12. Januar 2021
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Wolfgang Koydl

Heiko Maas' Marshallplan für die USA: Soll Amerika am deutschen Wesen genesen?

Der Antiamerikanismus hat in Deutschland eine lange Tradition. Ob bei Kaiser, Führer, Generalsekretär oder Kanzler: Amerika war unkultiviert, arrogant, machtgeil, militaristisch und natürlich materialistisch. Bert Brecht etwa suchte im kalifornischen Exil immer die «Preisschildchen an den Menschen»

Der Antiamerikanismus, ob in Deutschland oder anderswo, unterscheidet sich von anderen Ismen dadurch, dass er extremen Linken und radikalen Rechten gleichermassen eine Heimstatt bietet. Das SED-Regime geiferte ebenso gegen Amerika wie die Nationalsozialisten. Nur dass für die Kommunisten die Plutokraten an der Wall Street nicht alle Juden waren.

Diese beiden Versionen des Antiamerikanismus haben wenigstens den Vorteil, dass ihr Hass ehrlich ist. Denn es gibt eine perfidere Variante: Sie versteckt sich hinter geheuchelter Sorge über die schlimmen Zustände bei den «amerikanischen Freunden». Aber die Schadenfreude schimmert gleichwohl immer durch.

Womit wir bei Heiko Maas wären. Mit der herablassenden Grossmut eines preussischen Junkers bot er den seiner Meinung nach am Abgrund zur Tyrannei trudelnden USA an, dass Deutschland sie mit einem gemeinsamen Marschallplan beim Wiederaufbau ihrer Demokratie unterstützen würden. Da kann Joe Biden aber aufatmen!

Maas, dessen Diplomaten in der Uno regelmässig gegen US-Vorlagen stimmen, reiht sich damit gleich in eine zweite unrühmliche Tradition ein: Schon Kaiser Wilhelm II. wollte die Welt am deutschen Wesen genesen lassen – Amerika eingeschlossen.

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