21. Juli 2021
Christoph Mörgeli

Hochwasser bei uns: Heil dir, Helvetia

Unser nördliches Nachbarland Deutschland hat wegen der Hochwasserkatastrophe gegenwärtig über 160 Todesopfer zu beklagen. Angesichts dieser bestürzend hohen Zahl versteht man die atemlosen, auch anklagenden Schlagzeilen.

Und in der Schweiz?

Die hiesigen Journalisten sehnen sich natürlich auch nach etwas Aufregung. «Toter Hund aus der Aare geborgen», lautet der Titel eines fast vierminütigen Videos bei 20 Minuten. Die «erschreckende Entdeckung» geschah am Flusskraftwerk Ruppoldingen: «Im Wasser zwischen Schwemmholz schwamm ein toter Hund.»

Auch auf dem Campingplatz im bernischen Gampelen passierte Schockierendes: «Fische schwimmen an den Gartenmöbeln vorbei.» Laut Blick stand letzte Woche der Schrebergarten von Rui Lucas da Silvas in Schlieren unter Wasser. «Heute ist es zum Glück wieder einigermassen trocken.»

Und das Wichtigste: «Zum Glück zahlt die Versicherung.» Glückliche Schweiz. Aber man merke sich: Auch wir als Kleinstaatler haben ein Anrecht auf ein winziges Stücklein der Katastrophe.

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18 Kommentare zu “Hochwasser bei uns: Heil dir, Helvetia”

  • Janosh sagt:

    Hochwasser sind kein neues Phänomen.
    Die schwersten überlieferten Hochwasser an der Aare z.B. ereigneten sich 1342 und 1480.. Viel Regen im Mai und Juni. Dann beschleunigt Hitzewelle die Schneeschmelze Anschliessend tagelang schwere Niederschlägen in den Voralpen. Die Schäden in den Städten entlang der Aare waren enorm. Weitere ausserordentliche Hochwasser führte die Aare in den Jahren 1651, 1852, 1876 und 1999. Was soll also das Theater!

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  • Silverager sagt:

    Es scheint, dass die Schweizer "Journalisten" etwas traurig sind, dass die Hochwasser-Katastrophe in der Schweiz so relativ glimpflich ablief.
    Bei uns in Deutschland hatten die deutschen "Journalisten" ja mehr Glück.
    Pardon für den Zynismus !!!

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    • Peter Eschmann sagt:

      Es geht nicht ohne Zynismus! Weil man gar nicht soviel essen kann, wie man vomitieren möchte. Sie haben ja so recht. Für die deutschen Journaillisten in ihrer schwer zu überbietenden Betroffenheit war‘s wie ein Lottosechser. Die Schweizer Journaillisten sind nicht traurig, sondern neidisch.

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  • Benedikt sagt:

    Jeden Tag ein Mörgeli mit seinen Sörgeli. Nein, Spass bei Seite. Die Medien, eigentlich die 4 Gewalt in einer Demokratie, sollten mit ihrer Vielfalt erheblich zur Meinungsbildung beitragen, nicht koscheren Politiker auf die Finger schauen usw. Leider sind sie zu einem Einheitsmatch verkommen. Ausnahme Weltwoche. Nicht mehr die Meinungsvielfalt zählt, sondern es wird mit emotionalen Schlagzeilen kräftig an der Volksseele gerührt und manipuliert. Haben diese Journis keine Berufsehre mehr

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  • Juerg Brechbuehl Diplombiologe sagt:

    Nach den Unwettern von 2013 hat unsere Schwellenkorporation im Eggiwil BE 20 Millionen in die Reparatur der Schwellen, neue Geschiebesammler und Freilegung des Räblochs investiert.- In Kemmental TG ist man nahezu frei von Naturgefahren. Der "Geschiebesammler" in Hugelshofen hätte Platz für zwei Siloballen oder einen Viertel Tanne, von denen hier Dutzende daherkommen. Wir hatten Null Schäden, die Hugelshofnern reiben sich die Augen ob einem Dutzend versoffener Keller, ein Auto ist 50m geschwommen

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    • Juerg Brechbuehl Diplombiologe sagt:

      .... wollte sagen: Im Eggiwil kommen Dutzende Tannen und Siloballen daher. Bei uns kostet ein Geschiebesammler ab 6 Millionen aufwärts. Die Kemmentaler aber, die kennen das gar nicht und haben so einen Mini-Geschiebesammler im Wert von 20'000 Franken. Der ist dann alle 20 Jahre ein bisschen zu klein und die Leute kratzen sich am Kopf und leiden, wenn ihr Keller voll Wasser ist. Dafür zahlen sie viel weniger Steuern und wirklich gefährlich ist es auch dort nicht.

