06. Mai 2021
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Rolf Hürzeler

Heuchlerischer Traum von der Unabhängigkeit: Die schottischen Nationalisten betreiben banale sozialdemokratische Politik

Hinkelsteine schwingende Kilt-Schotten kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Schön wär’s, aber die Vorstellung stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Die Mehrheit der modernen Schotten sind urban, sie leben im bevölkerungsstarken Gürtel mit den beiden Zentren Edinburgh und Glasgow.

Genau hier haben die schottischen Nationalisten seit Jahren das Sagen. Unter Nicola Sturgeon, der Ersten Ministerin, verfolgte die Scottish Nationalist Party stets eine fürsorgliche Agenda wie jede sozial-demokratische Partei auf dem Kontinent und schickte damit die Labour Party in die Bedeutungslosigkeit.

Um die Finanzierung ihrer sozialstaatlichen Grosszügigkeit mussten sich die Nationalisten nie kümmern, denn Schottland lebt gut von den Zuschüssen von Westminster.

Vor den Wahlen diese Woche gibt die SNP nun vor, sie könne mit einer Mehrheit im Regionalparlament dennoch die Unabhängigkeit erreichen und in Brüssel andocken.

Als ob die EU jemals eine Sezession in Europa unterstützt hätte – ganz im Gegenteil, wie die Katalonen wissen.

Auf die schottischen Haushaltsdefizite verzichtet die EU noch so gerne. Angesichts all dessen erscheint die Vorstellung einer Unabhängigkeit ziemlich vage.

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3 Kommentare zu “Heuchlerischer Traum von der Unabhängigkeit: Die schottischen Nationalisten betreiben banale sozialdemokratische Politik”

  • Stefan Mueller sagt:

    also eine Sezession ....
    wetten da weiss man in Brüssel schon längst wieder einen Ausweg, warum dies diesmal nun eine ganz spezielle "ANDERE" Besonderheit ist.....

    Und die Aufnahme von Habenichtsen ...das ist ja mittlerweile ein Steckenpferd der Mutti-EU, ob Staaten oder........ Ärzte/Ingenieure/Forscher...hihi?!?!

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  • Josef Hofstetter sagt:

    Schottland ist finanzielle von England abhängig und die E:U heisst nur diejenigen Willkommen, welche die EU finanziell unterstützen können. Deshalb und nur deshalb möchte die EU die Schweiz dabei haben.

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  • Edmo sagt:

    Die EU funktioniert nicht rational. Es ist durchaus denkbar, dass sie eine Sezession in Europa unterstützt, wenn England davon betroffen ist. Die Rachegelüste nach dem Brexit sind noch lange nicht gestillt. Geld spielt in der Schuldenunion zwar eine wichtige Rolle, doch Haushaltsdefizite sind völlig belanglos. Die EZB wird es schon richten. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die schottischen Nationalisten in der EU willkommen sind, wenn sie sich von England trennen.

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