden verhungern. Politik ist Abwägen.

Als Frau Widmer-Schlumpf das Bankgeheimnis abschaffte, hat sie eine Güterabwägung gemacht zwischen den Interessen des Auslands und dem Schutz der Privatsphäre – zugunsten der Interessen des Auslands.

Als sie die restriktive Asylpolitik ihres Vorgängers Blocher lockerte, hat sie eine Güterabwägung vorgenommen zwischen dem schweizerischen Asylrecht und den Wünschen der Linken, denen sie ihre Wahl verdankte – zugunsten der Linken.

Als sie sich gegen Blocher von der SP, der CVP und Teilen der FDP intrigenreich in den Bundesrat wählen liess, wägte sie ab zwischen den Interessen ihrer Partei und den Interessen von Eveline Widmer-Schlumpf. Das Resultat ist bekannt.

Vielleicht ist das höchste Gut, an dem sich Eveline Widmer-Schlumpf orientiert, Eveline Widmer-Schlumpf. Das würde erklären, warum es ihr so schwer fällt, ihre eigenen Güterabwägungen zuzugeben.

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