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  • minibixi2008 sagt:

    Leider hat dieses Hochwasser auch sehr sehr viele Hirne weggeschwemmt. Da hilft das viele Stroh nichts mehr es kann das Wasser nicht mehr aufsaugen.
    Die Arbeit gewisser Journalisten könnte heutzutage ein 5 jähriges Kind genau so gut erledigen.
    Das Journalisten- Niveau hat einen bedenklichen Level erreicht.

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  • peter keller sagt:

    Dennoch Herr Mörgeli schlägt die Beamtenunfähigkeit erbarmungslos zu: Warum bspw. wurde die Abflussmenge aus dem Bielersee erst am letzten Donnerstag von 550 auf 750m3/s erhöht? Dachten die Beamten etwa, dass sich das Wasser aus den Berner Alpen magisch von selbst auflösen würde? Oder ohne Folgen im Neuenburger und Bielersee versickern würde? Die Folgen dieses Beamtenschlafs sind u.a. keine Kapazitäten mehr für kommende Niederschläge am Wochenende...

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  • Peter Rossa sagt:

    völlig perverse Journis, die sich sowas wünschen, pathologische "Aufmerksamkeits-Geilheit"

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  • Gonzo sagt:

    Bei uns hat es zuerst die ganze Ernte verhagelt anschliessend standen die Gemüsekulturen im Wasser, wir fanden das gar nicht lustig.

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  • Edmo sagt:

    Als Medienkonsumenten haben wir ein zwingendes Menschenrecht auf die tägliche Katastrophe. Ein toter Hund ist immer noch besser als heile Welt. Fische, die an Gartenmöbeln vorbei schwimmen, sind allerdings journalistisch äusserst mangelhaft aufbereitet. Garantiert hätte man einen Zeugen finden können, der sah, wie ein Fisch bedrohlich aggressiv auf ein Kind zuschwamm. Jeden Tag nur Corona und Klima könnte sich abnützen. Da muss noch eine mediale Würzmischung darüber gestreut werden.

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  • Zappa69 sagt:

    Und Roger Tell sagt: Der Sonntagsblick war zwei Tage mit Sommaruga IM KATASTROPHENGEBIET unterwegs!
    🤮🤮🤮
    Wo? Auf dem Schwanenplatz in Luzern? Auf dem drei Pfützen waren? 😉

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    • Juerg Brechbuehl Diplombiologe sagt:

      Blickjournalisten sind mit der Lupe in der Hand auf den Knien unter Sommarugas Schreibtisch herumgerutscht und haben die verlorengegangene Dürrekatastrophe von wegen dem Klimawandel gesucht.

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  • Markus Saurer sagt:

    haha... schön.

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  • Rolf Bolliger sagt:

    So himmeltraurig es auch tönt, aber die "Klimahysteriker" wünschten sich auch in der Schweiz etwas mehr Katastrophen-Stimmung, um uns ihre arrogante Klimahysterie bildlich verkaufen zu können! In Deutschland wurden Häuser, Strassen und Dutzende Autos innert wenigen Minuten weggerissen und dabei verloren über 160 Menschen ihr Leben! Solche Tragödien gab es immer und wird sie auch wieder geben! Grund dazu sind starke Sommer-Tiefdruckgebiete, die das Wetter beeinflussen, liebe Klimaexperten!

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  • VP-Falger sagt:

    Ja, man stelle sich vor, auf dem Vitaparcours in Dietikon versperrt ein zum Teich angewachsener Dümpel den Weg, sodass ich über den trochenen Sportplatz zum Posten 5 gelangen und meine Übungen fortsetzen konnte! Sarkasmus pur...

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